Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1882)
- Date
- 1882-12-05
- Page
- Seite 798 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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phet. i) Die Dritten endlich hatten die Ausgabe, in den Büchern der h. Schrift überall Andeutungen auf den Stifter der christlichen Religion zu finden, und dazu entging.ihnen auch unsere Rede nicht. Die Frage .drehte sich darum: wer ist ^2y „mein Knecht" im ersten Verse der Rede? denn von diesem handelt ja die ganze Rede. Obschon, wie wir erwiesen haben, in allen vorhergehenden Reden der Prophet unter 'n “py überall das Volk Israel versteht und dieses oft genug unmittelbar bei dieser Bezeichnung nennt, also wir offenbar genöthigt sind, dieses auch an unsrer Stelle vom Propheten gemeint anzunehmen, weil er sich sonst einer ganz ungerechtfertigten Inkonsequenz schuldig machte, suchte man dennoch nach einem anderen Objekte, von dem hier „mein Knecht" gesagt, und von dem in dieser Rede gehandelt werde. Kaum der Widerlegung werth sind die Deutungen auf Jeremias von Saadia, den König Josias u. s. w. In der neueren Zeit wurde, wie von Gesenius, die Meinung aufgestellt, der Prophetenorden sei hier unter dem „Knechte Gottes" verstanden. Aber die traurige Lage konnte nicht bloß von den Propheten gelten, und ebenso wenig die zukünftige Herrlichkeit; noch weniger könnten die Propheten zur Sühnung für das ganze Volk gelitten haben, da das ganze Volk selbst geduldet hat. Wenn nun, wie wir gern hervorheben, unter den jüdischen Erklärern schon Jbn-Esra, Raschi 2), Kimchi, Abarbanel u. A. die richtige Auslegung vom Volke Gottes hatten und festhielten, so waren es der Targum und der Midrasch Thanchumah (s. Jalk. Schim. z. St.), welche unter '“Dy hier den Messias verstehen wollten und die Rede auf diesen bezogen. Doch nein! und das ist bezeichnend, der Targum bezieht auf den Messias nur diejenigen Sätze der Rede, welche den Triumph ausdrücken, während auch er die Leiden aus das Volk Israel deutet. Doch gegen diese Auslegung ist herorzuheben, daß die ganze h. Schrift und ebenso das jüdische Volksbewußtsein niemals etwas von einem leidenden Messias, sondern nur vom siegenden wußte. Allerdings war es eine gangbare Vorstellung, daß dem Erscheinen des Messias große Leiden (^2n) vorangingen (Sanhedr. 98, 2.). Als der für den Messias gehaltene Barkochba untergegangen war und man den Volksglauben an den Messias und das Ansehen des R. Akiba, der jenem als dem Messias gehuldigt hatte, retten wollte, erfand man die Vorstellung, daß ein untergeordneter Messias aus dem Hause Josephs zuerst einen großen Krieg führen und in ihm unterliegen, dann aber der eigentliche Messias aus dem Hause David erscheinen, .und unmittelbar mit dessen Erscheinen der unbedingte Sieg verbunden sein werde. Diese Vorstellung griff aber niemals 1) S. Ausführlicheres in unsren .„Weltbewegenden Fragen" Bd. II. S. 273 ff. 2) Er sagt eüüach: nnEüDD moiNH h 5*r,©\ um sich und verschwand bald wieder aus dem Gedankenkreise. Allerdings hat unsre Rede einigermaßen einen messianischen Charakter, da sie darstellt, wie die Erkenntniß des Eini- * gen von Israel auf alle Völker übergeht.' Aber sie läßt dies gerade durch das Leiden des Volkes Israel geschehen, die Erhöhung desselben durch die unmittelbare Führung Gottes vollbringen, und ist daher von jeder Hindeutung auf eine messianische Persönlichkeit nicht allein fern, sondern ihr geradezu entgegen. Man erwäge, daß der Prophet die Israeliten zur sofortigen Rückkehr nach Jerusalem aufforderte und die ganze Macht seiner Beredtsamkeit darauf verwendete, sie zu dieser Rückkehr zu bewegen/— wie hätte er diese nun vom Erscheinen eines persönlichen Messias abhängig machen können? Hätte er sie dadurch nicht geradezu verhindert, da das Volk dann auf das Erscheinen des Messias hätte warten müssen und gewartet hätte? Ueberhaupt die Vorstellung eines persönlichen Messias hatte sich in der biblischen Zeit so wenig verdichtet, daß sie nicht einmal eine Bezeichnung fand; denn der Name iruto „Messias" wird in den Büchern der heil. Schrift nur für den Hohenpriester, den König und für Fürsten, niemals für den später so benannten „Messias" gebraucht. —Hiermit ist unsre Darstellung des Inhalts der Rede voll-, ständig gerechtfertigt, wie sie sich auch in der Erklärung der einzelnen Ausdrücke derselben bewährt, worüber wir auf unser Bibelwerk verweisen müssen. Wir kommen nun zu dem, von dem wir ausgegangen, zu der Exposition unsrer Rede von Herrn vr. S. W. Schiller-Szinessy (s. Nr. 43.). Wir wollen mit demselben nicht rechten, wenn er behauptet, daß er der erste sei, der diese Rede richtig auslege. Er meint wahrscheinlich, der Wort für Wort vornimmt und erklärt. Denn was seine Auslegung der Idee der ganzen Rede betrifft, so stützt er sich ja auf den Targum. Er hält diesen für ein Produkt eines Palästinensers zwischen 30 und 10 vorder gewöhnt. Zeikr., und will dies in einer Abhandlung erweisen,-die wir abzuwarten haben. Er meint also, daß unter dem „Knechte des Ewigen" hier zu verstehen sei: I) das Volk Israel, 2) re-, präsentirt durch die Frommen in seiner Mitte, 3) gipfelnd in dem „Messias". Man sieht, Herr vr. Sch. versucht den verschiedenen Meinungen zugleich gerecht zu werden.' Was nun „die Frommen in der Mitte des Volkes Israels" betrifft, die auch Raschi besonders im Auge hat 1 2), so versteht 1) Auch nicht Ps. 2, 2. und Dan. 9, 25. 26. S. unsre „israel .Religionslehre" Bd. II. S. 137 f. Ebenso wenig kommt rru'D > , den Pirke Aboth vor, wo so oft von jon '^yn die Rede ist. Philo > kennt den Ausdruck „Messias" {XglGtog) nicht, auch nicht de agricult. f. 195. ed. Hoesche]. * / 2) 'DU' Dynü D2y, meint Raschi als selbstverständlich, denn die Bösewichter und Abtrünnigen können in solcher Prophetie nicht mit verstanden sein. SÜii