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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-21 · Heft 47 (21.11.1882) · p. Seite 771

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 47 (21.11.1882)
Date
1882-11-21
Page
Seite 771 (sequence 9)
Language
German
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fett lange unangenehm empfundenen Mangel würde abgeholfen, und die theilweise neue Ausstattung ist sachgemäß. Bisher sind für diesen Bauzweck vorerst ca. 12,000 M. verausgabt worden. Trotzdem hat sich das Grundstücks-Vermögen nicht nur nicht vermindert, sondern noch um 21,585Mk. zugenommen. Dies erfreuliche Resultat verdankt die Anstalt der hochherzigen Stiftung des Hrn. Partikulier H. B. Goldschmidt, welche, nachdem dieselbe für ihren ursprünglichen Zweck — die Heranbildung israel. Krankenpflegerinnen innerhalb eines Zeitraumes von 5 Jahren nicht in Anspruch genommen worden war, nunmehr im Betrag von mehr denn 22,000 Mk. dem Statut gemäß dem Kapitalbesitz der Waisen- Anstalt einverleibt wurde. Als auf ein leuchtendes Vorbild mögen die Gönner des Vereins Hinschauen auf Se. Maj. König Karl v. Württ., welcher jederzeit der Anstalt mit landesväterlicher Huld zugethan, dieselbe anläßlich ihrer Jubelfeier mit einem doppelten Beitrag von 350 Mk. bedacht hat. Die Kön. Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins hat in freundlichster Weise ihre Befriedigung über die gedeihliche Entwicklung des Waisenhauses ausgesprochen und ihren Glückwünschen zu dem Erfolg der Bestrebungen des Vereins wohlthuenden und ermunternden Ausdruck gegeben. Der im Wohlthun unermüdliche Partikulier Ernst Pfeifer in Stuttgart hat für die neue .Andachtsstätte einen in Gold gestickten prachtvollen Sammtvorhang gestiftet. Außer dem zu 40,000 Mk. veranschlagten Gebäude besitzt die Anstalt jetzt ein Vermögen von 212,536 M. 56 Pf. Mögen die Wohlthäter der Waisen auch fürder nicht ermüden, diesen Segensquell zu speisen und zu erhalten. Oesterreich-Ungarn. Wien, 3. November. Die „Voss. Ztg.^ vom 5. Nov. enthält einen lesenswerthen Artikel über die antisemitische Bewegung in Oesterreich und Ungarn: Während dort nach dem entschiedenen Willen des Kaisers zur Unterdrückung jener perfiden Agitation von Seitender Regierung Alles geschieht, was nach Lage der Gesetzgebung geschehen kann, steht m der ungarischen Regierung der Justizminister Pauler als ' Antisemit dem Ministerpräsidenten Tiszu gegenüber. Man giebt sich den Anschein, als ob die Episode im Preßburger Komitat vorüber sei, entzieht dem Regierungskommissar Ester- . hazy seine Vollmachten wieder, als ob Alles gut zu Ende geführt sei, während die Excesse sich immer noch wiederholen und namentlich im Wieselburger Komitat die gröbsten Ausschreitungen geschehen. „Die Infamie und die ganze Agitation ist vielmehr die direkte Consequenz davon, daß der Hetzer Simonyi seine Brandschriften ungestört weiter verbreiten darf. Von der Erklärung des Ministerialrathes Jekelsalussy in Preßbürg, von dem drohenden Reskripte Tisza^s: es gelte vor allen Dingen, die wirklichen Ansttfter ohne Rücksicht auf ihre Stellung im Reichstag zu fassen, ist auch nicht ein Wort ausgesührt worden. Frech wie immer schreibt Simonyi, Graf Esterhazy höre nur aus Juden und Schurken — höflich ersucht ihn der Obergespan, dieselben namhaft zu machen! Jetzt erst nach Monaten kommt man dahinter, daß zur Fortsetzung des Haupthetzblattes, des „Westungarischen Grenzboten", bei der Preßburger Sparkasse auf einen gefälschten Wechsel des Grafen Appony 20,000 fl. (40,000 M.) erhoben worden sind!" Was in Ungarn , ebenso wie in Rußland zum Borschein kommt, ist, daß die unteren Behörden und Beamten sich wenig um den Willen der Regierung und um deren bestimmte Auslassungen kümmern , und. durch ihre Nachsicht gegen die Excedenten das Ueb'el großziehen, daß dann die Regierung kaum noch mit den schärfsten Maßregeln zu überwältigen vermag. Dies ist aber für jeden Staat der schlimmste Zustand, aus welchem bald nach allen anderen Richtungen und Beziehungen die allerübelsten Folgen erwachsen. Wien, 8. November. Bei den Emeuten, welche in mehreren Vorstädten Wiens wegen der' polizeilichen Auflösung des Schuhmachervereins stattfanden, konnte man nur bei der in Lerchenfelb eine antisemitische Tendenz heraus finden, doch war sie auch hier nur Nebenbei und nicht ausschließlich gegen Juden gerichtet. \ Wiek,'. 10. November. (Privatnntth;) Der Antisemitismus hat eine positive Schlappe erhalten, indem der zuletzt in Antisemitismus machende Führer der „Volkspartei" Dr. Kronawetter bei der Wahl zum Abgeordneten gegen Kandidaten der „Verfassungspartei" durchgefallen' ist. Negativ ist der Antisemitismus geschlagen wordendaß er vergebens sich bemühte, in den jüngsten Straßenkrawallen eine Rolle zu spielen. Die Arbeiter wollten nichts von ihm wissen. Pest, 9. November. (Privatmitth.) Die Tißa - Eßlarer Affaire nähert sich'ihrem Abschlüsse. Gestern sind sämmtliche Akten sammt den coi^ora; delicti in einer Kiste an den k. Staatsanwalt Havas hier angelangt. Die Bertheidiger gedenken in den nächsten Tagen einen Antrag auf Exhumirüng der Tißa-Dadäer Leiche zu stellen. In Bezug auf die Tißa -Dadaer Leiche ist in diesen Tagen eine Broschüre erschienen, welche den k. Gerichtsarzt Dr. Gladius zum Verfasser hat. Der k. Gerichtsarzt gelangt in' dieser Schrift, welche die Protokolle , die anläßlich der Obduktion der Leiche ausgenommen wurden, wörtlich enthält, im Verlaufe einer eingehenden Kritik der gerichtsärztlichen Purere zu der Schlußfolgerung, daß die Gerichtsärzte sammt und sonders die Dadaer Leiche als die der Esther Solymosi hätten agnosciren müssen, wenn dieselben unbefangen ans Werk ge- I gangen und aus der Höhe der Wissenschaft gestanden.

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