Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1882)
- Date
- 1882-10-31
- Page
- Seite 719 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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719 für eine Stadt halte, in welcher die Anklage und Verthei-! digung und die unparteiische Würde der Gerechtigkeit vor jedem Ausbruch der durch die Wühlereien aufgestachelten Leidenschaften vollkommen sicher sind? Vom Standpunkte der Justiz kann ich darauf keine Antwort geben. Was die Interessen der Rechtspflege erfordern, das gehört nicht in meinen Wirkungskreis und das Gesetz kennt das kompetente Forum. Wohl aber kann ich mich als Minister des Innern äußern. (Hört!) Als solcher kann ich nur sagen, daß die nicht genug anzuerkennende Gutmüthigkeit und Einsicht'der Tißa-Eßlarer Bevölkerung noch keine Ursache gegeben hat, diesbezüglich in Zweifel zu sein. Doch wage ich es zu behaupten, daß — ob dies nun gefallen wird oder nicht — sollte das Interesse der Rechtspflege es erfordern, daß das Verfahren dort abgeschlossen werde und sollte es gelingen, das Volk in einer Weise zu bearbeiten, daß die Sicherheit des Verfahrens gefährdet wäre; so werde ich Sorge dafür tragen, daß dies nicht gelinge, denn es giebt noch eine Macht, um jedes ähnliche Streben hintanzuhalten. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Ivan Simonyi nimmt die Antwort nicht zur Kenntniß und bittet auch die Mitglieder auf der andern Seite, in diesem Falle dem Zuge ihres Herzens zu folgen und die Antwort nicht zur Kenntniß zu nehmen. Minister-Präsident Tißa protestirt dagegen, daß man einem Theile des Hauses insinuire, bei seinen Entschlüssen nicht einzig uni^ allein dem Zuge des Gewissens zu folgen. Ludwig Csernatony nimmt die Antwvrt zur Kenntniß und giebt der Hoffnung Ausdruck, daß es auch ferner — zur Ehre und zum Stolz Ungarns —nicht gelingen werde, in ungarischen Gegenden, wo man über die Hetze lache, Unruhen hervorzurufen. Die Antwort wird zur Kenntniß genommen (d. h. man ist damit einverstanden). Justizminister Dr. Theodor Pauler: Der Herr Abgeordnete Onody hat zwei Fragen an mich gerichtet. Die eine ist, ob ich Kenntniß habe,, daß der königliche Staatsanwalt in der Tißa-Eßlarer Angelegenheit angeklagt wird, er habe sich bemüht, den Gefängnißwächter Josef Karancsay zu falscher Zeugenaussage zu veranlassen — und zweitens, wenn dem so sei, ob ich der Meinung bin, daß diesem Staatsanwalt die weitere Führung der Tißa-Eßlarer Angelegenheit belassen. werden könne. Ich will diese beiden Fragen kurz beantworten. Es ist mir aus amtlichen Berichten bekannt, daß der vom Ober-Staatsanwalt in der Tißa-Eßlarer Angelegenheit entsendete Staatsanwalt angeklagt wird, er habe den Gefängnißwächter Josef Karancsay zu Zeugenaussagen zu bewegen sich bemüht, welche im Widerspruch stehen mit seinen vor dem Untersuchungsrichter gemachten Aussagen. Ich habe Kenntniß davon, daß er dessen angeklagt wird; es ist mir bekannt, daß diese Angelegenheit ordnungsgemäß dem königlichen Staatsanwalt behufs weiterer Verfügung übergeben wurde. Eben von dem weiteren Verlauf der gesetzlichen Verfügungen hängt all das ab, was noch weiter zu thun ist, und was ich dann für nothwendig und zweckmäßig halten werde, das werde ich, insofern es zu meinem Wirkungskreis gehört, zu thun nicht unterlassen. Bevor aber der gesetzliche Verlauf der Sache nicht abgeschlossen wird, fühle ich mich überhaupt nicht berechtigt und berufen, über die Anklage zu urtheilen. (Allgemeine Zustimmung.) Das Haus nimmt die Antwort zur Äenutniß. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 17. Oktober. Wir können nicht verkennen, daß für Erforschung und Schilderung des. h. Landes von Seiten der Juden nur wenig geschehen ist. Seit dem Werke , des sel. Joseph Schwarz und der Reisebeschreibung Ludwig Aug. Frankl's ist nichts von Bedeutung aus der Feder eines jüdischen Autors hervorgegangen. Mit aufrichtiger Befriedigung zeigen wir daher den ersten Jahrgang an von d^etp 01 do53xd nsrcp .-.dd Jerusalem. Jahrbuch zur Beförderung einer wissenschaftlich genauen Kenntniß des jetzigen und des alten Palästinas. Herausgegeben unter Mitwirkung von Fachmännern im h. Lande und außerhalb desselben von Ä. M. Luncz. (Wien, 1882. Georg Brög.) Das Jahrbuch besteht aus einem hebräischen und einem deutschen Theile. Der hebräische betrifft mehr die inneren, der deutsche die äußeren Verhältnisse der Juden in der h. Stadt. Ein ausführlicher Aufsatz macht uns mit den religiösen und sozialen Gebräuchen der Israeliten im h. Lande bekannt. Wir sehen hier noch eine Fülle von Pietät und naivesten Vorstellungen, gewahren uns jedoch auch an der Schwelle des echten Orients mit seinem Aberglauben und seiner Unkultur und der schroffen Zurückweisung aller abendländischen Civilisation. Eine Aufzählung, Beschreibung und Abschrift der Gräber und Grabschriften im h. Lande, mit mancherlei Erläuterungen versehen, folgt und giebt reiches Material für die Geschichte der Juden in Palästina bis zu unseren Tagen. Aus unedirten Handschriften werden eine Reisebeschreibung von Florenz nach Jerusalem und ein Gräberverzeichniß aus dem 15. Jahrhundert mitgetheilt und „Rathschläge und Pläne zur Hebung der Lage des h. Landes und seiner Bewohner" bilden den Schluß dieses in vielfachster Weise interessanten hebräischen Theiles. Der deutsche Theil beginnt mit einer chronologischen Tafel, die allerdings noch ausführlicher sein könnte. Es sind darin nicht weniger als 13 große Erdbeben mit umfassend zerstörender Wirkung verzeichnet. Meteorologische Beobach-