Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1882)
- Date
- 1882-10-24
- Page
- Seite 708 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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708 Preßburg, 7. Oktober. Wegen der Juden-Excesse sind bisher 164 Individuen verhaftet, darunter 17 wegen Diebstahls. Von den Verhafteten sind 42 nach Preßburg, 122 anderwärts zuständig. Bon letzteren find einige gar nicht in Preßburg wohnhaft. * Agram, 8. Oktober. Zur Charakterisirung der Stimmung in Kroatien und der Verwirrnng, die im Reiche der Stephanskrone herrscht, finde hier ein Artikel des „Pozor" einen Platz. „Betreffs der kroatischen Juden müssen wir konstatiren, daß zwischen ihnen ein Unterschied gemacht werden muß. Die eine Partei — die älteren eingeborenen Juden — ist mit unserer Nation verschmolzen; sie besteht aus anständigen Bürgern, die sich freuen über den Fortschritt und die Wohlfahrt der Nation und ihre Achtung für dieselbe dadurch bezeugen, daß sie sich die kroatische Sprache angeeignet haben. Selbst Jene, die nicht eben sehr feste Patrioten sind, sind keine Feinde unserer Nation und unseres Landes. Die neuen aber, die aus Ungarn eingewanderten Juden, sind keineswegs Freunde Kroatiens; sie sind im Interesse der Magyarisirung und des ungarischen Chauvinismus thätig, somit zum Schaden unseres Vaterlandes und der eingeborenen Juden. Dies ist den kroatischen Juden bekannt, und darum ist ihnen auch die Niederlassung Jener nicht willkommen; es ist den kroatischen Juden bekannt, daß die Kroaten sich jeder Konfession gegenüber stets am tolerantesten benommen haben; daß sie hier allezeit religiöse und bürgerliche Freiheit genossen, daß beide mit dem Eintritt der konstitutionellen Aera auf Grund der Gleichberechtigung garantirt wurden. Wenn somit bei uns von einer antisemitischen Bewegung überhaupt die Rede wäre, so wäre dieselbe nicht gegen die Juden als solche, sondern gegen die Magyaren und die Förderer des magyarischen Chauvinismus gerichtet. Wir haben es für unsere Pflicht erachtet, dies unseren jüdischen Mitbürgern in ihrem wie in unserem Interesse zu sagen." Rußland. „Palästinensler" erwähnt, von welchem „in einem in der „Wochen-Chronik" des „W'schod" erschienenen offenen Briefe des Herrn Minz und Berljawsky" die Rede war. Gegen diesen Brief und seine Enthüllungen sind nun in Nr. 38 der „Wochen-Chronik" von Herrn M. Lilienblum und M. Kamjonsky und in Nr. 39 des „Raßwiet" Herr A. Gurewitz, Männer, die im besten Rufe stehen, aufgetreten und, wenn sie auch nichts Schlimmes den Herren Minz und Berljawsky nachsagen, so nehmen sie doch gegen deren Enthüllungen und Anklagen Herrn Rosenfeldt, mit dessen Thätigkeit in der Palästina-Angelegenheit sie vertraut sein sollen, in Schutz. Ich bedauere daher, daß ich jene „kompromittirende Enthüllung" auch nur im Vorübergehen erwähnt, und sie nicht ganz ignorirt habe. Amerika. St. Louis, 22. Septbr. (Privatmitth.) Wir erhalten von Herrn Rabb. Dr. Sonneschein unter obigem Datum folg. Schreiben, dessen Hauptstelle, weil charakteristisch für die Strömung im amerikanischen Judenthum, wir hier mittheilen: Mit Beginn des October übernehme ich die ständige und alleinige Redaktion der hies. Jewish Tribüne. Meinen seit Jahren verfolgten Principien getreu, werde ich dieses in vergrößerter Form herauszugebende Blatt zum, Organ des unangetasteten mosaischen Sabbath und der unvermischten jüdischen Familie erheben. Die verschiedenen Evolutionen der sogenannten radicalen Reform des Judenthums auf amerik. Boden sind endlich dahin gediehen, wo sie sich ihrer positiven Ziele klar und sicher geworden. Von dem Augenblicke an, wo die Amerik. jüdische Synode ins Leben tritt, und das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, wird' das Experimentiren und die Kurpfuscherei ein Ende nehmen. Die Organe des rigorosen Conservatismus sind, des langen Haders müde, aufrichtig geneigt, mit der nachgerade ebenfalls besonnener gewordenen neuen Schule gemeinschaftlich vorzugehen, und in den Dienst dieser Bestrebungen will ich die neue „Jewish Tribüne" stellen. Petersburg, 5. Oktober. Kaiser Alexander III. bestätigte, wie wir dem Petersburger „Golos" entnehmen, dieser Tage die Statuten des von dem bekannten jüdischen Millionär S. S. Poliakoff zum Andenken an den Kaiser AlexanderH. bei der Petersburger Universität gegründeten „Poliakoff- Kollegiums" für 100 Studenten — Stipendiaten des Stifters S. S. Poliakoff und 50 andere Studenten auf eigene Kosten. — Unser Petersburger Korrespondent ersucht uns um Abdruck folgender Erklärung: In meinem XIV. Petersburger Briefe, in welchem ich über Charakter und Wesen unserer „Palästinensler" sprach, habe ich im Vorübergehen kompromittirender Enthüllungen von der Thätigkeit des Herrn Rosenfeldt, Redakteur des „Raßwiet", als Repräsentant der Bonn, 15. Oktober. (Notizen.) Der Directvr der Hamburger Stadtbibliothek, Dr. Jsler, hat auf Versetzung in den wohlverdienten Ruhestand gebeten. Der treffliche und wissenschaftlich hoch gebildete Gelehrte ist 50 Jahre im Amte und 73 Jahre alt. Der Senat empfiehlt die Pensionirung mit vollem Gehalte von 7200 Mark. (Dr. Jsler ist auch der Verfasser der ausführlichen Lebensgeschichte Rießer's.) — In Kaiserslautern fand dieser Tage eine Gemeindeversammlung statt, in welcher beschlossen wurde, eine neue Synagoge mit einem Kostenaufwande von 230,000 Mark zu erbauen.