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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-11-07 · Heft 45 (7.11.1882) · p. Seite 732

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 45 (7.11.1882)
Date
1882-11-07
Page
Seite 732 (sequence 4)
Language
German
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desselben als das Fundament der religiösen Erkenntniß angesehen werden. Von hier aus wird aber die Geschichte der Juden unter demselben Gesichtspunkte erscheinen, den Jesajas n festgestellt hat, daß der jüdische Stamm eine unübersehbare Leidensgeschichte auf sich genommen und mit treuer Ausdauer ertragen hat, um seine Gotteslehre zu erhalten und der Menschheit zu übergeben, als Wächter des Quells, aus dem die Wasser der Erkenntniß und der Sittlichkeit, hinfließen, mitten durch die rauhen Gebirge und die weiten Ebenen der Bölkergeschichte. (Fortsetzung folgt.) Die Auswanderung. Wir haben bereits aus dem letzt veröffentlichten Berichte des Berliner Centralkomites mitgetheilt, daß dieses' den Schluß seiner Thätigkeit in Aussicht genommen und sich dann aufzulösen gedenkt. Nach einer Meldung aus Lemberg befinden sich gegenwärtig nur mehr 500 jüdische Emigranten aus Rußland in Brodh. Dieselben sind zumeist Deserteure; deren zwangsweise Abschaffung erscheint aus Humanitätsrücksichten um so mehr unstatthaft, weil dieselben von den verschiedenen Hilfskomites ausreichend unterstützt werden und bisher Niemandem zur Last fielen. Die Urtheile über das ganze Emigrationswerk lauten bekanntlich sehr verschieden. Wir halten es deshalb für unsre Pflicht, den allgemeinen Bericht hier wiederzugeben, welchen das Septemberbulletin der Alliance isr. rniiv. bringt: „Man spricht in den russischen Zeitungen viel von der Rückkehr einer Anzahl Israeliten,, welche nach Amerika ausgewandert sind, und will hierin den Beweis erblicken, daß die russischen Israeliten zu nichts gut sind; es sind dies Spöttereien ohne Ende und ohne jeden Grund. Man weiß, daß seit etwa einem Jahre 20,000 russische Israeliten nach Amerika gegangen sind; 12,000 sind von europäischen Komites expedirt worden, die übrigen sind ohne Hilfe dieser Komites und oft gegen den Willen derselben abgereist. Die Unterbringung einer so großen Zahl von Emigranten ist natürlich sehr schwierig gewesen. Ein Theil der Israeliten, die' sich aus eigenem Antriebe nach Amerika begeben haben, und selbst derjenigen, die dort hingeschickt worden sind von Komites, welche bei ihrer Auswahl nicht mit der nöthigen Umsicht vorgegangen sind, bestand aus Greisen, Schwachen und Bettlern von Profession. Es war natürlich unmöglich, solche Leute zu placiren, und sie mußten nach ihrer Heimath zurückkehren; Andere sind allzu schnell entmuthigt worden Angesichts der Schwierigkeiten, die ihnen begegneten, Schwierigkeiten, die aus der Unkenntniß der Sprache und der Arbeitsbedingungen in Amerika stammten. Es ist übrigens ein russischer Charakterzug im Allgemeinen, -durch den sich die russischen Israeliten eben als Russen beweisen, schnell von starken und etwas exaltirten Entschlüssen zur Erschlaffung überzugehen, und diese Beweglichkeit des Geistes, welche den Komites viel zu schaffen macht, ist eine der größten Schwierigkeiten, denen die Unterbringung der Emigranten begegnet. Im Ganzen sind nach unseren letzten Mittheilüngen von den 20,000 Emigranten nur 1,100 Personen, worunter 400 Kinder und 400 Schwache und Kranke, nach Europa zurückgekommen. Es ist dies ein sehr schwaches Verhältniß von Abgängen, besonders wenn man die Verhältnisse bedenkt, unter denen die Emigration sich gemacht hat. Die von dem C.-Komite erhaltenen Informationen stellen in entscheidender Weise fest, daß die. russischen Emigranten, die in Amerika sind, sich dort leicht ihr Brot werden verdienen können, wenn man sie auch noch einige Zeit wird unterstützen müssen, bis sie mit den amerikanischen Gewohnheiten sich vertraut gemacht haben werden. Um den amerikanischen Komites die Mittel zu solchen Unterstützungen zu bieten, hat das C.-Komitö der Alliance, sowie das russische Komite von Berlin und das Mansion-House-Komite von London jedes soeben eine Summe von 50,000 Fr. votirt, welche der Emigrant-Aid- Society zur Verfügung gestellt wurde." Wie dem aber auch sei, das Hülfswerk, das sich vor unsren Augen in den Jahren 1881 und 1882 abgespielt hat, ist von außerordentlichem und bleibendem Werthe. Da/ es sich nicht auf den Kreis unsrer Glaubensgenossenschaft beschränkte, sondern überall die edelsten und hervorragendsten Persönlichkeiten christlicher Religion sich daran betheiligtssn,. zum Theil als Anreger und Förderer auftraten, so haben wir darin den lebhaften Protest gegen die verübten Greuel und eine Manifestation der Humanität zu'erblicken, welche trotz allen Kundgebungen des Haffes, der Vorurtheile. und anderer niederer Leidenschaften die civilisirte Welt beherrscht und uns Bürgschaft bietet für eine bessere Zukunft. Abge» sehen hiervon ist immerhin einer beträchtlichen Zahl Unglücklicher eine neue Lebens- und Arbeitsbahn in einem freien Lande eröffnet und sie vom schmählichsten Untergange gerettet worden. Wer wagt wohl dies als gering auzuschlagen! Was diesem Hülfswerk an Schwierigkeiten gegenüberstand, war: 1. die Urplötzlichkeit der ganzen Erscheinung, die Hast, mit welcher sie auf die schleunigste, ganz unvorbereitete Erfüllung drängte; 2. der Mangel an Erfahrung sowohl was die Auswahl und den Transport, als auch das Unterbringen einer solchen Menschenmasse und deren Hinüberleiten in ihren Unterhalt bewirkende Arbeitswege; 3. das Fehlen einer einheitlichen Organisation, da natürlich eine große Menge von lokalen Komites entstanden war, die sich erst spät in ein gemeinsames Vorgehen schicken konnten, noch dazu bei der großen Ausdehnung des Schauplatzes von den russischen Grenzen bis in das Innere Nordamerikas; endlich 4. daß

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