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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-31 · Heft 44 (31.10.1882) · p. Seite 717

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 44 (31.10.1882)
Date
1882-10-31
Page
Seite 717 (sequence 5)
Language
German
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717 bona fide hineingegangen, aber sie werden sicherlich nicht mit Stolz dessen gedenken, was sie in dieser Sache gethan. Minister-Präsident Koloman Tißa: Geehrtes Haus! (Hört!) Von den drei Interpellationen, die heute hier eingebracht wurden, ist eine an meinen geehrten Freund den Justizminister gerichtet, und er wird sicherlich nicht verfehlen, dieselbe seinerzeit zu beantworten. Ohne mich also auf diese Interpellation einzulassen, bitte ich das geehrte Haus, mir die sofortige Beantwortung der anderen zwei Interpellationen zu gestatten, da ich morgen kaum in der Lage sein dürfte, im Hause zu erscheinen und ich die Verzögerung der Antwort meinerseits nicht für zweckmäßig erachten würde. (Hört! Hört!) Meine Antwort wird übrigens ganz kurz ausfallen können, da die Interpellation des Herrn Abgeordneten Simonyi im Wesen mit der gestrigen des Herrn Abgeordneten Mocsary identisch ist. Der Herr Abgeordnete fragt nämlich zuvörderst, auf Grund welcher und von wem stammender Informationen der Minister des Innern befunden hat, das Standrecht für das Komitat Preßburg anzuordnen, beziehungsweise dessen Publizirung dem Belieben des Regierungs-Kommissärs anheimstellen zu sollen? G. Hans! Ich habe meine diesbezüglichen Ansichten gestern bereits ausgesprochen und ich wiederhole noch, daß ich der Meinung bin und stets sein werde, daß, wenn auf irgend einem Territorium sich Symptome zeigen, aus welchen sich auf größere und namhaftere Störungen der öffentlichen Ruhe folgern läßt, die betreffende Territorialbehörde stets in die Lage versetzt und mit allen Mitteln ausgestattet werden muß, die Unruhen so energisch als nur möglich zu unterdrücken. Dies widerspricht keinem der bestehenden Gesetze oder Verordnungen. Aber das, auf wessen Rath, auf wessen Aufforderungen etwas gethan wurde, kann nicht Gegenstand einer Frage sein; denn ob ich es von selbst oder auf den Rath Anderer gethan, die Verantwortung trifft mich allein. Ich suche keine Entschuldigung, daß ein Anderer vielleicht Anderes rieth, ich halte meine Verantwortung nicht für größer, wenn ich sage, daß ich nach meinem eigenen Urtheil gehandelt. (Zustimmung.) Nach der heute gehörten Theorie, daß man ohne Zustimmung der Munizipien kein Statarium anordnen dürfe, wohin kämen wir? Könnte eine Regierung, aus wem immer sie bestünde, zusehen, daß ein Magistrat oder ein Munizipium mit irgend einer Bewegung sympathisirt und keine Mittel zur Unterdrückung will; könnten sie zusehen, daß in jenem Munizipium — wer, vielleicht die Verkündiger wissenschaftlicher Theorien wirken sollen? — nein, sondern Mörder, Raubmörder und Brandstifter. (Lebhafter Beifall rechts.) Wollen Sie mir es glauben, Sie vertheidigen die große Idee der Freiheit auf schlecht gewähltem Terrain, wenn ausschließlich davon die Rede, was in dem Statarial-Erlasse erwähnt wird und erwähnt werden konnte. (Zustimmung.) Nur in Einem will ich die Behauptung des Herrn Abgeordneten bezüglich meiner gestrigen Aeußerung rektifiziren. Er sagte, ich hätte geäußert, daß wenn das Haus mit seinem Votum gegen mich entscheiden würde, ein Anderer hieher kommen könnte, der anders Vorgehen würde, dies habe ich nicht gesagt; wohl aber sage ich, daß ich, so lange ich hier sein werde, mit derselben Strenge in der Frage Vorgehen werde, wie jetzt. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Ich sagte auch, daß, wenn das Haus gegen mich entscheiden würde, ich natürlich einem Andern Platz machen würde; daß aber ein Anderer anders Vorgehen werde, sagte ich nicht und kann ich auch nicht voraussetzen. Denn ich kann mir in Ungarn keine Regierung denken, die zugäbe, daß von Einzelnen irregeführte Massen die Vermögens- und persönliche Sicherheit eines Theiles der Bewohner gefährden und den in schweren Zeiten durch lange Jahre erhaltenen guten Namen des Landes brandmarken. (Lebhafte Zustimmung.) Und ich halte es für sonderbar — um mich auch einen Augenblick lang mit der Judenfrage zu beschäftigen — daß eben von jener Seite — auch ich wiederhole es, daß ich beiweitem nicht alle Mitglieder jener geehrten Partei mit dieser Ansicht identifizire, — daß wir diese Angriffe und die einen ganzen Stamm und eine Konfession verdächtigenden Aeußerungen hören eben von jener Seite, welche andererseits — wie dies nebenbei auch heute geschehen ist — als der Bannerträger in der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit Ungarns und der 1848er Ideen fungirte.. Paul Hoitsy: Die auf der anderen Seite haben es angefangen! Jstoczy hass angefangen! Koloman Tißa: Es ist egal, wer angefangen hat. Und gestatten Sie mir zu bemerken, wenn Jemand auf diesem Gebiete Schritte thun .wird, die gegen das Gesetz verstoßen, so werde ich nicht fragen,. wo derselbe einst im Hause gesessen hat, sondern ich werde sagen, mag er gesessen haben wo immer, er wird die Strenge des Gesetzes fühlen! (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Allein ich wundere mich, daß Sie Ungarns Wohlergehen — wie Sie sagen — Unabhängigkeit durch diese Konfession gefährdet sehen. Haben Sie denn vergessen, was in jener Zeit geschehen? Hat etwa Hayn.au jene kolossale und erdrückende Kriegskontribution auf die Juden wegen ihrer Antipathie gegen das Ungarthum und gegen die Unabhängigkeit Ungarns ausgeworfen, jene Kontribution, unter deren Last sie seufzten, bis'die große Gnade unseres erhabenen Königs sie davon befreite? (Lebhafter Beifall rechts.) In einem Athem einerseits liberal und freiheitsliebend

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