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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-12-05 · Heft 49 (5.12.1882) · p. Seite 799

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 49 (5.12.1882)
Date
1882-12-05
Page
Seite 799 (sequence 3)
Language
German
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799 es -sich von selbst, daß der Prophet mit Israel nur diejenigen befaßt, welche auch im Exil der Gotteslehre treu geblieben, und nicht abtrünnig geworden. Jene faßt er mit „Israel" zusammen, und somit ist Nr. 1 und Nr. 2 ganz identisch, und man darf die Frommen vom Volke Israel nicht absondern. Erst später, als der Prophet in Wirklichkeit nur eine verhältnißmäßig geringe Zahl solcher vor sich sah, die nach dem h. Lande zurückkehren wollten, unterscheidet er zwischen diesen und der übrigen Masse des Volkes und spricht sich über die letztere in bitteren und heftigen Reden aus. (Siehe den 3. Abschnitt.) Hier jedoch hat er noch die Vorstellung des ganzen Volkes Israel im Sinne. Es bleiben also für vr. Sch. nur „das Volk Israel, gipfelnd im Messias" übrig. Wie aber nun unter „mein Knecht" das Volk Israel und der Messias zugleich verstanden werden sollen, können wir nicht begreifen. Entweder nizist das Volk Israel oder der Messias. Wollte aber der Prophet von beiden zugleich sprechen, so hätte er uns sagen müssen,, wo er jenes und wo er diesen meine. Sonst hätte er seine Hörer und später seine Leser in unsägliche Verwirrung gestürzt. Eine solche Verwirrung schreiben wir aber eher einem späteren Ausleger als einem Propheten zu, der überall sich der anerkennenswerthesten Klarheit und Deutlichkeit befleißigte. Herr vr. Sch. hat übrigens auch keinen einzigen Beweis für sMe Meinung oder auch nur für eine seiner drei Nummern herangebracht. In der ganzen Rede ist es der Leidende, der auch „erhöht", dessen zukünftige Größe und Herrlichkeit verkündet wird. Soll etwa nun Israel bloß der leidende Theil und der Messias der „erhöhte" sein? Oder soll es umgekehrt sein? Alle diese Fragen, welche .die Identität des Volkes Israel mit dem Messias im Dunkel lassen, beantwortet vr. Sch. in keiner Weise, sondern geht darüber mit Stillschweigen hinweg. Er muß sich aber schon durch unsre Besprechung überzeugen, daß eine bloße Angabe einer Meinung noch lange keine Beweisführung ist. Wir aber wollen uns nicht durch solche verschwommene Ausle? gung den Kerngedanken der prophetischen Rede) die, , durch die Geschichte erwiesene Idee der Geschichte Israels nehmen lassen. Zur Auswan-erungsfrage. Wenn wir in unsrem Leitartikel Nr. 45 die Meinung aussprachen, daß es zu den zu lösenden Aufgaben gehöre, auch außer den Vereinigten Staaten Deutlichkeiten aufzusuchen, nach welchen die Auswanderer zu dirigiren wären, so erhalten wir soeben von Herrn Prediger vr. Jellinek zu Wien einen Beitrag hierzu. Ein Herr Isaak P. Nathan schreibt ihm aus Tampico im Mexikanischen Staat Tamanlipas vom 15. Septbr. c. „Der Präsident der Republik sowohl als der Minister der inneren Angelegenheiten sind in der besten Disposition und versprechen sich besondere Vortheile im Falle einer Einwanderung hierher. Die einwandernden Familien würden die Reisekosten vergütet zurückerhalten; die Regierung würde ihnen Felder zur Urbarmachung und die nöthigen Utensilien beschaffen und eine Steuerfreiheit auf zehn Jahre gewähren. Ebenso würde ihnen das Bürgerrecht sofort eingeräumt werden und könnten sie die Localbehörden aus ihrer eigenen Mitte wählen. Die Republik anerkennt keine herrschende Religion; alle Bekenntnisse ohne Unterschied sind geduldet und keines .genießt eines. Vorrechtes vor dem anderen. Alle religiösen Ceremonien jedoch dürfen nur im Innern der betreffenden Gotteshäuser vorgenommen werden, Processionen, öffentliche Begräbnisse rc. rc. sind nicht erlaubt. Das Land ist überaus fruchtbar; zwei Ernten werden jährlich gehalten; man lebt hier iu einem ewigen Frühling, Schnee und Frost kennt man nicht. Im Falle der Möglichkeit einer Einwanderung hierher würde ich im Interesse der einwandernden Familien mit der Regierung die Contracte schließen und Ihnen dieselben zuschicken, damit den Einwanderern die nöthigen Garantien von Seite der Regierung sichergestellt seien". Literarischer Wochenbericht. Bonn, 15. November. Wir haben die Befriedigung, ein Werk zu besprechen, das seinen Gegenstand mit voller Sachkenntniß und ausgezeichneter Umsicht behandelt: Die Religionsphilosophie des Saadia, dargestellt und erläutert von vr. S. Guttmann. (Göttingen, Vandenbeeck <L Ruprecht, 1882.) Zunächst haben wir die ausführliche Einleitung zu rühmen, in welcher uns der Vers, auf den Boden versetzt, aus welchem das religionsphilosophische Werk des Saadia erwachsen ist, und auf welchem es uns zum rechten Verständniß kommt. Er wirft hier zuerst die Frage auf, warum bei den Israeliten in der biblischen wie talmudischen Zeit eine originale Philosophie nicht erstanden ist? und beantwortet sie dahin, „weil es-diesem Volke bei der Vernunftgemäßheit feiner Religionsanschauungen an einem, zum Wiederspruche reizenden und die kritische Forschung herausfordernden Lehrinhalt gefehlt habe." Gewiß hat der Verf. hierin Recht, aber doch nur theilweise. Wir glauben, daß auch das Moment berücksichtigt werden muß, daß mit dieser Vernunftgemäßheit des Lehrinhalts auch von vornherein ein beherrschender Autoritätsglaube verbunden war. Der Mosaismus wie der Prophetismus stellen sich durchaus als von dem göttlichen Geiste ausgehend, als göttliches Wort dar, welchem also ein unbedingter Glaube einwohne. Innerhalb desselben soll allerdings, um zum richtigen Verständniß und zur überzeugungstreuen Ausführung zu kommen, die. menschliche Erkenntnißkraft angewendet werden, wie es oft' heißt nm ,DnjTPi > ' 49* Mia

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