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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-14 · Heft 46 (14.11.1882) · p. Seite 753

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 46 (14.11.1882)
Date
1882-11-14
Page
Seite 753 (sequence 9)
Language
German
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753 ihren Wohnsitz am Rhein, in Mainz und Umgegend, haben. Nach einer von Mainz hierher gelangten telegraphischen Nachricht hat man dort bereits zwei Kaufleute verhaftet und fahndet ckuf zwei weitere Personen, die aber flüchtig geworden sind. Wie ich privatim erfahre, soll auch ein gewesener Militärarzt bei der Sache stark compromittirt sein." Aus Westfalen, 3. Nov. (Privatmitth.) In seinen diesmaligen Agitationsreden erzählte der um die Wahl zum Abgeordneten wieder candidirende Stöcker, ,ihn habe der Stadtrabbiner von Odessa besucht mit dem Bemerken, daß er, der die russischen Stöcker alle kenne, auch so gern den „teitschen" Stöcker kennen lernen wolle. Im Laufe des Gesprächs habe er, Stöcker, den Rabbiner gefragt, ob er denn auch wirklich einen Messias oder Heiland für die Inden erhoffe, worauf jener geantwortet: „Unser Heiland ist der, der uns das meiste Geld giebt." — Die Blätter der Stöckerschen Partei drucken natürlich diese Erzählung nach, dieselbe selbstverständlich noch mit ihren Glossen erweiternd und neue schmachvolle Angriffe auf die Juden darauf basirend. Wer den in Wort und Schrift ausgezeichneten Prediger und Schriftsteller, den Stadtrabbiner Dr. Schwabacher von Odessa kennt, oder von ihm nur etwas gelesen hat, mußte wissen, daß diese Erzählung Stöckers nichts als eine Erfindung sei. Herr Blumenau in Bielefeld wandte sich, um dieses bestätigt zu erhalten, an Dr. Schwabacher, und erhielt telegraphisch die Antwort: „Ich bin seit fünf Jahren nicht in Berlin, seit drei Jahren nicht in Deutschland gewesen, und "habe den Hofprediger Stöcker niemals gesehen." Es ist dies abermals ein Beitrag zur Charakteristik des Hofpredigers Sröcker. Doch macht alles dies seine Anhänger nicht irre. Dies ist das Wesen der Partei-Leidenschaft. Tholey (Reg.-Bez. Trier), 2. Nov. (Privatmitth.) Am Dienstag, den 31. vorigen Monats inspicirte der Herr Reg.- Präsident Nasse von Trier, in Begleitung des K. Landraths Herrn Freiherr von Richthofen, des K. Kreisschulinspectors Herr Dr. Tyßka (beide von Ottweiler) und des hiesigen Bürgermeisters Herrn Clemens, die einklassige israel. Schule dahier. Nachdem der Herr Präsident selbst die Schüler in vier verschiedenen Elementarfächern geprüft, sprach er sich sehr anerkennend über deren Leistungen, sowie über die Ordnung und Reinlichkeit der Schule aus und ermunterte sodann die Schulkinder, 33 an der Zahl, ihrem Lehrer durch Fleiß und gute Führung stets Freude zu machen. — Mit dem Herrn Präsidenten über die nicht beneidenswerthen allgemeinen Anstellungsverhältnisse der jüd. Lehrer des Bezirks zu sprechen, war Einsender dieses — in Anwesenheit der Schuljugend — nicht möglich. Es muß dieß — wie folgt — auf dem schriftlichen Wege geschehen. Nach gemeinsamer Vorbesprechung gelegentlich der großen amtlichen Seminar- Conferenz zu Ottweiler am 2S./8. d. I., nämlich sammeln die israel. Lehrer Nußbaum-Trier, Scheuer-Saarwellingen und Sender-Tholey augenblicklich umfassend statistisches Material aller israel. Schulstellen des Reg.-Bez. Trier, um auf Grund desselben in einer Collectiv-Eingabe die Emancipirung der Schulen resp. deren Lehrer von Königl. Regierung demnächst zu erbitten. Zu diesem Zwecke findet nächste Weihnachten zu Trier eine Versammlung aller jüdischen Lehrer des Bezirks statt und werden hoffentlich alle betreff. Collegen — in ihrem eigenen Interesse — gemäß Einladungskarte pünktlich erscheinen. Möge es uns vergönnt sein, bald einen guten Erfolg berichten zu können: Ihr lieben Herrn Collegen im weiteren Vaterlande, geht hin und thut desgleichen! Lasset der Regierung in dieser hochwichtigen Angelegenheit keine Ruhe; unser gerechtes Streben wird endlich mit unserer völligen Gleichstellung belohnt werden. Dies gebe Gott!" G. Sender. Oesterreich-Ungarn. Wien, 1. Nov. (Privatmitth.) Am letzten Samstag geschah es also zum zweiten Male, daß Wiener Geschworene einen von der Staatsanwaltschaft angeklagten antisemitischen Agitator freisprachen. Das erste Mal geschah es, weil die Geschworenen in gleicher Zahl ein Schuldig und Nichtschuldig aussprachen, und hierzu gesellte sich, daß bei der Verhandlung die Lebensgeschichte des angeklagten Zerboni an's Licht trat, was diese Persönlichkeit von sehr unvortheilhafter Seite zeigte. Diesmal sprachen die Geschworenen den Franz Holübek einstimmig frei und wir können es daher nur bedauern, daß die Anklage gestellt, oder wenigstens nicht nachdrücklicher geführt worden, als es geschehen. Ein solches Verbiet ist für die Antisemiten nicht allein eine Aufmunterung, sondern führt ihnen aus der schwankenden und urtheilslosen Menge Verstärkung zu. Die Zuhörerschaft bestand zum größten Theil aus Antisemiten und solche hatten sich auch vor dem Gerichtshause zahlreich eingefunden und brachten dem Holubek und seinem Vertheidiger, als sie aus dem Portal traten, stürmische Hochs aus. Der Angeklagte hatte am 4. April 1882 eine Versammlung „christlicher Gewerktreibenden" zusammenberufen, die aus ca. 800 Personen bestand, von denen jedoch nur ein Theil Antisemiten war. H. hielt eine Rede, in der er unter Anderem sagte: „Der Jude sei nicht mehr unser Mitbürger, er habe sich zu unserem Herrn aufgeworfen, er sei unser Peiniger, unser Bedränger geworden." „Der Christ soll geschwächt, vernichtet, entehrt werden; es sei so weit gekommen, daß in der Hauptstadt des Habsburger-Reiches ein Christ zittern müsse, sich als Christ zu' bekennen." Dann sprach er vom Talmud uud insinuirte demselben die gröbsten Injurien gegen die Christen. Als hierauf großer 46

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