Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1882)
- Date
- 1882-12-19
- Page
- Seite 841 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227393-3227445--40438-3258076- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Erlanger' die Rechenschaftsberichte über die Arbeiten der Gesellschaft und deren finanzielle Gebahrung vortrugen. Alsdann HM Prof. Adolph Franck einen Vortrag über „die Religion und 'die Wissenschaft, in welchem derselbe der Religion auch vom philosophischen Standpunkte huldigte. Die Versammlung bestand zum großen Theile aus Damen, und der Redner erhielt von allen Seiten stürmischen Beifall. — Nach Beschluß der Deputirtenkammer wird an der Fakultät des lettres in Paris ein Lehrstuhl für die Geschichte der Sprache und der Literatur und des Mittelalters mit einem Gehalt von 12,000 frcs. gegründet. Für denselben ist unser Glaubensgenosse Darmesteter, Prof, an der Schule für höhere Studien, bestimmt. — Der Munizipalrath von Marseille hat sämmtliche Positionen für die verschiedenen Kulte gestrichen. Da dieselben auf staatlichen Gesetzen beruhen, wird ihm schwerlich das Recht dieser Streichung zugestanden .werden können. . In diesen Tagen geht der Kriminalprozeß gegen die „Union generale“ vor dem Pariser Tribunal vor sich. Die Anklageschrift ist ein merkwürdiges Aktenstück, das mit ausgezeichneter Klarheit und Gründlichkeit den von den Direktoren dieser Bank, Bontoux und Feder vollbrachten Schwindel und Betrug darstellt und begründet. Man muß sagen, daß von Law bis auf unsre Tage schwerlich ein Schwindel- und Gründerprozeß Äergeres zu Tage gefördert hat, als was hier geschehen; wo sich. .schließlich die Passiiva um 400 Millionen höher als die Aktiva fanden. Union generale war von Anfang an als „katholische Bank" gegründet worden, und des- ' halb jeder Jude ausgeschlossen. Wir können uns .boxt Glück wünschen; denn wäre nur ein Jude in diesen stMählichen Handel verwickelt gewesen, so würde ganz Europa in Feuer gerathen sein, und für diesen einen Juden hätten alle jüdischen Finanziers und . für diese wieder alle Juden Europas büßen müssen! — Rumänien. Jassy, im Novbr. Nach den jüngsten offiziellen Angaben kommen in Jassy auf 14,633 Familienhäupter 700 jüdische. Die jüdische Bevölkerung zählt.29,846 Seelen. Auf 4750 Hünvwerker kommen 3110 Juden, auf. 3539 Handeltreibende 2629 Juden. — Bor Kurzem hielten die „Rumänischen Studenten" in Bakau einen Kongreß und beschlossen fast mit Einstimmigkeit, die israelitischen Studenten aus ihvem Schoße auszüschließen. Es macht dies natürlich der Bildung und Wissenschaftlichkeit derrumänischen studirenden Jugend alle Ehre! Ebenso selbstverständlich wird dies jüdische Jünglinge nicht abhalten, sich mit allem Ernste und Eifer den wissenschaftlichen Studien. .hinzugeben.; Bonn, 10. Dezbr. (Notizen.) Man schreibt uns aus Berlin: In voriger Woche verstarb Hierselbst Dr. Jsaacsohn, früher Lehrer an der Auerbach'schen Waiseuanstalt, dann an dem Andreas-Realgymnasium und Verfasser einer sehr geschätzten Geschichte des Preuß. Beamtenthüms, die leider mit zwei Bänden noch unvollendet geblieben ist. Der Direktor und das Lehrer - Kollegium des Andreas-Realgymnasium haben dem Verstorbenen einen so warmen Nachruf in den hiesigen Zeitungen gewidmet, daß er wohl verdient, hier wiedergegeben zu werden. Er lautet: „Durch das am 27. d. M. erfolgte Hinscheiden unseres hochgeschätzten lieben Kollegen', des Herrn Dr. Siegfried Jsaacsohn, hat das Andreas-Realgymnasium einen schwerwiegenden, schmerzlichen Verlust erlitten. Mitten in der Blüthe des Mannesalters ist er einem an wissenschaftlichen Verdiensten wie an Erfolgen feiner Lehrwirksamkeit-reichen Leben allzufrüh entrissen worden. Sein idealer Sinn, seine ' aufopferungsvolle Hingebung an - die Interessen der Schule und die Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit seines Wesens erwarben ihm die Hochachtung und Zuneigung seiner Kollegen, sowie die treue Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, mit der er die ihm anvertraute Jugend förderte, ihm die Verehrung und Liebe seiner Schüler gewann. Allezeit werden wir ihm ein treues dankbares Andenken bewahren. Direktor und Lehrer-Kollegium des Andreas-Realgymnasiums." Der König von Württemberg, berichtet man uns'aus Stuttgart, hat dem Hofmusikus Schwabacher auf Veranlassung' seines 40jähr. Dienstjubiläums die goldene Verdienstmedaille verliehen. Feuilleton. vermischtes. Aus dem jetzigen Ungarn. Der bekannte antisemitische Kampfhahn Emerich Szalay, welcher im Zalaer Komitat begütert ist, kam vor einiger Zeit noch Groß-Kanizsa, um für.seine heurige Weizenfechsung einen Käufer zu suchen. Seine Versuche blieben jedoch erfolglos, weil die jüdischen Händler beschlossen hatten, ihm den Tagespreis nicht zu bewilligen. Nach einigen Tagen schrieb Emerich Szalay an die Kanizsaer Firma Scherz und Engländer, er wisse wohl, daß die Herabdrückung der Preise eine Machination der Fruchthändler sei, doch wolle er beigeben und seinen Weizen der benannten Firma für zehn Gulden per Meter- Zentner liefern. Hierauf erwiderten ihm die Herren Scherz und Engländer, obzwar der Marktpreis blos neun Gulden per Meter-Zentner betrage,-seien sie dennoch gewillt, ihm