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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-28 · Heft 48 (28.11.1882) · p. Seite 782

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 48 (28.11.1882)
Date
1882-11-28
Page
Seite 782 (sequence 4)
Language
German
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Berufes erklärte, weil die Erhöhung dieses erniedrigten, die i Verherrlichung dieses verachteten Volkes den Völkern die Eri lösungskraft des Ewigen, den Israel anbetet, so klar, so ] überraschend vor Augen stellen wird, daß sie sich zum Einigen I bekennen werden. Er geht daher nur einen Schritt weiter, ' indem er die Leiden Israels überhaupt nur als für das ' Heil der Völker getragen erklärt, um diese aus ihrer sündi- 1 gen Abgötterei zur reinen Erkenntniß Gottes zu bringen. 1 Israel ist der Märtyrer der Erkenntniß des Einigen, durch 1 dessen Erlösung die Völker auf den Einigen überzeugend ge- . wiesen werden. — Der Prophet beginnt im Namen Gottes, : indem er die Erhöhung Israels als Thatsache hinstellt: „Siehe, beglückt wird mein Knecht, erhoben, erhaben und; sehr erhöht". Je tiefer es nun erniedrigt worden und gelitten hat, desto erstaunter sind die Völker und Könige über die Erhöhung des verachteten und geknechteten Volkes: „Alle Nationen werden aufspringen vor ihm, Könige vor ihm verstummen, > denn Inas ihnen nie erzählt worden, sehen sie, was sie niemals gehört, gewahren sie" (52, 13—15.). Jetzt nehmen die Völker und Fürsten das Wort, und sprechen die Vorstellung aus, die sie von diesen großen Ereignissen haben (53, 1 —10.). Sie schildern die Mißgestalt und das Unerfreuliche, das Israel in seinem Unglück darbot, die Verachtung, die es betroffen, die Gebresten und Leiden, die es ertragen. Sie glaubten es von Gott geschlagen und niedergedrückt. Nunmehr ^wissen sie, daß Israel dies alles wegen der Missethaten der Völker zu ertragengehabt, um diese zum Heile und zur Heilung zu bringen. Sie rühmen seine Ergebung, sein stilles Dulden. Aber „des ewigen Wille gedeihet durch seine Hand" und nun wird es zu langem Gedeihen erhoben sein. Zum Schluffe (V. 11. 12.) bestätigt dies wieder Gott selbst, daß Israel geläutert und frei von Mühsal, „mein gerechter Knecht, durch seine Erkenntniß Viele gerecht macht". — Von hier ab bricht der Prophet in der folgenden Rede (Kap. 54) in Jubel über die zukünftige Größe Israels aus, das volkreich, fest und glänzend sein werde, ermahnt dann in der vielleicht erhabensten sechsten Rede (Kap. 55. 56, 1—8.) zur Rückkehr zu Gott, zur religiösen und sittlichen Heiligung, und schließt den zweiten Abschnitt mit einer Strafrede an die Götzendiener (56, 9—11, Kap. 57.), die zugleich zum dritten, d. i. letzten Abschnitt des ganzen Buches hiuüberleitet. . Auch hier werden die Israeliten ,. Knechte des Ewigen" (54, 11. 56, 6.) genannt; auch hier wird gesagt: „Ich Machte dich zum Führer der Völker," „Völker, die du nicht kennest, rufst du herbei, und Völker, die dich nicht kennen, eilen dir zu, um des Ewigen, deines Gottes willen, des Heiligen Israels, denn der verherrlicht dich" (55, 4. 5.). — Erscheint der Gedanke, daß Israel in Folge und zu Gunsten seines Berufes, dem Menschengeschlechte die Gotteslehre zu bringen und zu erhaltenseine Leiden und Mühsale ertrage, hier neu und darum auffallend, so vergesse man nicht,, daß den Israeliten hiermit die Vorstellung gegeben werden sollte, welche die Völker und Fürsten bei ihrer Wiederherstellung haben, und aus der heraus sie dieser Wiederherstellung zustimmen und Förderung und Glanz verleihen würden, so daß jeder Israelit um so mehr die Pflicht habe, sich dieser Wiederherstellung anzuschließen und sie mit aller Anstrengung zu bewerkstelligen. Und sehen wir von der Gegenwart über die ganze, hinter uns liegende Vergangenheit hin, so wird man nicht leugnen können, daß jene Vorstellung, die der Prophet mit-so starken Farben ausmalt, vollkommen berechtigt ist. Abgesehen davon, daß jeder einzelne Israelit mit all' den Opfern, die er dem Bekenntniß des Einig-Einzigen bringt, seinem Gewissen, seiner eigenen lieberzeugung genügt, so kann doch das Geschick des ganzen Israels, sein Widerstand gegen alle Vergewaltigung und Verlockung, seine Ergebung in Jahrtausende langem schweren Leiden nur begriffen und verstanden werden im Dienste seines weltgeschichtlichen Berufes, dessen Bewußtsein ihm dieser Jesaias II zuerst gegeben. Man lese die uns be- . schäftigende Rede noch einmal durch und man wird bis ins Kleinste die Züge erkennen, welche in der ganzen Geschichte des jüdischen Stammes seit achtzehn Jahrhunderten bis zur Gegenwart hervortreten. Was der Prophet in kurzen Zeiträumen sich vollenden glaubte, das gewahren wir auf große Perioden ausgedehnt; aber gerade dies bestärkt seine Anschauung von dem Berufe Israels, weil die Menschheit nicht - durch einzelne Ereignisse, sondern nur durch eine lange Entwickelung zur Gotteserkenniniß gelangen kann.- . Sehen wir nun die verschiedenen Deutungen an, welche der uns vorzugsweise beschäftigenden Rede gegeben worden. (Schluß folgt.) Leipzig, 14. Nov. 1882. Die Auswanderung der russischen Luden, n. Es bedarf keines prophetischen Geistes, sondern nur einiger Kenntniß der Verhältnisse, um mit Ruhe die segensreichen Folgen der russ. jüd. Auswanderung zu erwarten. Die jüngeren Leute und die Kinder werden sich in wenigen Jahren ganz acclimatisirt und in die neuen Verhältniffe eingelebt haben. Der unermeßlich reiche wirtschaftliche Aufschwung der Vereinigten Staaten kommt allen Einwanderern zu Gute, welche meist zu arbeiten verstehen oder lernen. Da das Beispiel bekanntlich die Menschen sicherer anzieht, als alle Belehrung, so giebt es für unsere russischen Juden in der Welt keine bessere Arbeitsschule als die der nordamerikanischen Republik. Nirgendwo wird mit mehr Energie und Ausdauer-gearbeitet.

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