Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1882)
- Date
- 1882-12-05
- Page
- Seite 801 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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801 gens auch bei den Vorbereitungen zur Tödtung durch Schlachtmasken statt. Die Broschüre hat dazu beigetragen, der Opposition gegen das Schächten in jenen Bezirken ein Ende zu machen. — Der Mosesstab. Sabbath- und Festreden. Betrachtungen über die 5 Bücher Mosis nach Ordnung der Wochenabschnitte für die Schuljugend beiderlei Geschlechts. Bon L. Wollner, Prediger und städtischer Religionslehrer in der Josephsstadt. Zwei Bände. (Wien, 1882, Selbstverlag.) Die beiden Hefte enthalten solche Betrachtungen zum 1. und 2. Buche Mos. Sie sind kurz, einfach, bisweilen nüchtern gehalten und eignen sich zu dem angegebenen Zwecke durch die populäre Sittenlehre, die sie auf die verschiedenen Vorkommnisse des Lebens und die Regungen der menschlichen Seele anzuwenden lehren. — Maggid Le Adam. Menschenlehre des Judenthums., Der Mensch, die Menschlichkeit und Menschheit. Zehn Reden, gehalten von vr. Adolf Kurrein, Rabbiner und Prediger der israelitischen Kultusgemeinde in Linz. (Wien, Selbstverlag 1882.) Diese Reden haben etwas Eigentbümliches. Der Verf. flicht nämlich eine Menge von Midraschstellen in seine Redeweise ein. Das ist nun an sich nichts Neues und geschieht gegenwärtig von vielen Predigern. Diese führen aber jene Stellen alssolche durch die Phrasen: „Unsre Weisen sagen", „der Midrasch sagt" u. s. w. ein. Der Vers, der genannten Reden aber thut dies nicht, sondern fügt jene Stellen unmittelbar in Uebersetzung seiner eigenen Rede ein. Nicht als ob er hiermit ein Plagiat beginge; denn er fügt gewissenhaft die Texte in Anmerkungen, hinzu. Aber er giebt durch diese Manier seiner Rede ein eigenes Gepräge, nämlich des Naiven, Kindlichen in der religiösen Anschauung. Wir können dies einerseits als einen Vorzug anerkennen, denn dieses Naive spricht das Herz nnd die Phantasie des Volkes am ehesten an, und die innigste religiöse Gemüthsregung knüpft sich überhaupt.an die naive Vorstellung an. Andrerseits aber wird die reine und klare Vorstellung von Gott, der Welt, dem Menschen dadurch vielfach verdunkelt und herabgezogen, und an die Stelle der Erkenntniß und des lichten Bewußtseins, die unserer Zeit Bedürfniß sind, tritt ein phantastisches Bild, das verwirrend zu wirken vermag. Wenn in der jüngsten Homiletik der Midrasch eine große Rolle spielt, so benutzen ihn die Redner doch nur, um aus dem schmuckreichen Gewände den tiefer liegenden Gedanken herauszusondern ^nd zu benutzen. Sie haben dadurch den Vortheil, zu gleicher Zeit den Verstand und di^ Phantasie anzuregen, ein Bild zu geben und den Scharfsinn, dasselbe zu erklären, anzureizen. Nach der Weise unseres Verfassers hingegen wird der Midraschausdruck zur Rede selbst und als wirkliche Lehre hingestellt. So erscheint schon ans der ersten Seite Gott vor der Schöpfung des Menschen wie „ ein Fürst, der einen Palast gar herrlich eingerichtet, gar wohl versehen mit Allem u. s. w. und kein Gast, kein Besucher findet sich ein u. s. w.", „ein wohlbestellter Tisch ohne Gast, denkt Gott, ist ein Mangel u. s. w." Er „jog daher alles Bestehende zu Rathe, ehe er sein letztes Werk bildete", „fragte Himmel und Erde um die Wohlmeinung u. s. w." und „zuletzt ließ er die eigenen Gedanken seinem Bewußtsein sich gegenwärtig halten." Dies Alles ist Midraschwort, aber so absolut hingestellt, giebt es eine Vorstellung von Gott, die dem kindlichen, aber nicht dem gegenwärtigen Menschen entspricht. Wir führen dieses eine Beispiel an, aber sie wiederholen sich auf jeder Seite des Buches, und wenn wir auch glauben, daß viele seiner Zuhörer an dieser Weise des Verfassers Gefallen finden, so können wir doch dieser Methode nicht zustimmen. — Raschi als Exeget, mit besonderer Rücksicht auf das Sprachwissenschaftliche in seinem Bibel-Kommentar. Von Dr. Nehemias Kronberg. (Breslau, Schatzky, 1882.) Eine treffliche Monographie, die sich von anderen gleichartigen Erzeugnissen der jüngsten Zeit vortheilhaft auszeichnet durch die einfache und klare Sprache, in welcher sie ihre Ergebnisse ausspricht, durch das Vermeiden aller vermeintlich schwunghaften Phrasen. Das enspricht ganz besonders dem Gegenstände derselben, Raschi als Bibelexegeten. Wenn der Verf. in der Hauptsache auch nur die Resultate früherer Forscher bringt, und sie durch zahlreiche gute Beobachtungen und Bemerkungen im Einzelnen vermehrt, so hat er doch das Verdienst, alles zu seinem Thema Gehörige bündig zusammengefaßt und daraus ein Gesammtbild gestaltet zu haben. Nachdem er über das Leben Raschi's, das Gebiet seiner literarischen Thätigkeit, die Bibelexegese in Frankreich vor Raschi gehandelt, zeichnet er Raschi's grammatischen Standpunkt, sehr zutreffend den Geist des Raschi'schen Bibelkommentars, spricht über die Echtheit des letzteren und geht dann auf das einzelne Sprachwissenschaftliche ein: Lautnnd Schriftlehre, Formenlehre und Syntax, Das Schriftchen wird Allen, die sich auf diesem Gebiete orientiren wollen, willkommen sein. — Das bibliographische Handbuch des Schabtai Baß in der lateinischen Uebersetzung Clanners. Von Rabb. Dr. M. Brann. (Breslau, Schatzky, 1882.) Schabtai Baß, der gelehrte Buchdrucker von Dyhernfurt hatte 1680 unter dem Titel eine alphabetische Zusammenstellung und einigermaßen wissenschaftliche Beschreibung von etwa 2000 gedruckten und ungedruckten Schriften aus allen Gebieten des jüdischen Wissens in Amsterdam erscheinen lassen. Das Buch machte unter den christlichen Gelehrten ein so großes Aufsehen, daß sich fünf Gelehrte an die lateinische Uebersetzung desselben machten. Unter diesen war auch Clanner in Breslau und dessen handschriftliche Uebersetzung befindet sich auf der Stadtbibliothek daselbst. Ueber den Verf. und die Beschaffenheit dieser Uebersetzung stellte nun Div Brann eine Untersuchung an. Jndeß zeigte es sich ihm, daß diese Uebersetzung, zu welcher Schabtai