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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-12-05 · Heft 49 (5.12.1882) · p. Seite 807

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 49 (5.12.1882)
Date
1882-12-05
Page
Seite 807 (sequence 11)
Language
German
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Zum Schluffe verwarnt er die ungarische Nation, durch diese Vorgänge den in Europa noch vielfach herrschenden Ansichten über sie und ihre Qualitäten Vorschub zu leisten. Er sägt: „Ohnehin sind ihrer genug überall, der Weisen und Staatsmänner, die'dem magyarischen Stamme alle europäische wahre Assimilirungsfähigkeit absprechen möchten und in unseren erborgten modernen Institutionen nur den Schein der Cultur erkennen wollen. Wir haben allen Grund, diesen Borurtheilen keinen Halt zu geben und zu beweisen, daß wir Mannes genug seien, um selbst das Recht zu wahren und die Ehre des' ungarischen Volkes gegen Jene zu schützen, die dieselbe durch den Perfidesten Bürgerkrieg beflecken wollen. Unser an gefeindetes, nationalitätenzerklüftetes, staatliches Dasein verträgt keine Nachahmung russischer Gewaltakte. Unsere freiheitlichen Institutionen ertragen noch keine Einbuße, soll - nicht Alles in Frage kommen." — Man sieht, an Mahnungen und Aufforderungen zur Gerechtigkeit sehlt es den Ungarn nicht: sehen wir, welche Wirkungen sie haben. Pest, 17. November. (Privatmitth.) Die Auswanderung aus Ungarn nahm in jüngster Zeit wieder so zu, daß die Regierung sich genöthigt sah, Maßregeln dagegen zu ergreifen. Eigentümlich ist, daß nicht den geringsten Procentsatz der Auswanderer die Juden bilden. In den letzten drei Jahren wunderten aus Munkecz und Beregßaß52, aus dem Trencsiner Komitat 58 Personen, zumeist Juden aus. Die Zahl der Auswanderer aus dem Liptoer Komitat beläuft sich auf 18 Juden. Viele jüdische Kaufleute verlassen Preßburg und siedeln sich in Wien an. Aus Marmaros, dem Heerde der ungarischen Ehassidim, wandern, wie es in dem Berichte heißt, noch immer fromme ältere Juden aus,- um in Jerusalem ihre Tage zu beschließen. — Aus Wels (Oesterreich) wird geschrieben: Ende dieses Monates findet vor dem hiesigen Schwurgericht eine Verhandlung gegen , zwei Wiener Touristen statt, 'welche die bekannten antisemitischen Siegelmarken in und um Ischl verbreitet haben. . Pest, 20. November. Auf die von uns in vor. Nummer skizzirte Denkschrift der Bertheidiger über die Tißa-Dadaer Leichenaffaire hat der Nyiregyhazaer Gerichtshof folgenden Bescheid erlassen: Gegenwärtige Eingabe sammt Beilagen wird behufs Antragstellung über das darin enthaltene Begehren an die königl. Staatsanwaltschaft geleitet. Unter einem wird der betreffende Bezirksstuhlrichter Eugen Jä-rmy ersucht, das Grab der Tißa-Dadaer Leiche, welche nach der amtlichen' Obduktion zu Tißa-Eßlar beerdigt wurde,' bis zum Zeitpunkte der etwaigen neuerlichen Obduktion, beziehungsweise bis zu weiterer Verfügung unverzüglich unter strenge Aufsicht nehmen und unausgesetzt bewachen lassen zu wollen, damit die in dem Grabe bestattete Leiche nicht in irgend einer Weise durch! fremde Hände angetastet werde und der Zustand, in welchem | sie sich zur Zeit der Beerdigung befand, eine Veränderung erleide. Ueber die getroffenen Verfügungen wird Mittheilung gewärtigt. Hiervon werden der königl. Staatsanwalt unter Anschluß der Eingabe, Stuhlrichter Eugen Järmy und die Bertheidiger Karl Eötvös und Genossen verständigt. Königl. Gerichtshof Nyiregyhaza, 13. November 1882. Kornis, Präses. Moeß, Gerichtsnotär. Die königl. Staatsanwaltschaft hat — wie wir erfahren — in Angelegenheit der Eingabe der Bertheidiger i.der des Mordes von Tißa-Eßlar Beschuldigten betreffend das Verlangen um Exhumirung der Leiche der angeblich falschen Esther Solymosi in Folge Aufforderung des königl. Gerichtshofes von Nyiregyhaza ihr Gutachten abgegeben, in welchem sie sich gegen die gebetene Exhumirung nicht nur nicht widersetzt, sondern dieselbe , vom Standpunkte einer erfolgreichen Untersuchung und wegen Feststellung des objektiven Thatbestandes selbst für wünschenswerth erachtet. Dieses Gutachten der königl. Staatsanwaltschaft ist heute von hier nach Nyiregyhaza an den dortigen königl. Gerichtshof abgegangen. Pest, 21. November. (Privatmitth.) Der in der Tißa- Eßlarer Affaire oft erwähnte jüdische Bettler wurde, wie „Egyertetes" meldet, sammt seiner Frau in S.-A.-Ujhely verhaftet. Die Verhafteten heißen Hermann Walner und Leni Deutsch. Ihre Verhaftung erfolgte auf Grund einer Anzeige. In Hermann Walner will man jenen Bettler gefunden haben, der, — laut Aussage Moritz Scharfs — am Tage des angeblichen Mordes die Esther Solymosi in die Synagoge gelockt haben soll. Moritz Scharf wußte den Namen des Bettlers nicht anzugeben, da die zum Probe-Gottesdienst versammelten Schächter denselben nur mit den Worten: „Dü Jüd" angesprochen haben sollen. Moritz Scharf wußte seiner Zeit nur eine mangelhafte Personsbeschreibung des jüdischen Bettlers zu geben, daher die Kurrentirung desselben gänzlich entfiel. In eingeweihten Kreisen.hat man das Unterlassen der Kurrentirung der Untersuchung stets als großen Fehler angerechnet, denn, was Moritz Scharf nicht vermocht, das haben die Nachbarn Scharfis, namentlich Frau Gabriel Batory gethan, nämlich eine umständliche Personsbeschreibung des Bettlers und seiner beiden Begleiterinnen gegeben. Walner und die Deutsch sind gestern in Nyiregyhaza angelangt. Wie uns von glaubwürdiger Seite mitgetheilt wird, hat der Justizminister Dr. Pauler den Ober - Staatsanwalt angewiesen, bezüglich des Staatsanwalts Havas das Disciplinarverfahren vor dem kompetenten Gerichtsforum unverzüglich einleiten zu lassen. Wie bekannt, hat der genannte Staatsanwalt, welcher mit den Borerhebnngen hinsichtlich der bei den Tißa-Eßlarer Untersuchungen vorgefallenen Mißbräuchen und Torturen durch die Ober-Staatsanwaltschaft betraut worden war, einen durch einen Häftling denunzirten

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