Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-28 · Heft 48 (28.11.1882) · p. Seite 780

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 48 (28.11.1882)
Date
1882-11-28
Page
Seite 780 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227442--40374-3258009
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

darum Israel aufrecht hält, bewahrt und Wohlgefallen an ihm hat (V. 1. 6.). Aus dieser allgemeinen Bestimmung fließen seine Eigenschaften hervor; das durch Israel der Menschheit übergebene Recht und die Gotteserkenntniß sollen in ihr durch eine freie Entwickelung sich Raum schaffen; daher soll Israel durch sein -bloßes Dasein und die Erhaltung der göttlichen Lehre auf die Menschheit wirken, weder aber durch lautes Geschrei, aufgedrungene Ueberredung, die zu der Reife der Völker noch nicht paßt (V. 2.), noch durch Gewalt und Unterdrückung der Schwächeren (B. 3.), sondern allein durch die Kraft der Wahrheit, die zwar langsam, aber desto vollständiger sieget (V. 3.). Daher beginnt die Rede mit den Worten: „Siehe, mein Knecht, den ich stütze, mein Erkorener, an dem Gefallen meine Seele hat." V. 6: „Ich, der Ewige, habe dich berufen im Heile, ich fasse deine Hand, ich wahre dich, ich mache dich zum Bund der Völker, zum Lichte der Nationen." Allerdings wird als erster Zweifel eingewendet, daß Israel,-der erkorene Knecht Gottes, der Bote Gottes (B. 19.) selbst „taub und blind" ist O, d. h. die Lehre Gottes wenig achtet und die ihm vorgeschriebenen Wege oft verläßt. Aber V. 21: „Dem Ewigen gefiel's um seiner Gnade, willen, daß größer und herrlicher er die Lehre mache." Aber ein zweiter Zweifel: ist nicht Israel ein beraubtes, geplündertes gefangenes Volk? Doch dies ist es nur um seiner Sündhaftigkeit und Verstocktheit wegen geworden (V. 22—25). Jetzt ist die Zeit gekommen, wo Gott Israel begnadigt, wo er es erlöst und die Völker für seine Wiederherstellung hingiebt, damit diese, erstaunt über solchen Wechsel, Gott erkennen und anbeten lernen. Da heißt es: „Beim Namen rief ich dich, mein bist du" (43,1.) „dieweil du theuer bist in meinen Augen, geehrt und ich dich liebe". (V. 4.) „Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige, und mein Knecht, den ich erkoren." (V. 10. 12.) Deshalb -sind die Babylonier geschlagen, auf der Flucht und'die Chaldäer wehklagen. (V. 14.) An diesen Sieg über Babel wird die Befreiung und Rückkehr Israels als ein Neues sich.knüpfen, aus dem die Anerkenntniß Gottes hervorgeht. „Mein Volk, mein erkorenes, das Volk, das ich mir gebildet: meinen Ruhm soll es erzählen". (V. 21.) Jetzt wird alle Unheiligkeit und Entheiligung Israels weichen, indem Gott seinen Geist und seinen Segen auf es legen wird, so daß es von Neuem frisch ersprießen und das sein wird, was es sein sollte, der Knecht und Erkorene Gottes. (44, 1—5.) Das Kapitel beginnt sofort: „Nun aber höre, Jakob, mein Knecht, den ich erkor". (V. 1. 2.). Auch hier heißt es: „Ihr seid meine Zeugen" (V. 8.), d. h. für die Einheit des göttlichen Wesens, für seine Allmacht und seine Leitung Mer Menschengeschicke. Wie nichtig alle Götzen, „solches bedenke, Jakob und Israel, 1) Daß hiermit das Volk Israel gemeial fei, ersieht man aus 43, 8. - denn mein Knecht bist du; dich habe ich gebildet, Knecht bist du mir, Israel." ($. 21.). Dazu hat Gott den Kyros berufen „um meines Knechtes Jakob willen und Israels, meines Erkorenen". (45,4.). Deshalb sollen die Israeliten nicht unzufrieden sein, daß es ein Fremder ist, der sie befreit, denn Gott ist es, der ihn erweckt hat, und alle seine Wege ebnet; er wird Jerusalem bauen und die Weggeführten entlassen. All dies, damit „alle Enden der Erde" sich Gott zuwenden, „jedes Knie vor ihm sich beugt, jede Zunge bei ihm schwört". (45,23.). — Die vierte Rede (Kap. 46.) mahnt Israel abermals von den Götzen zu lassen, die in Bälde gestürzt und zertümmert werden, denn, wie die fünfte Rede verkündet (Kap. 47.), ist der völlige Sturz Babel's nahe. Beide Reden sind während der Belagerung Babel's verfaßt. Babel ist, in der sechsten Rede (Kap. 48.), besiegt, eingenommen, aber nicht zerstört. Darum zeigen sich die Israeliten wenig geneigt, auszuziehen. Der Pr. zeiht sie dessen, nennt sie, „Jakob, den Knechte Gottes" (V. 9.), abtrünnig und verstockt, die Gott nur erhält und erlöst, weil sonst die Lehre und Anbetung des einzigen Gottes bei den Völkern ganz in Verruf käme, und fordert sie kurz und bündig auf, fort nach dem h. Lande zu ziehen. — Babel war gefallen, aber nicht zerstört, was erst unter dem dritten persischen Könige geschah. Deshalb fand der Aufruf zur Rückkehr nach dem verwüsteten Lande der Väter ' noch wenig Anklang. Vielen. Israeliten erging es gut, und sie hatten nicht ein schweres Joch zu tragen, wie einst ihre Vorfahren in Egypten. Viele waren lau, ja abtrünnig geworden. Nur die für das ideale Israel begeisterten und die; Armen waren willig zur Rückkehr. Deshalb sind die -Reden des zweiten. Abschnittes (Kap. 49—57.) diesem inneren Kampfe um die Rückkehr gewidmet. Der Prophet spricht daher im Anfang der ersten Rede (Kap. 49.) von dem wahren Berufe Israels. Hier tritt bereits die Form deutlich hervor, in welcher der Prophet das ganze Volk Israel Person ifizirt, als eine Persönlichkeit hinstellt. Es heißt da (B. 1.). „Der Ewige berief mich vom Mutterleibe an, vom Schoße meiner Mutter her benannt' er mich", und damit es nicht zweifelhaft sei, wer hiermit gemeint sei, heißt es B. „Er sprach zu mir: Mein Knecht bist du, Israel, an dem ich mich verherrliche". Dieser Beruf Israels besteht in der Bekehrung der Völker, mit welcher es die Welt überwinden' soll (V. 2.). Hiergegen wurde nun der Einwand erhoben, daß ja von diesem Berufe sich noch nichts erfüllt habe, bafp vielmehr Israel seine Bolksselbständigkeit verloren habe (V. 4.) Hierauf wird erwidert: Diese Klage fasse den Beruf Israels' nur in den engen Grenzen seiner selbst; aber sein Beruf sei weiter, es solle die Völker erleuchten, und dazu werde es abermals erlöst und groß und verherrlicht werden. Nicht bloß ein eigentümliches Volk der Anbetung Gottes solle es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.