Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1882)
- Date
- 1882-12-05
- Page
- Seite 803 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227393-3227443--40398-3258034- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
tistischen Plattheiten nichts anderes als die Wahrsagerkünfle! gesetzten Schranken unterscheiden sich die Rassen- und Glaudes Alterthums sind und fährt fort: „Und worin sonst als bensverfolgungen der letzten Jahre von einem Albigenser in den heute durch den Staat und die allgemeine Gesittung! Kreuzzug oder von einer mittelalterlichen Judenhetze?" Deutschland. Berlin, 22. November. (Privatmitth.) Während an den österreichischen Universitäten die antisemitische Wühlerei sich, ganz wie es hier, in Breslau und Leipzig geschehen, eines Theils der fiudirenden Jugend, namentlich der Juristen und Theologen, bemächtigt ha?, ist dieselbe an der hiesigen Universität ganz im Verschwinden begriffen. Man erinnere sich, welchen Schauplatz des Kampfes zwischen der freisinnigen und der antisemitischen Partei die „akademische Lesehalle" und die jährliche Wahl ihres Directoriums abgab. Ganz anders in diesem Jahre und die „Voss. Z." berichtet darüber: „In der gestern im Barackenauditorium der Universität stattgehabten Generalversammlung der akademischen Lesehalle hat sich durch den ruhigen und schnellen Verlauf derselben hinreichend bekundet, daß jener unselige Streit, der nun schon seit längerer Zeit die Studentenschaft Berlins in zwei Heerlager spaltete, seinem Ende entgegengeht. Die einzelnen Punkte der Tagesordnung wurden in größter Ruhe erledigt und die von den freisinnige!: Mitgliedern des Instituts aufgestellten Candidaten in das Directorium desselben gewählt." Berlin, 24. November. (Privatmitth.) Der „Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes" hat ein Circulär- Schreiben versandt, in welchem er mit warmen Worten zu der bevorstehenden Feier der silbernen Hochzeit des kronprinzlichen Paares auffordert, die bei der Feier der goldenen Hochzeit des Kaiserpaares im Jahre 1879 eröffneten Sammlungen für eine „Bundes- Versicherungs- und Pensionskasse für jüdische Lehrer und Beamte wieder aufzunehmen und so reichlich zu vervollständigen, daß die Kasse Mittel genug besäße um die Lage der jüdischen Lehrer und Beamten zu verbessern. - lieber die Würdigkeit des Zweckes wie der Veranlassung brauchen wir kein Wort zu verlieren, und hoffen wir, daß sich auch diesmal die Opferwilligkeit unsrer Glaubensgenossen für Wohlthätigkeitszwecke bewähren wird. Zunächst ist es die Pflicht aller Gemeiudevorstände, die Sammlung in Fluß zu bringen; die Rabbiner, Prediger und Lehrer werden gut daran thun, die Vorstände darauf aufmerksam zu machen. Köln, 24. November. (Privatmitth.) In diesen Tagen passirte den hiesigen Bahnhof eine ziemlich große Anzahl russischer Juden, die von Amerika zurückkehrten und ihren Weg' wieder nach Rußland nahmen. — Wie auch andere orthodoxe Rabbiner sich an theologische Fakultäten und hervorragende Geistliche gewandt haben, um' eine Auslassung über die Lügenhaftigkeit der Blutbeschuldigung zu erhalten, was, wie in Fulda günstig, wie in Würzburg abweisend ausfiel, so richtete auch I)r. Plato Hierselbst ein solches Gesuch an die theologische Fakultät der katholischen Akademie in Münster. Auch diese Akademie verhielt sich ablehnend, jedoch mit einem plausiblen Grunde, indem ihre Antwort dahin lautete, daß sie mit Rücksicht auf die Vacanz der ordentlichen Professur für alttestamentliche Exegese darauf verzichten müsse, der angeregten wissenschaftlichen Frage näher zu treten, zugleich auch die Erwartung hege, daß sich die Wahrheit auch ohnehin schon Herausstellen werde." Ans Thüringen, 17. November, schreibt man uns: Den streitbaren Klerikalen ist das Schreiben des Bischofs Kopp von Fulda an den Fuldaer Rabbiner Di-. Kahn gar nicht gelegen gekommen und hat dasselbe sogar Anlaß gegeben, daß die desfallsige Differenz mit den Ansichten des Bischofs offen zu Tage getreten ist. Die „Hanauer Zeitung" und ihr nach das „Fuld. Kreisbl." haben jenes bischöfliche Schreiben veröffentlicht und dabei dasselbe der ultramontanen „Fuldaer Zeitung" zur Beherzigung empfohlen. Diese, von einem Geistlichen redigirt, antwortet darauf in einer längeren Auseinandersetzung, der wir folgende Stelle entnehmen: „Das „Fuld. Krbl." und die „Han. Ztg." . . . hätten sich hüten sollen, jetzt einen Geistlichen sogar zur Unterwerfung unter ein Urtheil seines Bischofs aufzufordern, welches er gar nicht qua Bischof, sondern einfach als Gelehrter gefällt hat. Wir achten dieses Urtheil, weil der Urtheilende unser Bischof ist, besonders hoch, was aber den Inhalt desselben betrifft, so erlauben wir uns, ein eigenes Urtheil zu haben." Daß die „Fuld. Ztg." und bezw. ihr geistlicher Redacteur einem Schreiben des Bischofs gegenüber ihr „eigenes Urtheil" hat und dies öffentlich erklärt, ist eine seltsame Erscheinung, die zu denken giebt. Es scheint also, daß auch in den Kreisen der katholischen Hierarchie die Disciplin sich zu. lockern beginnt. Die Preßkapläne fühlen ihre Wichtigkeit und steifen.sich auf ihre Dienst? den Bischöfen gegenüber. Die fromme „Germania" geht ihnen hierin mit gutem Beispiel voran. Biersen, 22. November. (Privatmitth.) Eine höchst anerkennenswerthe Ausdauer bethätigt unser jüdisch A Mitbürger Herr Jakob Hornemann. Die Leser d. Bl. werden