Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1882)
- Date
- 1882-12-12
- Page
- Seite 824 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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lassung gestattet ist, wieder in Anwendung zu bringen! Von dieser Maßregel sollen nur Juden ausgeschlossen sein , welche in Kamienee geboren oder unter die dort ansässige Bevölkerung bereits eingetragen sind, Bonn, 3. Dez. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin vom 28. Nov.: Der Geheime Sanitätsrath Dr. Behrend, langjähriges Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, feiert heute das Fest der goldenen Hochzeit im engsten Kreise seiner Familie. Sein Sohn, Prof. I. Behrend, Rechtslehrer nnd jetziger Rektor der Universität Greifswald, (dessen Bestätigung als Rektor, weil er Jude, so vielen Staub aufgewirbelt,) ist zur.Festesfeier hier eingetroffen; ein älterer Sohn fand als Arzt vor Sedan seinen Tod. — Aus Linz wird geschrieben: An die Stelle des Dr. Kurrein ist Herr Dr. A. Groß, Rabbiner in Lundenburg, zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. — In San-Francisco ist der Rabbiner Dr. H. Bidaver im noch nicht vollendeten 50. Lebensjahre verstorben. Er war ein Schüler des Breslauer Seminars, lebte einige Zeit in Paris, dann als Prediger in New-Jork und seit 187h war er Rabbiner der Gemeinde Scheriß Israel in San-Francisco. — Dr. Rosenstein, Prof, der Medizin an der Universität von Leyden, hatte einen Ruf an die Universität zu Amsterdam erhalten. Die Studirenden der Medizin zu Leyden sandten eine Deputation an ihn, ihn zu ersuchen, den Ruf nicht anzunehmen, und infolge dessen lehnte er ihn ab. Die Studenten brachten ihm hierauf eine Serenade und die Straße, in welcher er wohnt, war mit Fahnen geschmückt. — Man schreibt uns aus Potsdam vom 28. Nov.: Am 27. d. beging ein hochachtbares Mitglied unserer Gemeinde, Herr Meyer Hirsch bürg, das seltene Fest seines 50 jährigen Bürgerjubiläums. Der Jubelgreis steht in rüstiger Kraft, umgeben von Kindern und Enkeln, und genießt der allgemeinsten Achtung in allen Kreisen unserer Stadt. Eine Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten, geführt von dem Oberbürgermeister Herrn Bote und dem Stadtverordneten-Vorsteher Herrn Pusch, erschien, geschmückt mit den goldenen Amtsketten, und die beiden genannten Herren hielten sinnige und warm empfundene Ansprachen, worin sie die Tüchtigkeit und stets gleiche Ehrenhaftigkeit des Jubilars rühmten, der sich aus kleinen Anfängen zu ruhigem Wohlstände emporgearbeitet. Der Herr Oberbürgermeister betonte noch besonders das schöne Einvernehmen, welches in unserer Stadt unter den verschiedenen Eonfessionen herrsche und wie man auch in den leitenden Körperschaften der Stadt die Inden bei Rath und That nicht entbehren möge. Bei dem sich anschließenden Frühstück brachte er einen humorvollen Toast auf den Jubilar und dessen Familie aus. Dem Jubilar zur Seite stand unser altehrwürdiger früherer Bürger- ‘ meister, Geheimrath Gobbin, welcher vor 50 Jahren ihm den Bürgereid abgenommen und nun mit seiner herzlichen Theilnahme diesen Tagverschönte. Eine Deputation der Gemeindevertretung sprach durch den Mund ihrer Vorsitzenden, der Herren Abramczyck und S. I. Cohn, ihre Theilnahme aus, Herr Rabbiner Dr. Cohn überbrachte in feierlicher An-, spräche seiue Glückwünsche und zahlreiche Freunde und Verwandte von nah und fern verherrlichten den schönen Ehrentag durch ihre Anwesenheit. Iseuilleton Ein Äbentruer in Rußland. Ein uns seit langer Zeit befreundeter russischer Kaufmann beschreibt uns in einem Briefe ein Abenteuer, das er soeben bestanden, und giebt uns nicht undeutlich zu verstehen, daß er es gern in diesem Blatte wiedergegeben sähe, obgleich es ein spezifisches Interesse, wie es die A. Z. d. I. zu ihrer Aufgabe hat, gar nicht besitzt. Wir stehen nicht an, dem braven und muthigen Glaubensgenossen dennoch das Wort zu vergönnen. Es ist ein tiefer Zug inr Geiste unseres Stammes, aber auch leicht erklärlich, in allen Begebenheiten des Lebens zunächst die religiösen Gefühle aus den Tiefen des Gemüthes angeregt zu fühlen und sie auszusprechen. So beginnt unser Freund mit einer Betrachtung, welch' herrliches Gut für den Menschen unter allen Umständen das feste Vertrauen auf Gott, die Zuversicht ist, bei Anwendung der rechten Mittel den göttlichen Beistand zu erfahren. Es sei dies ein fester Ankergrund im menschlichen Leben. Dieses Gottvertrauen dürfe aber nicht etwa aus Reflexionen des Verstandes stammen, sondern müsse die ganze Seele durchströmen und in Besitz haben, wie das Blut den thierischen Körper. Nur in dieser Unmittelbarkeit übe es seine stärkende Wirkung mitten in der Gefahr, stähle die Kräfte. und schärfe den Geist, um den rechten Augenblick erfassen zu können. Dieses echte Gottvertrauen, wie das JÜdenthum es den Geistern seiner Bekenner von der Wiege an gewähre und pflege, habe nichts von der Erschlaffung des Willens, wie sie ebenso aus dem Fatalismus entfließe, kein bloßes Erwarten der göttlichen Hülfe ohne die höchste Anspannung der menschlichen Kräfte, sondern verleihe nur die köstliche Gewißheit^ einen Bundesgenossen da droben zu haben, um den Feind zurückzuschlagen und die Gefahr glücklich zu bestehen. Wir geben diese Gedanken, mit denen unser russischer Freund seinen Bericht beginnt, hier wieder, weil sie an sich schön und belebend sind, aber auch weit sie den Charakter des russischen Juden bezeichnen, der es sehr liebt, sich ln reli-