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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-12-05 · Heft 49 (5.12.1882) · p. Seite 802

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 49 (5.12.1882)
Date
1882-12-05
Page
Seite 802 (sequence 6)
Language
German
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Baß selbst hilfreiche Hand reichte, von Jrrthümern wimmelt, und zwar gröbster Art. — Von dem, im Jahrg. 188 t, S. 173 besprochenen „Talmud-Schatz, Fragmente aus dem babylonischen Talmud" von Moritz Geller (Pest, Selbstverlag)'ist der II. Theil erschienen, welcher, wie der I. Theil aus Berachot und Seraim, so aus Sabbath, die Mischnoth, die in denselben enthaltenen Halachoth nebst Auslegung vieler Bibelstellen, Erzählungen und Allegorien in deutscher Uebersetzung enthält. In einer kurzen Einleitung stellt der Vers, die Ansicht dar, aus welcher die Talmudisten das Sabbathgesetz betrachteten und bearbeiteten, was zum Berständniß des Ganzen nothwendig war. In Anmerkungen werden noch mannigfache Erläuterungen hinzugefügt. Wer übrigens den Talmud nicht kennt und die kasuistische Behandlungsweise der Gegenstände, die in ihm vorwaltet, kennen lernen will, vermag dies so recht aus diesem Traktate, der sich bis zur kleinsten Verrichtung und zu den seltsamsten Situationen verliert. — Bon der Bibliotlieca Rabbiuica des Dr. A. Wünsche (Leipzig, Otto Schulze, 1882) empfangen wir soeben die 19. Lieferung, welche den Schluß von Debarim Rabba enthält. Diesem Schluß geht eine kurze Einleitung voran, welche die Eigenthümlichkeiten dieses Theiles des Midrasch, wohl des jüngsten aller pentateuchischen Midraschim, bündig und klar hervorhebt, wie die mannigfaltige freie Behandlung des Textwortes, die an die Spitze jedes Abschnittes gestellten hattachischen Fragen u. s. w. Angefügt sind: „Nachweis der Quellen und Parallelen", „Verbesserungen und Bemerkungen" von vr. I. Fürst, „Noten und Verbesserungen" von D. O. Straschun. Den Freunden dieser Uebersetzung werden die „Auszüge aus Pesikta Rabbati nach der Ausgabe von M. Friedmann, welche angehängt sind, sehr willkommen sein. Zunächst haben wir nun den Midrasch zum 4. Buche Mose zu erwarten, welchem der zum 3. folgen wird, um den Midrasch zum ganzen Pentateuch zu vollenden. Bonn, 24. Nov. Von dem ausgezeichneten Prachtwerke „Palästina in Bild, und Wort" von G. Ebers und H. Guthe (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) liegen jetzt die 27—29. Lieferung vor. Mit diesen schließt der erste Band, die Hälfte des ganzen Werkes, ab. Die Illustrationen in diesen Lieferungen sind vorzüglich und bieten um so mehr Interesse durch Mannigfaltigkeit und Fülle des Dargestellten, als hier die schönsten Landschaften, die prächtigsten Ruinen und ein reicheres Volksleben.den Gegenstand ausmachen. In diesen Lieferungen werden die Jordansquellen, der Hermon und.Antilibanon, das altehrwürdige Damaskus, das über vier Jahrtausende zählt, da es schon zu Abrahams Zeit blühete und jetzt noch die wichtigste Stadt Syriens ist, die herrlichen Ruinen von Palmyra und Balbek behandelt und geben so dem Bild und dem Wort Gelegenheit, Interesse und Belehrung dem Leser in reichem Maße zu bieten.- Einzelnes aus diesem umfassenden Werke herauszuheben, ist hier nicht der Ört. Zum Schlüsse des Bandes werden zu dem aus dem Englischen übersetzten Texte von den Herausgebern eine Reihe von Anmerkungen, welche vielfache, besonders topographische Fragen zu lösen versuchen, ein Verzeichniß der Stahlstiche und Holzschnitte, ein ausführliches Sach- und Namensregister, eine schöne und reichhaltige Karte von Palästina, sowie einen sorgfältig gearbeiteten Plan von Jerusalem, auch Titelblatt und Vorwort hinzugefügt. Auch hat die Verlagshandlung für einen künstlerischen Prachteinband gesorgt. Wir lenken die Aufmerksamkeit unserer Leser mit Vergnügen auf dieses vorzügliche Werk. — Im Jahrgang 1880 haben wir in Nr. 22. 23. 30 Goethe's Faust in seinem Gegensatz zur Weltanschauung des Judenthums kritisch besprochen. Die betreffenden Artikel machten in unserem Leserkreise einiges Aufsehen, und ein Bortrag des Herrn vr. Landsberg in Darmstadt stützte sich bereits auf dieselben. Es versteht sich aber, daß die Klique, welche den literarischen Markt beherrscht — wir unterscheiden zwischen dem literarischen Markte und der Literatur ganz wesentlich — mit Stillschweigen darüber hinwegging. Jetzt hat Du Bois-Reymond in seiner Rede bei Antritt des Rektorats der Universität zu Berlin eine in manchen Punkten mit uns übereinstimmende Kritik am Faust geübt (Leipzig, Veit 1883). Allerdings vermögen die Referenten der öffentlichen Blätter an einer, auf solcher Stelle gehaltenen Rede, nicht vorüberzukommen. Bis jetzt aber haben wir z. B. in der Voss, und Köln. Ztg. nur Schmähungen auf den in der Wissenschaft so hoch stehenden Verfasser gelesen. Aber Schmähungen sind keine Widerlegungen. Wenn wir in nnsrer oben citirten Besprechung auf die ganze Idee und Tendenz jener großen Dichtung eingingen, so faßt Du Bois-Reymond vielmehr die Gestaltung im Einzelnen ms Auge, und zeigt hier das „Unwahre" und „Ungeheuerliche" in der Entwickelung des Charakters. Auch er wie wir' verfolgt durchaus nicht die Absicht, die Großartigkeit dieser dichterischen Schöpfung zu verleugnen; aber wie man berechtigt und verpflichtet ist, eine Hypothese oder ein Philosophen: der vergangenen Zeit zu beurtheilen, und dieJrrthümer in denselben nachzuweisen, so ist dies auch der Fall mit her im Faust entwickelten Anschauung über Intelligenz und Ethik,, über Wissenschaft und Gesellschaftigkeit. Du Bois-Reymond war einer der ersten jener hochsinnigen Männer, welche sich gegen den Antisemitismus in Berlin erhoben. So sägt er^ auch hier S. 21: „Hüten wir uns übrigens vor Ueberhebung im Rückblick auf diese Verirrungen einer früheren Zeit. Dieselben thörichten und bösen Neigungen, welche damals so gräßliche Gestalt annahmen, sie schlummern noch heut im Schoß der Gesellschaft, und jeden Tag können sie sich auf's Neue in minder roher, aber nicht minder schimpflicher Art entwickeln." Er macht darauf aufmerksam, daß die spiri-

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