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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-28 · Heft 48 (28.11.1882) · p. Seite 781

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 48 (28.11.1882)
Date
1882-11-28
Page
Seite 781 (sequence 3)
Language
German
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sein, sondern diese Anbetung auf alle Völker sich ausdehnen. Dazu sei Israel der „Knecht Gottes", nicht blos, daß die Stämme Jakobs wieder aufgerichtet werden, „sondern ich mache dich zum Lichte der Völker, daß mein Heil reiche bis an der Erde Saum", und „zum Bunde der Völker mach' ich dich". (B. 6. 8.). Alle Israeliten werden nach dem h. Lande und Zion kommen, und die Fürsten und Völker werden ihnen hierzu verhelfen. Thöricht sei der Einwand, daß die Gegner Jsrael's Helden seien: sie werden sich unter einander verzehren (V. 24—26.). Der Prophet hält es daher für nothwendig, in der folgenden Rede (Kap. 50.) die Israeliten zum Vertrauen auf Gott und auf ihn, den Propheten, zu ermahnen. Den wiederholt geäußerten Einwand, daß Gott Israel nun einmal vertrieben und in die Verbannung geführt habe, eine Wiederherstellung aber zu schwierig sei, um an ihre Bewerkstelligung zu denken, begegnet er damit, daß Gott Israel niemals ganz verstoßen, niemals ganz aufgegeben habe, sondern nur zeitweise um der Missethaten Israels willen, daß Gott aber in seiner Allmacht stets die Kraft hat, Israel wieder zu erlösen. Für sich selbst beruft er sich auf seine Beredsamkeit, die er nur von Gott erhalten haben könne, und auf die Geduld gegen alle Schmähungen und Mühsale, die ihm aus seinem Amte erwachsen; wenn er aus eigenem Willen auftrete, würde er längst verzweifelt haben. Ließen es die Israeliten an diesem Vertrauen fehlen, so gingen sie in den Leiden unter, die sie sich selbst bereiteten. Aber nicht dies war das Ziel des Propheten. Er erhebt sich deshalb in der dritten Rede des zweiten Abschnittes (Kap. 5 t. 52, t- 12.) zu einem feierlichen Aufrufe, zur Rückkehr nach dem h. Lande, da der Einige sie erlöst, er, der Israel aus Egypten geführt und der Schöpfer und Herr der Welt ist. In der glänzenden, sehr regelmäßig gebauten Rede geht er hierbei von den Sätzen aus: Israel muß seines Berufes gewiß sein, wie dieser sich bereits in Abraham zeigte und wie er in der Erleuchtung aller Völker sich erfüllt (2. 4. 5); vor Menschen braucht sich Niemand zu fürchten, denn Gottes Macht und Hülfe sind ewig (6—8, 12. 13. 15.); die Bedrücker Israels werden bestraft, wie cs in Egypten geschehen und wie Assyrien vernichtet wurde; Jerusalem wird groß und herrlich, und der Rückzug sicher und leicht sein. Aus dem Ganzen geht hervor, daß der Prophet bereits zum Rückzuge eines Kernes sicher ist, die er als die „Gerechten" anredet, als das „Volk, in dessen Herzen die Lehre wohnt" (V. 1. 7.). Aber er. will mehr, er will die Mehrheit des Volkes, er will das ganze Israel, lleberall ist hier Israel angeredet, dessen Erlösung, wie der Wiederaufbau Jerusalems um der Erleuchtung aller Völker willen geschieht: „Der Ewige entblößt seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker und es. sehen alle Enden der Erde die Hülfe unsres Gottes" (52, 10.), — Wer bis hierher gelesen, den inneren Zusammenhang aller dieser Reden, die immer wiederholte Bezeichnung Israels als „erkorener Knecht des Ewigen" und die Fülle der Gedanken beobachtet hat, die der Prophet über den Beruf Israels, alle Völker zur Erkenntniß und Anbetung des Einig- Einzigen zu führen, ausgesprochen: dem kann es nicht zweifelhaft sein, wen der Prophet verstanden wissen will, wenn er die folgende Rede (52, 13—15 und Kap. 53) mit den Worten beginnt: „Siehe, beglückt wird mein Knecht, erhoben, erhaben und sehr erhöht". Durch das ganze Buch bis dahin war immer wiederholt Israel „mein Knecht, den ich erkoren", und zwar mit unmittelbarer Nennung des Namens, unzweideutig genannt worden, und geschieht dies, wie wir sehen werden, auch weiterhin, wie könnte also der Prophet an unserer Stelle irgend etwas Anderes damit bezeichnen, noch dazu ohne irgend welche Andeutung? Dennoch hat man diese vierte Rede vielfach anders auslegen wollen, theils aus vorgefaßtem Vorurtheile, theils weil man eben den Zusammenhang aller dieser Reden nicht - beachtet hatte, und der Inhalt der vorliegenden Rede vieles Auffällige enthält. Fassen wir den Inhalt derselben zusammen, so läßt er sich dahin präzisiren: Israel leidet in der Verbannung zum Heile aller Völker, indem durch seine Erniedrigung und bevorstehende Erhebung die Völker zur Erkenntniß der göttlichen Allmacht und zur Entfernung von Aberglauben und Unsittlrchkeit gelangen, und hierdurch wieder Israel um so mehr erhöht wird. — Wir haben in diesem 2. Abschnitt seiner Reden den Propheten immerfort bemüht gesehen, die Einwände gegen die Rückkehr Israels nach Jerusalem zu entkräften. Wiederholen wir uns dies kurz. Gegen den Zweifel, ob die Völker den Rückzug zugeben würden, erinnerte der Prophet an die Macht Gottes, an. die Nichtigkeit aller Furcht vor Menschen (51. 52.); gegen den Zweifel, ob Gott wirklich Israel wiederherstellen wolle, zeigte er, daß Gott Israel niemals ganz verstoßen habe, daß es noch immer ist, daß die Verbannung wegen seiner Sündhaftigkeit geschehen, und sobald diese gehoben, auch die Verbannung gehoben werden würde (50.). Am meisten suchte er aber das Bewußtsein des göttlichen Berufes Israels, den Völkern die Gotteslehre zu bringen, in ihm zu wecken. Wandte man hiergegen ein, daß die frühere Selbständigkeit zur Erfüllung dieses Berufes nichts geholfen, so erwiderte der Prophet, daß ein einmaliger Verlust der Selbständigkeit nichts ausmache, wenn Israel nur wiederhergestellt wird (49). Noch.nachdrücklicher aber wies man jenem Berufe gegenüber auf die tiefe Erniedrigung und Verachtung Israels unter den Völkern hin. Hatte nun der Prophet früher (49, 7.) hiergegen allgemein nur die zukünftige Größe Israels entgegengestellt, so faßt er in unserer Rede den Gegenstand tiefer auf, indem er die gegenwärtige Erniedrigung Israels für nothwendig zur Erfüllung jenes 4§*

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