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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-07 · Heft 45 (7.11.1882) · p. Seite 735

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 45 (7.11.1882)
Date
1882-11-07
Page
Seite 735 (sequence 7)
Language
German
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Beteiligung bleiben, theils für diejenigen, deren Eltern einen ausgiebigeren Unterricht in den religiösen Disciplinen und namentlich den Unterricht im Hebräischen fordern. Die Erfahrung, welche bei den Simultanschulen gemacht wurde, seitdem der Unterrichtsminister Falk sie einzuführen strebte und hier und da einen gewissen Druck dafür ausübte, ohne in den meisten Fällen im Stande zu sein, die volle Simultanität auch für die Juden herzustellen Und den Bestand der Simultanschulen gegen eine spätere veränderte Strömung zu sichern, muß uns verwarnen, unsere bestehenden Anstalten bei jedem anscheinenden Zugeständnis von Außen her aufzugeben. Vielmehr sind wir verpflichtet, sorgfältig abzuwägen, inwiefern eine neue Einrichtung genüge und völlig zweckmäßig sei und welche Vortheile und Bedingungen auch noch dann für die Erhaltung, Belebung und Entwickelung der bisherigen Institutionen sprechen. Denn was aufgegeben ist, läßt sich nur schwer wiederherstellen und wird man hierzu immer erst schreiten, wenn man schwerer Nachtheile, die eingetreten sind, bewußt geworden. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 27. Oktober. Im Jahrgänge 1841 S. 584 hatten wir die zweite Auflage von Winer's „Chaldäischer Grammatik für Bibel und Targumim" zu besprechen, und so freut es uns, heute die dritte Auflage „vermehrt durch eine Anleitung zum Studium' des Midrasch und Talmud von Dr. Bernhard Fischer, emerit. Rabbiner" (Leipzig, Barth, 1882) vor uns zu haben. Außer einzelnen Verbesserungen giebt der Herausgeber eine Einleitung, in welcher wir zwar nichts von einer Anleitung zum Studium des Midrasch und Talmud finden, wohl aber eine sehr lehrreiche Auseinandersetzung der Geschichte, des Aramäismus und der aramäischen Dialekte. Wenn auch diese erste Abtheilung noch Manches enthält, was dem Zweifel unterliegen möchte, so können wir doch unsre Anerkennung dem letzteren Abschnitt im vollen Maße zuertheilen, da die Verschiedenheiten der Dialekte, ihres Charakters und die Erklärung aus historischen und geographischen Ursachen sehr lichtvoll dargestellt sind und mit schlagenden Beispielen belegt werden. In ihrem praktischen Nutzen hat diese Grammatik ihren Werth noch bis heute behauptet, und so kann sie den Studirenden nachdrücklich empfohlen werden.— Einerecht ansprechende Komposition zum 133. Psalm in hebräischer und deutscher Sprache für Männerchor, Harmonium und Pianoforte hatE. Birnbaum (Königsberg i Pr. Beyer) geliefert und dem „Magdeburger Synagogen-Gesang- Verein" gewidmet. Wir haben die Bethätigung jener herrlichen Psalmverse zu nöthig, um nicht empfehlen zu müssen, daß dieses schöne Musikstück recht oft in unsren Synagogen vorgetragen werde. — Als ein Nachzügler zu der jüngst so bewegten Broschürenliteratur erschien jüngst: Ueber die Zukunft und Berechtigung des Judenthums. Von Dr. I. Goldschmidt, Bez. - Rabbiner in Weilburg (Neuwied und Leipzig, 1883, Louis Heuser). Der Vers, beantwortet mit Ruhe und Besonnenheit die Fragen nach der Zukunft des Judenthums, nach seiner inneren Berechtigung als Religion und.nach seiner äußeren Berechtigung den eigenen Bekennern, dem Christenthume, dem Staate und der Gesellschaft gegenüber. Enthält auch das Schriftchen keine neuen Gedanken, stützt sich vielmehr auf die Resultate vieler vorangegangenen Untersuchungen Und Arbeiten, so liegt doch ein großes Interesse darin, diese Ergebnisse soweit wie möglich zu verbreiten und deshalb möglichst oft zu wiederholen und in den verschiedensten Weisen ans Licht zu stellen. Wir wünschen daher dieser Broschüre den allergünstigsten Erfolg. — Festrede zur Feier des Allerhöchsten Geburtsfeftes Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. bei gleichzeitiger Einweihung der Orgel. Gehalten ' am 18. August 1882 im israelitischen Tempel zu Teschen vom Kreisrabbiner S. Friedmann. (Teschen, 1882, Prochaska). Wenn irgend Wer den Geburtstag des Herrschers mit wahrer Andacht zu feiern Ursache hat, so sind es unsre Glaubensgenossen im österreichischen Kaiserreiche , wo Franz Josef mit größter Entschiedenheit gegen jeden Versuch, seine jüdischen Unterthanen hintenanzusetzen , oder zu mißhandeln , eingeschritten ist. Es war daher sehr sinnig von der Gemeinde zu Teschen, gerade an diesem Tage die Einführung der Orgel in ihr Gotteshaus zu bewerkstelligen und Kreisrabbiner Friedmann' verstand es, in beredter und gemüthvoller Weise beide Momente zu vereinigen und seinen Hörern in ihrer Bedeutung zum vollen Bewußtsein zu bringen. Deutschland. Berlin, 25. Okt. (Privatmitth.) Nachgerade kann ein Sammler eine reiche Gallerie von Charakterbildern aus den Reihen der antisemitischen Agitatoren zusammenstellen. Hat uns doch diese Zeit selbst aus Wien und Pest gerade diese Agitatoren von ihrer sittlichen Seite aus in Prachtexemplaren vorgeführt. -Die hiesigen Zeitungen berichten: Der antisemitische Agitator, Zeitungsverleger Leopold Hemmel, war zu gestern. vor die erste Strafkammer hiesigen Landgerichts I. geladen, um sich auf eine Anklage wegen Unterschlagung zu verantworten., Da er nicht erschienen war, beschloß der

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