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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-12-12 · Heft 50 (12.12.1882) · p. Seite 822

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 50 (12.12.1882)
Date
1882-12-12
Page
Seite 822 (sequence 10)
Language
German
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mm?’ 822 weise aüszUdehnenVe Untersuchung folgender Umstände durch Sachverständige wird angeordnet, und zwar: ' a) Die eingehende Beschreibung der Knochen-Struktur , und Entwicklung der Leiche, sowie b) der Stellung und Entwicklung der Zähne vom Gesichtspunkte der Beurtheilung des Alters aus; o) die Feststellung'der Haarfarbe der Haarstämme der Leichen-Kopfhaut, sowie die Feststellung dessen, ob die Haare der Kopfhaut, sowie der Augenbrauen zufolge vorgeschrittener Fäulniß äusfielen, oder ob dieselben mittelst Rasirmessers oder auf andere künstliche Weise entfernt wurden, ob die Haare der Genitalien und' unter der Achselhöhle aus Mangel an Pubertät noch nicht gewachsen waren, oder wenn sie vorhanden waren, was die Ursache' ihres Verschwindens gewesen sein konnte? Die Untersuchung ist ferner auch darauf auszudehnen, ob an dem rechten und linken Wandbein des Schädels die Spuren einer Verletzung sichtbar seien/" Die Exhumirüng wird am 2. k. M. stattfinden und werden derselben außer den richterlichen Functionären und Sachverständigen auch der Vertheidiger Eötvös und der Arzt vr. Heumann, ein Jude, anwohnem Jüngst tauchte in Bekes-Gyula das Gerücht auf, ein rothbärtiger Jude hätte ein vierjähriges Christenmädchen geraubt, um ein Verbrechen auszuführen. Die ganze Ge- , schichte, welche die Blätter gehörig ausposaunt haben, - entbehrt vollständig jeder 'Richtigkeit. Ein interessantes Seitenstück zu der Tißa-Eßlarer Affaire bietet folgende Geschichte. Vor einigen Wochen wurde eine ' angesehene Frau in Szentes von dem Vater ihres ehemaligen Dienstmädchens beschuldigt, dasselbe getödtet und den Leichnam im Geheimen vergraben zu haben; infolge dessen wurde die Frau auch eingezogen. Durch einen glücklichen Zufall erfuhr ihr Gatte, daß die'Vermißte sich, in Pest befinde und zwar im Gefängniß; sie hätte ihre letzte Dienstgeberin, eine Jüdin, bestöhlen und wurde zu mehreren Monäten Gefängniß verürtheilt. Daraus ergiebt sich für die Antisemiten die Lehre, daß Verdächtigungen, Anzeigen und Aussagen Einzelner noch keine genügende Basis für die Constatirung eines Thatbestandes sind. Wäre das verschwundene diebische Mädchen nicht zufMig' ^auMfunden, so würde die' des Mordes angeschüldigte Frau wer weiß wie lange in Untersuchungshaft sich befinden'.' ' *r ■!; . In Wien nst" ein Wachmann verhaftet worden, der sich auf seinen nächtlichen Patrouillengängen mit dem Ankleben antisemitischer- Vignetten an den StraßenrEcken beschäftigte. ''Zur Tißä-Eßlärcr? Affaire meldet der „Pest. Lloyd": - Der' seitens dev königlichen Ober-Staatsanwaltschaft speciell für den Tißa-Eßlarer Fall mit den Agenten eines öffentlichen Anklägers betraute Staatsanwalt beim königlichen Gerichtshöfe für den Pester Landbezirk Emerich Havas hat an den königlich ungarischen Ober-Staatsanwalt Kozma eine Eingabe gerichtet, in welcher er mit Rücksicht auf die wider ihn auf Veranlassung des Justizministers einzuleitende strafgerichtliche Untersuchung (wegen angeblicher Anwerbung falscher Zeugen und Mißbrauch der Amtsgewalt) um seine Enthebung von den staatsanwaltlichen Functionen bei der Affaire von Tißa-Eßlar bittet. (Man sieht hieraus, daß der Einfluß der Antisemiten auf dem Gebiete der Justiz noch immer entscheidend ist.) Czernowih, 29. November. (Privatmitth.) Nicht bald hat etwas bei uns im Lande so viel Aufsehen erregt, . als eine letzthin in Zürich erschienene Schrift, betitelt: „Wir Juden, Betrachtungen und Vorschläge eines Bukowinaer Juden." Der Verfasser, der einer der ältesten jüdischen Familien des Landes angehört und selbst Jude ist, dessen Vater der angesehenste Judenvorstand unserer Gemeinde war und dessen Urgroßväter einer geachteten Rabbinerfamilie in Czortkow angehörten, plädirt in dieser Schrift für — das Aufgehen des Judenthums in die anderen Völkerschaften. Er findet, daß die neuerlichen Judenverfolgungen nicht ein letztes Auflodern des Judenhasses sind und bald, erlöschen werden, sondern daß solange Juden als solche überhaupt bestehen werden, die Anfeindungen gegen dieselben dauern müssen. Nicht aber wegen ihrer Fehler, wie deren Feinde sagen, sondern wegen ihrer fremden Religion und noch mehr wegen ihrer Rasse. Das muß ihnen, solange Religion und Abstammung auf die Handlungen der Menschen bestimmend einwirken, Haß und Verfolgung zuziehen. Er macht daher einfach den Vorschlag; in feiger Fahnenflucht und mit Hintenansetzung unserer eigenen Ueberzeugung das Judenthum' aufzugeben!! Als Vorbild führt er vor, wie die Prinzessinnen, die sich an andersgläubige Höfe verheirathen, ihren Glauben aus conventionellen Rücksichten wechseln!! Den Beweis, daß die jüdische Rasse sich ausgelebt hat und daß ihre Mission erfüllt ist, hat der Verfasser nicht erbracht. Die pessimistische Anschauung, daß es den Juden als solchen nie besser gehen werde, dürfte wohl wesentlich durch die schauderhaften Vorgänge im nachbarlichen Rußland beeinflußt worden fein. Gerade jetzt, wo trotz aller Verdunkelungen die reine Humanität zum Durchbruche gelangen muß, können die Juden hoffen,! daß ein Ende ihrer Leiden eintreten werde. Die Broschüre hat namentlich deßhalb Aufsehen erregt, weil der Verfasser einmal zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Bukowina gehört. Von christlicher Seite wird die Schrift — wie begreiflich — viel gelobt und gelesen und die hervorragenden Blätter von Galizien und der Bukowina — Gazet-a narodowa und Bukowinaer Rundschau, widmen ihr große Aufmerksamkeit. Nachschrift der Redaktion. Unser Correspondent —

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