Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1882)
- Date
- 1882-11-21
- Page
- Seite 767 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Leipzig, 10. Nov. 1882. - Die Auswanderung -er russischen Zu-cn. i.-) Die Auswanderung der russischen Juden ist von sämmtlichen Comites, welche an diesem Hilfswerk sich betheiligten, von vornherein nur als die einzig mögliche Hilfe angesehen worden, welche das Ausland den Verfolgten und Bedrängten bieten konnte. In allen über die Verhältnisse unterrichteten Kreisen herrschte niemals ein Zweifel darüber, daß 1) die ganze und volle Emanzipation, 2) die Freizügigkeit in Rußland, die wichtigsten Desi- - derien für die russischen Inden sind und bleiben, Trotz aller cursirenden gegenteiligen Versionen, darf man schon heute den betreffenden Comitäs zu dem Erfolg der Auswanderungsbewegung Glück wünschen. Die Mehrzahl der Flüchtlinge hat bereits Arbeitsboden in den Vereinigten Staaten gewonnen. Wohl muß noch eine Anzahl unserer Russen in Wards Island in Newyork vom Comite erhalten werden, aber es ist Grund zur Hoffnung vorhanden, daß dieses amerikanische Brody bald nur mehr der Geschichte dieser jüd. Auswanderung angehört. Inzwischen bleibt es die Aufgabe der europäischen Comites, den Amerikanern mit Geldmitteln behilflich zu sein, um diesen Prozeß rasch-zu vollziehen. Die für die flüchtigen russischen Juden gesammelten Gelder müssen dahin, wo jene sind. Einzelne Comitös werden einen Nothreservefond für etwaige Rückzügler noch eine Zeit'lang in Europa erhalten müssen. ' Der größere Theil der noch vorhandenen beträchtlichen Summen muß so rasch wie möglich nach Amerika laucirt werden, nachdem unter den europäischen Comitös ein Einverständiß über die Prinzipien der Verwendung erzielt sein wird. Findet sich ein passender Vertrauensmann in Europa, der die Ausführung der vereinbarten Prinzipien als Delegirter in Amerika überwacht, so werden dessen Dienste gewiß gern acceptirt. — Wir irren schwerlich mit der Annahme, daß allen Comites die Verwendung zur Kolonisation der Familien und Individuen, die in der Landwirthschaft Praktische Erfahrungen hier oder dort gesammelt, die liebste ist. Die Hauptsache bleibt: alle arbeitsfähigen Leute so rasch wie möglich an irgend eine sie ernährende Arbeit heranzuführen. Arbeit ist überall das beste Versöhnungsmittel für alle unzufriedenen Menschen. ■ : Mögen immerhin noch einige hundert arbeitsscheue oder untüchtige Leute aus den Colonnen auszusondern sein. Wer absolut nicht arbeiten will und es vielleicht auch nie gethan 1) Angeregtdurch unfern Artikel in Nr. 45 giebt hier ein bei dem Hilfscomitd sehr thätig gewesenes Comilemitglied seine Ansichten in einer Reihe von Artikeln knnd. Redaktion. hat, der mag seinem Schicksal überlassen oder nach Rußland retournirt werden. Unter diesen Voraussetzungen dürfte eine Assimilirung der gesummten russisch-jüdischen Auswanderung in Nordamerika sich rasch vollziehen, rascher, als ängstliche Seelen heute ahnen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 9. November. Seit einiger Zeit hat sich die Aufmerksamkeit auf die Midraschim gelenkt, welche lange Jahrhunderte hindurch von der wissenschaftlichen Welt ignorirt, in der jüdischen als Stiefkinder behandelt wurden. Der echte Talmudist sah als Halachist auf den Midrasch mit einer gewissen Mißachtung herab und überließ ihn dem Maggid. Wie viele Gedankenschätze, wie viel eigentümliches Erzeugniß des jüdischen Geistes, wie viel Poesie in der ganzen Agadah enthalten, abgesehen von vielfachem exegetischen Werthe und historischen Notizen, das ist erst der neueren Zeit aufgegangen, deren Sinn für derartige Beobachtung und allseitigen Genuß sich erschlossen hat,, und welche so gern die altbetretenen Wege verläßt, um die Monumente und Ruinen der Vergangenheit neu zu entdecken und ans Licht zu stellen. Wir sehen daher, denn auch dies müssen wir der Gegenwart zum Ruhm anrechnen, man legt schnell und kräftig an jedes Werk, das einen materiellen oder.geistigen Lohn verspricht, die Hand an, wir sehen daher Bearbeitungen des Midrasch auf verschiedenen Seiten erstehen und gedeihen. Einen Beitrag hierzu liefert: The Yalkut on Zechariah translated with Notes and Appendices by Edward Gr. King, B. D., Hebrew Lecturer at Sidney Sussex College. (Cambridge, Deighton, Bell and Co. 1882.) Die Bedeutung des Jalfoit Sckimeoni liegt bekanntlich darin, daß er uns aus älteren, verloren gegangenen Midraschim Stücke aufbewahrt hat, während er freilich von der Schuld nicht freigesprochen werden kann, daß durch seine Sammlung jene Midraschim vernachläßigt wurden und verloren gingen. Die vorliegende Schrift, die unter Einwirkung des vr. Schiller-Szinessi abgesaßt ist, bringt uns die Uebersetzung des gedachten Midrasch zum Propheten Secharja, sowie erklärende Noten dazu. Besondere Aufmerksamkeit ist außer auf die Korrektur des oft unkorrekten Textes auf die Richtigstellung in der Angabe der Stellen, welche citirt werden, soweit dies möglich, verwendet worden. Wir können diesem Streben und der Gewissenhaftigkeit der Arbeit unsre volle Anerkennung widmen. Auf die drei Anhänge können wir, hier nicht näher ein gehen, da der Standpunkt, ein zu verschiedener von dem uttfrigeif ist. — Herr F. G ö tz hat.im Wschod eine Abhandlung über die Stellung der Frauen im Judenthume veröffentlicht, die