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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-28 · Heft 48 (28.11.1882) · p. Seite 790

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 48 (28.11.1882)
Date
1882-11-28
Page
Seite 790 (sequence 12)
Language
German
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Leopöldstadt und Favoriten zu Exzessen kommen werde. , Das j fand umsomehr Glauben, als man allerorts Plakate und Schriften^ aufreizenden, ja.. hochverrätherischen Inhalts vor-, fand. Der .größere Theil war antisemitischer Provenienz/ In Wirklichkeit ist r. auch bereits das antisemitische Hetzgeschrei zum Losungswort des exzedirenden Pöbels geworden. und die antisemitischen Partisane sind es, welche die Führung aus den Händender Sozialisten übernommen haben, die gewichtige Gründe hatten, von derselben zurückzutreten. Am letzten Mittwoch,' als'die Krawalle den Höhepunkt erreicht hatten und das Militär mit aller , Energie dieselben unterdrückte, wurde von den Arrangeuren die Ordre ausgegeben, man, möge sich zerstreuen; doch der losgelassene, nicht organisirte Pöbel wollte nicht Ordre pariren und zu spät erkannten die Sozialisten, -daß die Ereignisse ihnen über den Kopf gewachsen. In einer geheimen Berathung wurde beschlossen, die Sache im Stiche zu lassen, und die gestern erschienene „Zukunft", das Organ der radikalen Arbeiterpartei, nimmt kaum Notiz von dem Vorgefallenen in den westlichen Bezirken. So ist die Führung an die Antisemiten übergegangen. Die allgemeine Stimmung ist eine gedrückte; von vielen Beweisen hierfür sei der eine erwähnt, daß die Frequenz der Vergnügungslokale täglich abnimmt." < Wien, 16. November. Es ist offenbar, daß. die antisemitische Wühlerei im österreichischen Kaiserthum jetzt denselben Cours durchläuft, den sie vor -zwei und einem Jahre in Preußen' genommen, und . hoffen wir, daß sie .bei uns ebenso allmälig ende, wie in Norddeutschland: Auch hier haben die Antisemiten - sich bemüht, die studirende Jugend in ihre Netze zu ziehen, und es ist ihnen dies auch teilweise gelungen. Eine Correspondenz der Voss. Ztg. berichtet darüber... In der gestrigen Plenarversammlung der deutschen Lesehalle an der Wiener technischen Hochschule kam es zu stürmischen Scenen. Zwei Parteien unter der Studentenschaft standen': einander gegenüber, die eine,., die deutsch-nationale Partei, hatte Monath als Präses aufgestellt, während die andere, die; „germanische" .Partei, welche sich zum antisemitischen Programm Schönerers bekennt, Jefser candidirte. In der gestrigen Versammlung betonte Monath, daß er stets für Deutschthum und Freiheit, zwei untrennbare Begriffeein- . treten, daß er aber, niemals Jene als Deutsche, .anerkennen . werde, welche die Tendenzen Schönerers verfolgen. Darauf erhob sich ein tumultuöser Lärm seitens der Mitglieder der „germanischen" Partei. Rufe: „Wir brauchen keinen. Juden zum Präses/ Juden hinaus!" wurden laut. Der Wortführer :der germanischen Partei Soyka hielt eine Rede , voll heftiger antisemitischer Ausfälle. Der Tumult wurde so arg, daß der Regierüngs -Commissär sich gen öth igt. sah, die Versammlung aufzulösen. Unter Hochrufen auf Schönerer und Pereatrufen den antisemitischen Germanen leerte sich der Saal. . In Graz hatten gestern die deutschen Studenten zu' Ehren, der Rektors-Inauguration einen Commers arrangirt. Den-Saal schmeckte ein Colossalbild der „Germania". Dr. v. Rechbauer, Bürgermeister Kinzl und eine Deputation, des italienischen Studentenvereins waren anwesend. Begrüßungs-Telegramme und Schreiben langten ein . von Pro- . fessor Demelius aus Wien mit der Mahnung: >,Haltet hoch die Einigkeit der Deutschen', .wie haben derselben, nie so dringend bedurft!", vom Abg. Magg: „Haltet fest.mit steirischer Zähigkeit am deutschen Oesterreich!", Weitlos rc.: Ein Telegramm Schönerers wurde .vom Polizei - Commissär censurirt. Als im . weiteren Verlaufe ein Redner von „ unserem Schönerer" sprechen wollte, löste der Commissär die Versammlung sofort auf. (Man ersieht hieraus, daß es die. deutschen Antisemiten durchaus nicht kümmert, das deutsche Element in Spaltung und Zerklüftung zu bringen, das doch in Oesterreich der Einigkeit aufs Höchste bedarf; und diese Menschen singen: „Deutschland, , Deutschland über Alles!" Ludwig Kossuth hat abermals ein Schreiben gegen den Antisemitismus in Ungarn, den er als Schmach und Verderben Ungarns bezeichnet,, erlassen. Der Mangel an Raum zwingt uns,' dasselbe erst in der nächsten Nummer zu. bringen. Red. d. A. Z. d. I.) Pest, 14. November. (Privatmitth.) In der Beilage zu Nr. 33 gaben wir einige Aktenstücke. in der Tißa-Eßlarer Affaire, in welchen die Vertheidiger. der angeklagten Juden über das Verfahren -des .Untersuchungsrichters, Vary ' Beschwerde führten, eines jungen Mannes, der nur durch eine eklatante Verletzung des Gesetzes als. Untersuchungsrichter bestellt werden konnte. Eine Beilage zum ,, Pester Lloyd" vom 12. Nov. bringt eine abermalige Beschwerdeschrift dieser Vertheidiger Eötvös, Horaugky und Funtak an den Gerichtshof .zu Nyiregyhaza^ Dieselbe umfaßt 24 Riesenspalten in kleinem engen Druck. Selten bezeugt, ein derartiges Schriftstück mehr juristischen Scharfsinn, wissenschaftliche Besonnenheit und gesunden Menschenverstand als dieser Akt, der in seiner Art ein wahres Meisterwerk ist. . Die ganze Beschwerdeschrift gestaltet sich zu einer Anklageschrift des Bicenotärs Vary und dokumentirt. dessen leichtfertige Führung der Untersuchung, seine Voreingenommenheit, noch mehr sein durchaus absichtliches Verfahren, um den Prozeß zu dem Beweise . zu führen, daß die angeschuldigten. Juden des Mordes zu rituellen Zwecken. überwiesenMürden. .Im Laufe der Schrift sprechen es. dse Verthejdiger unumwunden aus, daß die ganze Anklage auf einer Jntrigue den im Hintergründeagitirenden Antisemiten beruht, diese den Prozeß immer mehr in die Länge zu ziehen sich bemühten,'und.durch Zwischenfälle die Zeit zu gewinnen suchten, jenen".aberwitzigen Wahn im Volke immer mehr> zu stärken, und, daraus Haß und Feindseligkeiterwachsen zu. lassen; ferner, daß der..Untersuchungsrichter

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