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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-31 · Heft 44 (31.10.1882) · p. Seite 725

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 44 (31.10.1882)
Date
1882-10-31
Page
Seite 725 (sequence 13)
Language
German
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725 Doch ließ das Lehrerkollegium es sich nicht nehmen, dem Jubilar wenigstens am Platze seiner Wirksamkeit, in der Schule, vor den anwesenden Schülern und Seminarzöglingen seine wohlgemeinten Glückwünsche in oorxore darzubringen. Der Herr Direktor Dr. Steinberg hielt eine kurze, aber zu Herzen gehende Ansprache, in welcher der treuen Hingebung des Jubilars'an seinen Beruf, sowie seiner erfolgreichen schriftstellerischen Thätigkeit anerkennend gedacht wurde. Hierauf hielt ein Seminarist der ersten Klasse ebenfalls eine Ansprüche in der im Namen aller Zöglinge dem Bedauern darüber, daß die Jubelfeier eine improvifirte sein mußte, lebhaften Ausdruck verliehen und der innige Wunsch ausgesprochen wurde, daß der verehrte Lehrer noch recht lange im Stande sein möge, seine segensreiche Thätigkeit wie bisher der Anstalt zu widmen. Nachdem noch auch von einem Schüler und einer Schülerin der Seminarschule Glückwünsche im Namen der letzteren dargebracht wurden, richtete der Herr Jubilar einige Worte des Dankes an seine Collegen und Schüler für die freudige Ueberraschung, welche ihm zu Theil geworden, nachdem er geglaubt hatte, dieses für ihn persönlich allerdings epochemachende Ereigniß werde von Fremden unbemerkt bleiben. Mit dem Absingen einiger passenden Lieder schloß die zwar einfache, aber desto herzlichere Feier. F. — Die Gemeinde zu Salonichi und die orientalischen Juden überhaupt haben einen großen Verlust durch den Tod des Dr. Mose Allatini erlitten. Doktor der Medizin, war seine Thätigkeit noch mehr auf Werke der Wohlthätigkeit und der Civilisation gerichtet, als auf Ausübung seiner Kunst. Er hat außerordentlich viel zur Hebung der sozialen und intellektuellen Lage der großen Gemeinde seiner Vaterstadt gethan. — In diesen Tagen verließ der Lehrer Herr Straßburger Buttenhausen (Württemberg), wo er über 18 Jahre in treuer Pflichterfüllung gewirkt, um in Buchau seine Thätigkeit sortzuse'tzen. Die Geistlichen, christliche Collegen, Ortsbehörde und isr. Gemeindevorstand gaben ihm unter Anerkennung seines verdienstlichen Wirkens ein Abschiedsfest und der Vorstand überreichte ihm einen ^stattlichen silbernen Pokal mit der Inschrift: „dem treuen Lehrer!" — Am 22. feiert der Sanitätsrath Dr. Beschütz 1 in Salzwedel, der älteste und überaus beliebte Arzt der 'Stadt, sein 50jähriges Doktorjubiläum. Die Stadt giebt dem Jubilar ein solennes Festbanket. — Iseuilleton. Aachum-Zsch-Gam-su. Aus dem „Nußki Jewrej", übersetzt von H. Mendelsohn. „ (Schluß.) Dann wandte sich der Greis an mich und fuhr fort: Nein, mein Sohn, ich theile Deine Prophezeihung nicht; denn siehe, sind etwa von den tausenden Familien, die unlängst aus ihren Heimathstätten in's Elend getrieben worden, viele ruhig daheim geblichen? Haben etwa viele die Masse der Verfolgten verlassen, um zu der andern Partei, überzugehen, die sie mit Hohn und mit Steinwürfen begleitet? — Du sprichst vom religiösen Gefühle und von der Liebe zur Heimath; allein es giebt noch ein anderes Gefühl, das tief in den Menschen wurzelt, das ist das Gefühl der Gerechtigkeit, welches nie und nimmer zuläßt, die schuldlos Geschlagenen zu verlassen, um zu den Schlägern überzugehen. Das ist der Stolz des Verfolgten, den zu nehmen der Verfolger machtlos ist. Du erinnerst mich an Spanien; o, ich habe es. nicht vergessen, auch aus dem Gedächtnisse unseres Volkes, das leider seine Geschichte wenig kennt, ist es nicht geschwunden: es weiß sehr wohl, daß die Inquisition mit ihrem Autodafe, mit der Folter und all den Qualen für die dem Judenthume abtrünnigen Maranen erdacht waren, nicht'aber für die Juden, die nach Holland und Türkei ausgewandert waren. — Natürlich — jetzt sind die Zeiten des Mittelalters vorüber; wir brauchen nicht mehr zu befürchten, daß irgend ein aufgeklärtes Reich plötzlich die Inquisition wieder einführen werde. Allein — wenn der religiöse Haß jetzt nachgelassen hat, so hat der Racenhaß dafür um so mehr Fortschritte gemacht; und dieser auf eingewurzelten Vorurtheilen basirenden Rayenhaß wird nur dem nivellirenden Einflüsse der allgemeinen Cultur weichen, — nur die Civilisation im rechten- und wahren Sinne, nur sie wird die Menschen versöhnen. — Für sie aber müssen auch die Juden arbeiten. Indessen wird, es gewiß auch solche Juden geben, die nicht so viel. Geduld besitzen, jene bessere Zeit zu erwarten, und die, der Leiden wegen, von ihren Brüdern sich lossagen und entfernen werden. Gam su letowa! — Außer mir vor Staunen über diese unerwartete Wendung der Rede, blickte ich den Sprecher an. „Wie tauch Ihr, Rabbi Nachum, den die Juden fast wie einen Heiligen verehren, Ihr könnt so gleichgiltig sein gegen die Möglichkeit eines Abfalls vieler Juden von ihren jahrtansend alten Traditionen, für deren Erhaltung sie so viel gelitten und noch jetzt leiden?! — Und Ihr nennt das „zum Heile?" — So habt Ihr entweder Euern Glauben an das Judenthüm verloren, oder seid gar der Ansicht, das Judenthum habe seine historische Mission bereits erfüllt und könne sich nun als überlebt auflösen?" — „ Nimmermehr", erwiderte der Greis, „im Gegentheil, mein fester Glaube an die Zukunft des Judenthums enthebt mich jeder Sorge um seine Erhaltung. Denn siehe, entweder

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