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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-12-12 · Heft 50 (12.12.1882) · p. Seite 820

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 50 (12.12.1882)
Date
1882-12-12
Page
Seite 820 (sequence 8)
Language
German
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gewählt, (jener mit 284 gegen 251, dieser mit 590 gegen 189 Stimmen.) Dagegen fiel Lissauer durch. Bemerken wollen wir noch, daß im 14. Wahlbezirk der Antisemit Pickenbach gewählt worden. Der bisherige Stadtverordnete Salewski hatte die Wiederwahl abgelehnt. Am morgenden Tage haben 14 Wahlkreise 2. Abtheilung zu wählen. Da die Conservativen die größten Anstrengungen, wenn auch mit möglichst wenigem Geräusch für ihre Candidaten gemacht haben, und die Theilnahme an den Wahlen eine verhältnißmäßig geringe war — meist gab nur ein Viertel, höchstens ein Drittel der stimmberechtigten Wähler ihre Stimme ab — so ist obiges Resultat erklärlich. 0 Berlin, 29. November. (Privatmitth.) Bei den gestrigen Ergänzungswahlen der dritten Wählerklasse für das Stadtverordnetenkollegium hat der Antisemitismus eine abermalige Niederlage erlitten. Er hatte gegen die beiden jüdischen Stadtverordneten Dr. Straßmann und Ludwig Löwe eine beispiellose Agitation eröffnet, die vor den schmutzigsten Mitteln nicht zurückscheute. In dem ersten wollte man den jüdischen Stadtverordneten-Vorsteher entfernen, der stets kühn für seine Glaubensgenossen eingetreten ist. Löwe aber wurde mit den gemeinsten, bereits gerichtlich abgewiesenen Verleumdungen verfolgt, indem man abermals die Behauptung aufstellte, er habe seine Stellung in gewinnsüchtiger Absicht mißbraucht. Und diese grundlose Anklage gegen einen Mann, den der Kronprinz noch dieser Tage durch einen längern Besuch beehrte, erhob das „Deutsche Tageblatt" einen Tag vor den Wahlen, wo eine rechtzeitige Dementirung unmöglich war. Trotzdem ist Hr. Löwe, wenn auch mit einer geringen Mehrheit, wiedergewählt worden. Noch glänzender war das Ergebniß für Dr. Straßmann. Er erhielt 590 Stimmen, sein reaktionärer Gegner nur 189! Berlin, 30. November. (Privatmitth.) Bei den Wahlen der zweiten Abtheilung wurde der Sanitätsrath Dr. S. Neumann von allen erschienenen Wählern einstimmig wiedergewählt. — In der ersten Abtheilung wurden Sanitätsrath Dr. Cohn, Juftizrath Dr. Hör Witz und Moritz Heilmann wiedergewählt. Gegen den letzteren wurde ein antisemitisches Circular verbreitet, das jedoch ohne Einfluß bliebe Diese Erganzungswahlen zu den Stadtverordneten haben, abermals erwiesen, daß die Berliner'Bürgerschaft sich von ihrem bisherigen Standpunkte nicht abdrängeln läßt, an: wenigsten durch die Antisemiten. 1) Nur bei Umständen, welche Wahlen für Stadtverordneten- Versammlnngen, von unsrem Standpunkte aus, eine Bedeutung beilegen, können wir in dieser Ztg. Wahlen von Inden durch ihre Mitbürger zu Stadtverordneten besprechen. Sonst ist dies bei der Häufigkeit und Selbstverständlichkeit der Sache unmöglich. So bemerken wir, weil eine Correspondenz Werth darauf legt, daß in diesen Tagen zu Burgsteinfurt der Bäckermeister und Getreidehändler Joseph Marcus mit großer Stimmenmehrheit zum Stadtverordneten gewählt worden. Redakt. — In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 1. December klagte der polnische Abg. Kantak über Zurücksetzung der Polen bei Anstellung im Justizfache und sagte: Es werde erzählt, der Herr Oberlandesgerichts-Präsident v. Kurowski habe geäußert, die Polen und Juden müßten hier fortkommen, die müsse er sich vom Leibe halten. (Hört, hört! im Centrum.) Die Polen seien fortgekommen, die andern dagegen geblieben, denn die hätten immer mehr Mittel, etwas ausznhalten. (Heiterkeit.) Aachen, 28. November. (Privatmitth.) Seit langer Zeit bestand hier unter den Namen „Chevrah" ein Verein, dessen Mitglieder sich zur Aufgabe machten, schwerkranken und verstorbenen Glaubensgenossen, die üblichen frommen Liebesdienste zu erweisen, sowie unbemittelten Gemeindemitgliedern bei Krankheits- und Todesfällen Unterstützungen zu gewähren. Theils wegen der geringen Anzahl seiner Mitglieder — die kaum mehr als 20 betrug — theils weil andere mit größeren Mitteln dotirte Unterstützungsvereine in unserer Gemeinde bestehen, konnte der Verein nur eine beschränkte Thätigkeit entfalten. Der thatkräftigen Hingebung unseres Rabbiners, Dr. Jaulus, gelang es aber, dem Verein durch Erweiterung seiner Tendenzen neues Leben einzuhauchen, dessen Mitgliederzahl in Folge dessen bereits auf 150 gestiegen ist. Neben seinen bisherigen Zwecken stellte sich der Verein in seinem revidirten Statut die Aufgabe, die Kenntniß von Allem und das Interesse für Alles, was das Judenthum betrifft, in unserer Gemeinde fördern und verbreiten zu helfen. Zu dem Behufe wurden öffentliche und unentgeltliche Vorlesungen über jüdische Themata vom Rabbiner gehalten; ferner wurde an die Errichtung einer jüdischen Bolksbibliothek geschritten, die heute bereits aus nahezu 600 vorzugsweise populär-wissenschaftlichen und belletristischen, der jüdischen Literatur angehörenden Schriften besteht und demnächst zur allgemeinen unentgeltlichen Benutzung eröffnet werden soll. Hierbei ließ es jedoch der Verein nicht bewenden. Von der richtigen Voraussetzung ausgehend, daß durch eine regelmäßige Lectüre der allwöchentlich erscheinenden jüdischen Zeitschriften der Sinn und das Interesse für Judenthum und jüdische Angelegenheiten ganz bedeutend geweckt werden kann, ist auf Anregung des Rabbiners in dessen jüngster Jaum-Kippur-Predigt von Seiten des unermüdlich arbeitenden Vereinsvorstandes sämmtlichen Bereinsmitgliedern die Mittheilung gemacht worden, daß der Verein je nach Bedürfniß auf eine Anzahl jüdischer Zeitschriften abonniren und den zur Lectüre derselben sich bereit erklärenden Mitgliedern kostenfrei in's Haus stellen will. Um keinerlei Zwang auszuüben wurden die „Zeitung des Judenthums", die „Israelitische Wochenschrift" und „Der Israelit" der freien Wahl jedes Einzelnen überlassen.

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