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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-12-05 · Heft 49 (5.12.1882) · p. Seite 809

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 49 (5.12.1882)
Date
1882-12-05
Page
Seite 809 (sequence 13)
Language
German
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schreibt , eine hochgradige Erregung gegen die Juden platzgegriffen. Der Vicegespan hat Militär nach den bedrohten Gegenden abgehen lassen. In Prebautsch (Böhmen) wurden mehrere Personen wegen antisemitischer Agitation verhaftet. Plakate und Schriften eines Geheimbundes wurden bei den Verhafteten vorgefunden. Frankreich. Paris. 24. November. Die russischen Juden, die nach Paris gebracht worden und in Montmartre Wohnung erhalten, Haben sich eine Betstube eingerichtet, und diese am 16. November eingeweiht. Es ist ein sehr einfaches Lokal und man hat sich mit den dürftigsten Requisiten begnügt. Man begann mit dem Minchagebete, und nachdem die Thorahrollen in die h. Lade gestellt worden, hielt der Rabbiner Herschel Levin eine Rede im polnisch-deutschen Dialekt. Zum Schlüsse ermahnte er seine Zuhörer mit bewegter Stimme, durch ihr Verhalten sich stets der edelmüthigen Gastfreundschaft würdig zu zeigen, welche ihnen Frankreich gewährt hat, und sich zu bemühen, ihrem Adoptivvaterlaud Ehre zu machen. Hierauf wurde das Gebet für die Republik recitirt und das Maarib gebetet. — Als ein Gegenbild hiezu wollen wir bemerken,, daß in San Francisco eine Anzahl französischer Israeliten sich zu einer besonderen Gemeinde vereinigt und bereits Schritte gethanhat,' um eine Synagoge zu erbauen und einen Rabbiner aus Frankreich kommen zu lassen. Ob die französischen Israeliten in jenem fernen Welttheil ebenso viel Grund haben, sich von ihren übrigen Glaubensgenossen zu separiren, wie die russischen in Paris, wo Ritus und Sitten so ganz verschieden von den ihrigen sind, können wir nicht einsehen. Jedenfalls liegt hier abermals ein Beweis vor, wie sehr die Juden die Nationalität ihres eigentlichen Vaterlandes bis in die fernsten Gegenden mit sich nehmen und sie daselbst konserviren. Bonn, 26. November. (Notizen.) Man schreibt uns aus Brünn vom 15. November: Heute verschied hier im 66. Lebensjahre der auch in weiteren Kreisen bekannte emer. Rabbiner und Religionslehrer Daniel Ehrmann. Zuerst Rabbiner in Kuttenplan (Böhmen), folgte er 1844 einem Rufe als Rabbiner nach Hohenems und 1852 nach Böhm.- Leipa. Im Jahre 1860 legte er seine Stelle nieder und siedelte nach Prag über, wo er einen Buchhandel betrieb und einige Jahre die jüdische Wochenschrift „Das Abendland" herausgab. Bon 1868 bis zu seinem plötzlich erfolgten Tode wirkte er hier als Religionslehrer. Außer einigen werthvollen Arbeiten in dieser Zeitung, im Orient u. a. einigen kleineren Schriften und einzelnen Predigten schrieb er eine Geschichte der Israeliten für die Schule, welche mehrere Auflagen erlebte und ins Italienische übersetzt wurde. Seine im Jahre 1880 unter dem Titel „Aus Palästina und Babylon" erschienene Sammlung von Sagen und Legenden aus Talmud und Midrasch entsprach nicht den Erwartungen, welche der nun entschlafene pflichttreue und strebsame Mann hegte. — Mr. Ephraim Alex, der Gründer des jüdischen Armenpflege- Kollegiums, (Jewish Board of Guardians) in London, ist dort im Alter von 82 Jahren gestorben. — Dr. Allatini, der vielbetrauerte Menschenfreund in Salonichi, über dessen Tod und Beerdigung wir berichtet haben, hat eine Summe von fast 50,000 Fr. an mehrere öffentliche Anstalten der Stadt vermacht: 23,000 Fr. an die israelitischen, 4600 Fr. an die griechischen, 4600 Fr. an die türkischen und 1840 Fr. an die italienischen Schulen; ebenso 5290 Fr. an die italienischen Wohlthätigkeits-Vereine, 1725 Fr. an das katholische Hospital re. rc. Das Komitv von Salonichi hat beschlossen, zum ehrenden Andenken an seinen Präsidenten den Vorsitz für ein Jahr vakant zu lassen. — Die All. isr. univ. hat beschlossen, dem verst. Charles Netter ein ehrendes Grabmonument errichten zu lassen.'— Man schreibt uns aus Stuttgart: Am 1. December begeht eines der geschätztesten Mitglieder unseres in ganz Deutschland berühmten Königl. Hoftheater- Orchesters,' der Violinist W. Schwabacher, nach einer bald 50jährigen ununterbrochenen Angehörigkeit zum Königl. Hoftheater das Fest seiner 40jährigen definitiven Dienstzeit an genanntem Institute. Zu Oberdorf bei Bopfingen in Württemberg geboren, bekundete Schwabacher schon frühzeitig viel Liebe zur Musik und begab sich daher in seinem 15. Lebensjahre nach Stuttgart, wo er unter den schwierigsten äußeren Verhältnissen mit rastlosem Fleiße musikalische Studien betrieb. Bald wurde er ein Lieblingsschüler des unvergeßlichen Geigenvirtuosen und Komponisten Molique und nachdem er schon seit dem Jahre 1834 am Königl. Hoftheater in Verwendung gestanden, wurde er im December 1842 definitiv als Mitglied der Königl. Hofkapelle angestellt. Neben seiner dienstlichen Thätigkeit entfaltete er in dieser langen Reihe von Jahren zugleich eine unermüdliche Wirksamkeit als Lehrer des Klavier- und Violinspiels. Viele Hunderte von Schülern aus den besten bürgerlichen und höchsten Adelskreisen unserer Residenz haben ihre musikalische Ausbildung durch ihn erhalten und bewahren ihm ein dankbares Andenken. Der Jubilar ist ein Vetter des den Lesern dieser Zeitschrift wohlbekannten Stadtrabbiners von Odessa, Dr. Schwabacher. Noch in aller Rüstigkeit des Körpers und des Geistes steht er seinem Künstlerberufe mit seltener Gewissenhaftigkeit und rühmenswerther Pflichttreue vor. Bei seinem einfachen und bescheidenen Sinne dürfte ihm die Absicht ferne liegen, über das Fest etwas in die Oeffentlichkeit bringen zu lassen. Doch glaubt Einsender, vorstehende Notiz den Lesern dieser Zeitschrift nicht vorenthalten zu sollen.

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