Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1882)
- Date
- 1882-11-07
- Page
- Seite 737 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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737 Juden an dem reformirken Friedrichs- und dem evangelischen Elisabeth-Gymnasium hier zu Breslau, wo sich im Ganzen nur 493 christl. (444 evangel. und 49 kathol.), dagegen 521 jüd. Schüler (342 am letzteren, 179, am ersteren) befanden. Unter solchen Verhältnissen nehmen sich dieNamen „ katholisches "^„evangelisches" und „reformirtes" Gymnasium recht seltsam aus." Die Mittheilung bringt nur längst Bekanntes, aber der ganze Ton, in welchem sie gehalten ist, bezeugt, wie weit wir schon von jener Zeit sind, in welcher man den Eintritt der jüdischen Jugend in die. höheren Lehranstalten lebhaft wünschte, um auch diesen Theil der Bevölkerung auf das Niveau der allgemeinen und nationalen Kultur zu heben. Der ererbte Name thut doch nichts zur Sache bei einer öffentlichen, aus Staats- und städtischen Mitteln erhaltenen Anstalt, welche nicht blos von der Consession, nach der sie benannt ist, sondern von allen Religionsparteien besucht und nicht aus confessionellen Mitteln erhallen wird. Uebrigens studiert die Mehrzahl der die Gymnasien besuchenden jüdischen Jugend nicht, sondern der Zweck der Eltern ist, ihren Kindern eine bessere Schulbildung und zugleich das Benefiz des einjährigen Militärdienstes zu verschaffen. Wenn man in einem Staate das Prinzip der Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen überhaupt zur Herrschaft gebracht hat, so muß man auch allen Einzelnen die Freiheit einräumen, von diesem Prinzipe innerhalb der gesetzlichen Schranken Gebrauch zu machen. Oberhegelheim, 22. Oktober. (Privatmitth.) Die 5. Generalversammlung der Achawa fand am 18. e. unter sehr zahlreicher Betheiligung im Conferenzsaale der Real- und Volksschule der isr. Gemeinde zu Frankfurt a. M. statt. Es waren 35 Lehrer, zum Theil aus weiter Ferne, erschienen. Mehr als 100 hatten ihre Theilnahme durch Zuschriften bekundet. Aus Frankfurt waren außer sämmtlichen Mitgliedern der Verwaltung die Herrn Direktor Dr, Bärwald, Rabbiner Dr. Horwitz, Leopold Dann u. A. m. aus Homburg Herr Louis Lehmann erschienen. Die Verhandlungen, geleitet von dem Vorsitzenden Herrn Adolf Teblöe, verliefen ernst und sachgemäß. Sie wurden durch eine Begrüßung des Vorsitzenden eingeleitet, der den glücklichen Fortgang des Vereins, das stetige Wachsen des Vermögens (zur Zeit etwa 108,000 Mark, bei einer jährlichen Einnahme von 15—18000 Mark und einer jährlichen Unterstützungssumme von 7—9000 Mark konstatirte. Ein Begrüßungsschreiben des D. I. Gemeindebundes wurde mit großer Freude ausgenommen. Das Zusammenwirken der beiden Genossenschaften wird die Frage der Pensionirung der jüdischen Gemeinde- und Religionsbeamten immer näher ihrer Erledigung und die Achawa zur vollen Erfüllung ihrer großen Aufgabe verhelfen. Aus den Verhandlungen heben wir hier nur diejenigen Punkte hervor, welche unter den Mitgliedern eine gewisse Bewegung hervorgerufen haben; während das Minderwichtige mit den revidirten Statuten zur Kenntniß der Mitglieder gebracht werden soll. Zu Z 2 der Statuten war der Antrag gestellt worden: „Die Bezeichnung des Vereins als Unterstützungsverein schließt jeden Rechtsanspruch.auf eine Rente aus. Die Beurtheilung eines jeden Einzelfalles ist in die Hände der Verwaltung gelegt." Dieser Antrag wurde nach kurzer Debatte abgelehnt. Der Antrag der Verwaltung, daß die Ehrenmitgliedschaft durch einmalige Zahlung von 150 Mark (für alle Zeit) erworben werden könne, wird angenommen; ebenso der weitere Antrag in § 4 Alinea 3 statt 50. Lebensjahr das 40. zu setzen. Es werden daher solche Lehrer, welche das 40. Lebensjahr bereits überschritten haben, nur noch bis zum 1. Juli 1883 als Mitglieder ausgenommen. Bis zu dieser Frist soll den trotz so vielfacher Mahnung immer noch zurückgebliebenen „Alten" der Eintritt noch offen stehen, wenn sie bis dahin nicht auch schon das 50. Lebensjahr überschritten haben. Es waren von auswärts schriftliche Anträge eingelaufen, daß sogar noch Aufnahme über das 50. Lebensjahr hinaus ermöglicht werden sollte. Diese fanden aber in der Versammlung keine Unterstützung. Die Aufnahmsgelder waren in den ersten Jahren nach der Gründung sehr klein und Jedermann fand damals Zutritt. Wenn die Herren Kollegen abwarten wollten, bis Andere den Verein sicher begründet haben, so kann dies ihre Säumniß nicht entschuldigen und die Achawa hat kein Recht, solche Nachzügler, die nur recht bald pensionirt sein wollen, auf Kosten der jetzigen Mitglieder aufzunehmen. Lebhafte, fast zweistündige Debatte erregten die Anträge auf Abänderung des § 9 der Statuten. Herr Blumenfeld aus Dispeck in Bayern hatte es sich nicht verdrießen lassen, den weiten Weg (aus Mittelfranken nach Frankfurt) zu reisen, um seine Anträge auf Scheidung in Pflicht- und Dürftigkeitstheile zu motiviren. Er /entledigte sich dieser Aufgabe mit einer Klarheit und Wärme, die alle Anerkennung der Versammlung erhielt. Und dennoch konnten auch diejenigen Mitglieder der Versammlung, welche von vornherein mit diesem Anträge sympathisirten, sich nach erfolgter Debatte der Einsicht nicht verschließen, daß seine Durchführung mindestens schwer und jedenfalls durchaus inopportun wäre, weil er uns der Sympathie der Ehrenmitglieder, die die lebengebende Kraft der Achawa sind, berauben könnte. Die gewichtigen Bedenken gegen den betreffenden Antrag, welche von Herrn Direktor Dr. Bärwald und von den Mitgliedern der Verwaltung, den Herren Schiff,- Bär und Bonn erhoben wurden, mußten einem Jeden die 45