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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-12-19 · Heft 51 (19.12.1882) · p. Seite 840

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 51 (19.12.1882)
Date
1882-12-19
Page
Seite 840 (sequence 12)
Language
German
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auch vollkommen gelang. Nach der Heraushebüng lud man die Kiste. samml der - Leiche auf Zeinen kleinen Handschlitten und führte die Last in ein, am Ende des Dorfes' stehendes verfallenes, unbewohntes Bauernhaus, wo in dem einen Zimmer 10 bis 12 Menschen kaum Platz hatten. Professor Scheuthauer, der nicht mit draußen auf dem Friedhofe gewesen, erwartete hier mit seinen Apparaten die Leiche. Die Kiste, tvurde geöffnet und darin ein ganz schwarzes,' mumienhaftes Skelett gefunden, zweifach gekrümmt. Auch das verfaulte Gehirn wurde gefunden. Hierauf schritten die Sachverständigen zur Untersuchung der einzelnen Theile, besonderes Gewicht darauf legend, wie die Nägel und das Haar der Leiche beschaffen waren. Die Professoren haben zur Untersuchung — welche bis spät Abends währte — ihre Assistenten mitgebracht. . — Die „Oedenb. Ztg. " berichtet: Gleichzeitig mit der Entfernung des Militärs aus Himod treffen wieder Meldungen von Straßen-Exzessen ein, die in Kapuvar stättfanden und gegen Israeliten gerichtet waren. Im Laufe dieser Woche wurden an 150 Fenster zertrümmert. Die Sicherheitszustände, welche in Kapuvar und in der Umgebung herrschen, werden uns von vertrauensvollster Seite als sehr düster bezeichnet. Nicht allein, daß während der Nachtzeit die mit langen Messern bewaffneten Unruhestifter den Juden auflauern, selbst bei helllichtem Tage dringen sie in die Geschäftslokale, namentlich in Branntweinschänken von israelitischen Kaufleuten ein, und nachdem sie wacker gezecht, nehmen sie Fersengeld. Wenn nun der jüdische Kaufmann Geld für die Zeche verlangt, so bedrohen sie ihn — Betrunkenheit simulirend — mit dem Messer. Pest, 4. Decbr. Das Unterhaus genehmigte die zeitweilige Aufhebung des Jmmunitätsrechts behufs gerichtlicher -Verfolgung der Theilnehmer und Sekundanten an dem Duell zwischen Jstoczy und Wahrmann. , Tokai, 8. Dezember. Am Donnerstag, 7 Uhr Abends, beendeten die Sachverständigen nach fünfstündiger angestrengter Arbeit in der kleinen, niedrigen, überfüllten dunklen Stube des Bauernhauses ihre Arbeit. Nach einer , kurzen Ruhepause traten sie zu einem Consilium zusammen, welches an zwei Stunden dauerte, und erschienen um 11 Uhr wieder, um vor Gericht ihren Befund zu Protokoll zu geben. Da von der Haut und den Weichtheilen nur sehr wenig vorhanden war, bezog sich die Unte^uchung hauptsächlich auf alle jene Knochen, welche für dU Bestimmung des Alters wichtig sind. Einzelne Haupttheile wurden zur mikroskopischen Untersuchung nach Budapest mitgenommen, in etwa 14 Tagen werden, die Professoren ihr Gutachten abgeben. Alles, was bis dahin auf das Alter, die Behaarung rc. bezüglich verlautet , sind vage Gerüchte. Heute Bormittags traten.. das Gericht, die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung und die Sachverständigen wieder zusammen, weil sowohl die Anklage, als die. Verteidigung verschiedene Fragen an die Sachverständigen zu stellen haben. Diese Verhandlung geschah bereits mit Ausschluß der Oeffentlichkeit. Die Conferenz dauerte bis 1 Uhr. lieber die Vorgänge in derselben verlautet authentisch: Die Universitäts - Sachverständigen erklärten einstimmig, sie könnten in diesem nicht nur juristisch, sondern auch medizinisch so hochwichtigen Falle nur dann ein Gutachten abgeben, wenn ihnen die ganze Leiche sammt der in der Kiste enthaltenen Erde zu weiterer eingehender Untersuchung mitgegeben wird. So ist beispielsweise von den für die Jdentitätsbeftimmung wichtigen Fingernägeln nicht einer gefunden worden und die Nägel müssen doch vorhanden sein, weil gerade die Nägel sehr langsam verwesen, dieselben müssen also eingehend weiter im Schlamm der Kiste gesucht werden. Ferner müssen einige Knochen mindestens zehn Tage lang in Chemikalien gebeizt werden. Der Staatsanwalt stimmte der Expedition der Leiche nach Budapest zu, der Untersuchungsrichter gestattete aber dieselbe nicht (!!) und nun wird der Gerichtshof entscheiden. Professor Scheuthauer erklärte, daß der erste ärztliche Befund so mangelhaft sei, daß er durchaus unverständliche, ja sinnlose oder direkt unmögliche Angaben enthalte. Darüber entstand eine scharfe Controverse. zwischen ihm und den ersten Sachverständigen, namentlich Dr. Trajtler. Scheuthauer forderte ihn auf. Eines oder das Andere in seinem Gutachten zu motiviren oder zu erklären, worauf Trajtler, ein heftiger junger Mann, erwiderte: „Herr Professor! Einmal habe ich vor.Ihnen rigorosirt, heute habe ich mich nicht mehr examinirenzu lassen!" Die Professoren erklärten, sie. wollen vor allen Fakultäten des gebildeten Europa Nachweisen, daß der erste Befund wissenschaftlich unhaltbar und forensisch unbrauchbar sei/ und formulirten eine Reihe von Fragen an die früheren Sachverständigen. Diese bitten um acht Tage Frist der Beantwortung. Bei der Untersuchung wurden auch Zeugen vernommen. Die Wittwe Solymossy erklärte, als ihr die Zähne der Leiche gezeigt wurden: „Esther hatte nicht solche Zähne. Sie hatte kleine dichte Zähne. Kein Zahn hatte bei ihr den andern bedeckt. Auch die übrigen Theile des Körpers waren, als ich sie das letztemal gesehen, nicht so, wie die der Esther." In gleichem Sinne äußerte sich mit Rücksicht auf die Formation der Zähne die Tante der Esther Solymossy, Frau Gabriele Solymossy, und eine Schulkameradin der Esther Solymossy. (Die Motive dieser Verwandten der Esther bei ihren Erklärungen sind bekannt.) Frankreich. Paris, 8. Decbr. (Arch. isr.) Am 30. Novbr. hielt unter dem Vorsitze des Großrabbinen Zado.c Kahn, die, Ge- I sellschaft Des Etudes juives ihre jährliche Generalversamm- I lung, in welcher die Herren Theodor Reinach Ephraim und

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