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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-07 · Heft 45 (7.11.1882) · p. Seite 739

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 45 (7.11.1882)
Date
1882-11-07
Page
Seite 739 (sequence 11)
Language
German
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739 Der in Krakau erscheinende „Czas" bringt einen größern Artikel über dem EßlLrer Prozeß, welchen „P. Ll." in Uebersetznng mittheilt. Der Verfasser, welcher sich in Tißa-Eßlar und Umgegend aufgehalten Hat, kommt zu dem Schlüsse, „daß die muthmaßliche Ermordung der Esther Solymosi, auf die Weise verübt, wie sie der vierzehnjährige Moritz Scharf erzählt, eine reine Unmöglichkeit sei, daß die Aussagen dieses einzigen Jungen unter Umständen abgelegt waren, welche die Authentizität derselben zweifelhaft erscheinen lassen, daß der Umstand, daß bei Dada ein weiblicher Leichnam im Theiß-, flusse anfgefischt wurde, die rätselhaften Umstände des Verschwindens von Esther zwar erschwert, aber keineswegs den Verdacht begründet, den man gegen den verhafteten mutmaßlichen Mörder geschöpft hat. Das Bild der Solymosi, welches bei dem antisemitischen Kongresse in Dresden solches Aufsehen erregte und das Gr. Ouody in ganz Deutschland gegen baares Geld produzirte, stellt nicht Esther Solymosi, sondern, wie konstatirt wurde, eine gewisse Ludovike Maroßek, die in Nyiregyhaza allgemein bekannt ist, vor. Trotzdem das Bild nicht im Geringsten Esther ähnlich ist, stellte jedoch die Mutter ein Zeugniß aus, daß dies das treueste Konterfei ihrer Tochter sei. Brünn, 20. Oktober. Folgendes ist der Wortlaut des bereits erwähnten Erlasses der k. k. mährischen Statthalterei anläßlich der antisemitischen Wühlereien, gerichtet an alle Bezirkshauptmannschaften Mährens: Mährisches Statthalterei-Präsidium: In den letzten Tagen sind abermals' an verschiedenen Orten Kundgebungen antisemitischer Natur vorgekommen, die allerdings bisher ohne ernste Folgen blieben. Die häufige Wiederkehr solcher Erscheinungen und die zunehmende Zahl der Orte, an welchen sie wahrgenommen wurden, bestimmt mich, Ew. Wohlgeboren im Nachhange zu meinem Erlasse vom 6. Oktober l. I., Z. 3463, neuerdings die scharfe Ueberwachung einer abfälligen antisemitischen Bewegung zur Pflicht zu machen. . Ew. Wohlgeboren wollen demnach die untergeordneten Organe zur sorgfältigen Aufmerksamkeit in Absicht auf Ueberwachung etwaiger Aufreizungen, in Absicht auf Beseitigung von Umständen, die zu einem Konflikte führen könnten und. in Absicht auf die Anzeige jeder in dieser Richtung bedeutsamen Wahrnehmung anspornen. In gleicher Richtung soll der Herr Bezirkshauptmann auch die Borsteher der Gemeinden der Amtsbezirke entsprechend eindringlich anweisen, sie, über den von ihnen einzuhaltenden Vorgang belehren und ihnen die ernsten Folgen einer Außerachtlassung, sowie auf die ihnen zufallende Verantwortlichkeit, insbesondere bei Unterlassung der Anzeige irgend welcher Bedenken erregender Vorkommnisse nachdrücklich Vorhalten. Sollte es thatsächlich zu irgend welchen gewaltthätigen Ausschreitungen gegenüber den Angehörigen des mosaischen Bekenntnisses kommen, so wird es geboten erscheinen, solche mit größter Raschheit und allem Nachdruck niederzuhalten. Ich ersuche Ew. Wohlgeboren daher, angegebenenfalls bei einem tatsächlichen Exzeß mit aller Ihnen zu Gebote stehenden Kraft und mit Anwendung aller gesetzlich gestatteten Mittel aufzutreten, um Ruhe und Ordnung herzustellen, und insoferne hiezu die lokalen und eigenen Kräfte nicht zureichen sollten, sich des Beistandes der bewaffneten Macht zu bedienen, welche Ew. Wohlgeboren sodann unmittelbar bei dem nächstgelegenen Truppen- Abtheilungs - Kommando bei gleichzeitiger Anzeige an mich in Anspruch nehmen wollen. Ich wende mich in dieser Richtung unter Einem an das k. k. Generalkommando. Schließlicherwarte ich, daß sich Ew. Wohlgeboren thunlichst in Kenntniß aller im Gegenständ wichtiger Vorfälle erhalten und mir die bemerkenswertesten derselben anzeigen werden. Brünn, 18. Oktober. . Der k. k. Statthalter: Schönborn m. p. Dieser Erlaß wurde an sämmtliche Städte mit eigenem Statute abgesendet. Ein zweiter Erlaß des hohen k. k. Statthalterei-Präsidiums, der gleichzeitig mit dem ersteren versendet wurde, lautet: Mährisches Statthalterei-Präsidium. Nach einer vertraulichen Mittheilung soll die antisemitische Bewegung in Ungarn von Sozialisten erzeugt werden, um für sozialistische Bestrebungen unter den Arbeitern Propaganda zu machen und es sollen diesfalls in einem sozialistischen Konventikel Pläne entworfen worden sein. So wie die Sozialisten sich mit dem Gedanken beschäftigen sollen, Geldmittel auf verbrecherischem Wege, sogar durch Einbruchsdiebstähle sich zu verschaffen, so soll es auch als zeitgemäß hingestellt worden sein, große, den Juden gehörige Fabriken in Brand zu stecken und die Antisemiten als Urheber hinzustellen, wodurch eine größere Anzahl Arbeiter erwerblos und die Zahl der Unzufriedenen Elemente vermehrt werden würde. Zufolge hohen Erlasses Sr. Exzellenz des Herrn Minister-Präsidenten und Leiters des hohen Ministeriums des Innern vom 8. Oktober l. I. setze ich Ew. Wohlgeboren hievon zur entsprechenden Beachtung mit der Aufforderung in Kenntniß, allenfalls in dem Gegenstände gemachte Wahrnehmungen oder getroffene Verfügungen hieher anzuzeigen. Nyiregyhüza, 28. October. Meldung der „Budapester Korrespondenz": Der Untersuchungsrichter in der Tißa- Eßlarer Affaire hat gesternnachdem er das vom Staatsanwalte beantragte nochmalige Verhör der Hauptbeschuldigten 45*

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