Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1882)
- Date
- 1882-10-24
- Page
- Seite 707 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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vom Jahre 1867, welches blos den christlichen Konfessionen die Vertretung im Landesschulrathe zUerkennt, was mit den Staatsgrundgesetzen und insbesondere mit dem allgemeinen Schulgesetze vom 25. Mai 1868 im flagranten Widerspruche steht, dahin zu ergänzen, daß auch die mosaische Confession durch einen Repräsentanten im Landesschulrath vertreten werde. Der Minister erwiderte, er sei von der Gerechtigkeit dieser Forderung ganz überzeugt und werde daher für die Abänderung des gedachten Gesetzes im Sinne der Gleichberechtigungs-Prinzipien warm einstehen. — Wir haben Berichte über die Jellinekfeier u. A. soeben erhalten und werden sie in nächster Nummer mittheilen. Pest, 8. Oktober. (Privatmitth.) Die ungarischen Blätter wimmeln jetzt täglich von Nachrichten über Krawalle in einzelnen Städten und Flecken, die sich theils als völlig unbegründet, theils als kaum erwähnenswerth erweisen. Jedes klirrende Fenster an dem Hause eines Juden und jedes Schimpfwort eines betrunkenen Lumps wird als ein Krawall ausposaunt. Es ist einmal den meisten Menschen zur Gewohnheit geworden, sich mit einem kleinen Nebel nicht zu begnügen, sondern nach recht großen anszuschauen. Die Sache hat ihre Übeln Seiten. Denn einerseits werden dadurch Schrecken und Angst verbreitet und das Land in einem Zustande geschildert, in welchem es sich gar nicht befindet, anderntheils wird die Ungläubigkeit, für dergleichen Berichte so allgemein, daß man in einem wirklichen Nothfalle rasche Maßregeln unterlassen wird. Ebenso setzt man voraus, daß in dem eben eröffneten Reichstage sehr stürmische Auftritte über die jüngsten Vorgänge stattfinden werden. Wir hoffen jedoch, daß die Abgeordneten Klugheit, Mäßigung und Patriotismus genug besitzen werden, um diese Dinge kühn, besonnen und entschieden abzuwickeln und jede Ausschreitung in die gebührenden'Schranken zurückzuweisen. Was sollen auch die vielen Reden, wo es gilt, die verworrenen Zustände des Reiches zu bessern und zur Klarheit und Sicherheit zu bringen. Gerade in Ungarn kann den Juden am wenigsten zum Vorwurf gemacht werden, dem nationalen Geist und den nationalen Bestrebungen fern geblieben zu sein. Das „W. T. Bl." sagt hierüber: „In Ungarn haben die Juden stets unzweifelhafte. Proben ihrer nationalen Gesinnung gegeben; sie waren die eifrigsten Anhänger Kossuth's und in späterer Zeit allerdings auch die enthusiastischsten Verehrer Franz Deak's. Wer nicht absolut einer Verleumdung sich schuldig machen will, kann den Juden in Ungarn nicht die nationale Gesinnung absprechen. Die äußerste Linke entschlägt sich jedoch aller Rücksichten, und sie, die mit ihrem Glaubensbekenntnisse stets an den Namen Kossuth anknüpft, läßt es völlig unbeachtet, daß Kossuth den Antisemitismus auf das Schärfste verurtheilte. Es liegt eben in der Weise der Antisemiten, gegen die höchsten geistigen Autoritäten eine brutale Verachtung zur Schau zu tragen. Die deutschen Antisemiten haben das bewiesen, indem sie sogar dem Andenken Lessing's den Tribut der Verehrung verweigern; warum sollten die ungarischen Antisemiten mit den großen Männern ihrer Nation anders verfahren." Am auffälligsten ist seit einem Jahre, das Verhalten der „äußersten Linken." Allerdings der Präsident des Klubs der äußersten Linken im Reichstage, Mocsary, veröffentlicht einen Brief an die Arader äußerste Linke, worin erklärt wird, die äußerste Linke sei keine antisemitische Partei, sei nicht verantwortlich für die Ausschreitungen Einzelner, und wenn in dem Reichstage die Zurücknahme der Emanzipation vorgeschlagen würde, werde die Partei sicherlich, ihrer Tradition treu bleibend, dagegen stimmen. Diese Erklärung verfolgt offenbar den Zweck, in Arad, wo nächstens ein Abgeordneter zu wählen ist, unter den Juden Propaganda zu machen, damit dieselben nicht gegen den Kandidaten der äußersten Linken stimmen. Aber abgesehen hiervon ist es schon bedeutsam, wenn eine Partei, welche die Prinzipien der Freiheit auf ihre Fahne geschrieben, sich genöthigt sieht, eine solche Erklärung abzugeben, — Aus Preßburg schreibt man: Der Gerichtshof hat im Einvernehmen mit dem Untersuchungsrichter Josef v. Zsabokrßky und dem Staatsanwalte Leo v. Zsitvay beschlossen, über die gepflogene Untersuchung gegen jene Personen, welche, an den jüngsten Jüdenkrawallen theilgenommev haben, den Joürnalen keinerlei, wie immer geartete Mittheilungen zu geben. Es geschah dies mit Rücksicht auf die traurigen Erfahrungen, welche der Gerichtshof von Nyiregyhäza in der Tißa-Eßlürer Affaire machte. Jeder Gerichtsbeamte, welcher trotz dieses Verbotes den Journalen Mittheilung zukommen läßt, wird in Disziplinär-Untersuchung gezogen, Gerichtsdiener aber, die das Verbot auch nur einmal außer Acht lassen, werden sofort entlassen. — Die Voruntersuchung gegen den Glasermeister Frühwirth ist bereits beendigt und sind die Akten dem hiesigen Gerichtshöfe übergeben worden. Die Staatsanwaltschaft soll beabsichtigen, gegen Frühwirth die Anklage wegen des Verbrechens der Aufwiegelung zu erheben. — Bis gestern (Dienstag) Nachmittags um 4*/2 Uhr sind beim Kommissär des Stadthauptmann-Amtes, Stefan v. Bacho, 40 solche Schadenanmeldungen, welche sich auf die anläßlich der in Preßburg stattgefundenen Judenkrawalle vernichteten Werthe beziehen, eingereicht worden. Die angemeldete Schadensziffer beläuft sich auf beinahe 10,000 fl. — Aus dem Bericht des Vicegespans Schott, geht hervor,' daß in den 300 Gemeinden und fünf Städten des Comitates an 17 Orten Unruhen vorgekommen sind, in drei Städten und drei Gemeinden Waffengewalt angewendet, in den übrigen aber die Ordnung durch die Behörden und die Bewohner wieder hergestellt wurde. 42*