Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1882)
- Date
- 1882-11-21
- Page
- Seite 773 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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773 richtshof wird daher gleichzeitig eine Entscheidung auf diese Eingabe der Vertheidiger und aus den Jnanklagestandversetzungs-Antrag der Staatsanwaltschaft zu machen haben: . . Frankreich. Oran, 11. November. Der Antisemitismus macht die Runde durch alle die Länder, in welchen die Gleichberechtigung einen großen Theil der Bevölkerung noch nicht genug eingenommen hat und beherrscht, wo sie erst ein Kind weniger Jahre ist. Wir haben schon berichtet, daß in Algerien,' wo die eingebornen Juden erst seit 12 Jahren naturalisirt sind, sich eine antisemitische Bewegung kund giebt. Jetzt wird aus Oran berichtet: Die Stadtbehörde hat die Theatervorstellungen suspendirt, da antisemitische Demonstrationen befürchtet wurden. Amerika. Cincinnati, im Oktbr. Unter dem Namen „Maccabees" hat sich hier eine Gesellschaft organisirt, deren Zweck es sein soll, Israeliten zum Ackerbaubetrieb heranzuziehen und dieselben hierbei durch materiellen Beistand zu unterstützen. Der Plan der Gründer der Gesellschaft ist, alle Israeliten über 13 Jahre als Mitglieder heranzuziehen und von Jedem einen Jahresbeitrag von einem Dollar behufs Schaffung der nöthigen Fonds zu erheben. (Es scheint dies wieder eine der „praktischen Ideen" zu sein, die in N. A. so häufig auftauchen, um bald wieder zu verschwinden. Gerade für den Ackerbau unter den Juden haben wir der Pläne viele, der Thatsachen wenige erlebt.) Bonn, 12. November. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin vom 7. Novbr.: Heute Vormittag ist ein Mann zur letzten Ruhe bestatttt, der sich in der naturwissenschaftlichen Gelehrten-, antiquarischen und buchhändlerischen Welt einen bekannten und verdienten Namen gemacht hat: der Buchhändler Dr. Julius Friedländer. Seine Studien und sein Wissen wiesen ihn' auf die akademische Laufbahn hin, seine Familienverhältnisse nöthigten ihn jedoch, die Leitung der Buchhandlung R. Friedländer und Sohn zu übernehmen und bald galt Dr. Julius Friedländer als einer der ersten Kenner naturwissenschaftlicher Literatur. Die Beziehungen seines naturwissenschaftlichen Verlages verbreiteten sich nach allen Welttheilen hin und wo in der Gelehrtenwelt ein noch so seltenes und verstecktes Buch gesucht wurde, da wußte man, daß wenn irgend jemand er es zu finden und aufzutreiben wußte. Nebenbei gab er jedoch seine wissenschaftlichen Studien nicht auf/er war und blieb bis zu seinem Ende ein eifriger und leidenschaftlicher chemischer und technischer Experimentator. Leider hatte er schon seit Jahren an einem schweren Halsübel-zu leiden, das ihn mehr und mehr seinem buchhändlerischen Wirkungskreise entzog, wenn die Buchhandlung auch nach wie vor ihren Rüf wahrte, und ihn endlich nach langem Leiden im 56. Lebensjahre hinraffte. Die liberale Partei verliert in ihm einen treuen und, so lange seine Krankheit ihn nicht zu stiller Zurückgezogenheit nöthigte, opferbereiten und thatkräftigen Anhänger, der Verein „Berliner Presse" eins [feiner ältesten Mitglieder. Der heute Vormittag. erfolgten Bestattung auf dem. jüdischen Begräbnißplatz in Weißensee ging in der Wohnung des Dahingeschiedenen in der Karlstraße 11 eine Trauerfeier voran, der eine große Zahl Leidtragenden aus all den Kreisen, denen der Verstorbene nahe gestanden, beiwohnten. Der Verein „Berliner Presse" hatte eine Deputation entsandt, die Korporation der Berliner Buchhändler war durch zahlreiche Mitglieder vertreten. Die Trauerrede hielt Prediger Dr. Ritter, dann widmete Prof. Hirschberg seinem dahingeschiedenen Freunde noch einige ‘ warm empfundene Worte der Anerkennung. — Man schreibt aus Holzminden vom 8. Novbr.: Ein seltenes Jubiläum feierte heute der Handlungsdiener Wolf Hünerber g. Am 8. Novbr. 1832 trat derselbe bei I. Falkenstein hier als Lehrling ein und ist bis heute ununterbrochen 50 Jahre hindurch der Firma ein treuer und eifriger Diener und Mitarbeiter gewesen. Unter den zahlreichen Beweisen der Anerkennung, welche dem Jubilar zu Theil geworden, verdient Erwähnung, daß der Landesherr, der Herzog von Braunschweig, demselben das Verdienstkreuz seines Ordens Heinrichs des'Löwen verliehen hat. — Aus Gr.-Kanizsa wird uns geschrieben: Herr Hirsch B. Fassel, der seit 46 Jahren im Amte ist und über 31 Jahre in der hiesigen Gemeinde als Oberrabbiner fungirte, ist mit Beibehaltung seines vollen Gehaltes pensionirt. — Das fünfundzwanzigjährige Stiftungsfest der Friedrichstädtischen israelitischen Religionsschüle am 4. November fand in einem Banket, das dem Stifter und Leiter der Anstalt, Prediger Dr. Landsberger, von einem Fest-Comito im Saale der Gesellschaft der Freunde veranstaltet wurde, seinen Abschluß. Es hatte sich hierzu eine zahlreiche Versammlung von Freunden und ehemaligen Schülern des Dr. L. eingefunden, die ihn bei seinem Eintritt in den Saal mit der Überreichung eines Ehrengeschenkes begrüßten. MM 47*