Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1882)
- Date
- 1882-10-24
- Page
- Seite 706 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- -' ' 706 berichten deshalb nichts mehr darüber und so deckt sich allmählig der Staub der Vergessenheit darauf. Allerdings streuen noch einige heißblütige Konservative in ihren Wahlreden derartige rothe Funken aus, aber nur zur Zierrath, nicht mehr mit Ernst und Nachdruck. Man hofft deshalb,» daß auch in Ungarn die antisemitische Hetzerei jetzt nach den Ausschreitungen in Preßburg ihren Rückgang antreten werde. Aus ganz zuverlässiger Quelle wird uns berichtet, daß, sowie die Excesse in Preßburg begonnen hatten, der Kaiser Franz Joseph den Ministerpräsidenten Tißa sofort aufgefordert habe, die Aufläufe mit aller Strenge zu unterdrücken; was denn auch geschah. — Eine Ueberraschung war uns Vorbehalten: in den hiesigen Buchhandlungen wurden vorgestern alle vorräthigen Exemplare der Broschüre „Zur Emancipation unserer Glaubensgenossen" von Joseph Ritter vou Wertheimer, Präses der israelitischen Allianz zu Wien (Wien 1882), beschlagnahmt. Der Grund kann nur in der Empfindlichkeit gegen die Beschuldigung antisemitischer Tendenzen liegen. Berlin, 16. Oktober. (Privatmitth.) Das hiesige „deutsche Central-Komits für die russisch-jüdischen Flüchtlinge" hat seinen 4. Monatsbericht (Aug. und Septbr.) ausgegeben. Derselbe verbreitet mehr Licht über den Gang der Dinge, und wir geben ihn deshalb wieder. Er lautet: „Die Thätigkeit des Unterzeichneten Komitäs während der letzten beiden Monate erstreckte sich wesentlich auf die im letzten Monatsberichte näher dargestellte Beförderung der aus Amerika und England zurückkehrenden Flüchtlinge in ihre Heimath. 7 Nach den Berichten aus New-Aork war unter den dort und in anderen Orten Amerikas weilenden, aber noch nicht zu einer regelmäßigen Beschäftigung gelangten Flüchtlingen ein allgemeiner Drang zur Rückkehr entstanden, und in Folge dessen mehrten sich die Rückzügler. Da die Rückkehr jedoch zum Theil nicht in Bewindung mit den festländischen Komitäs erfolgte, dies aber große Härten für die Beförderten mit sich führte und Unregelmäßigkeiten aller Art zur Folge haben konnte, so übernahm es unser Mitglied Herr Ludwig Löwe nach Paris und London zu gehen und dort dahin zu wirken, daß die Rückbeförderung nur in Verbindung mit den KomitSs erfolge, und daß Mittel bereit gestellt würden, um die Emigrant Aid Society in den Stand zu setzen, die Ausgewanderten möglichst in Amerika zu behalten. Den getroffenen Abreden zufolge, bei welchen das New-Iorker Konnte durch Herrn Lauterbach vertreten war, sollten die Komitss zu Berlin, Paris und London ein jedes 50,000 Francs nach New-Iork behufs Erhaltung und Unterbringung der Flüchtlinge senden. Ein weiterer beträchtlicher Beitrag war außerdem von Paris aus zugesagt worden. Wir erfüllten unsere Verpflichtung gegenüber New-Iork, und erhielten von dort die Depesche -will conform to Lauterbacli’s engagements. refuse passage tickets in all cases, so daß von jetzt ab nur noch Flüchtlinge aus Amerika zurückkehren werden, welche auf eigene Kosten reisen oder von anderen amerikanischen Komitss zurückgesandt werden. Auf den Wunsch der Pariser Alliance veröffentlichten wir eine Bekanntmachung, in welcher wir wegen der vorhandenen Schwierigkeiten dringend von der Rückkehr abmahnten und ersuchten das New-Aorker Komits um deren Verbreitung in Amerika. Es ist nach Lage der Sache zu hoffen, daß die Rückkehr der Expedirten aus Amerika binnen Kurzem ganz aufhören oder auf ein Minimum sich beschränken wird, zumal schon jetzt die Abnahme offensichtlich ist. Nach den letzten aus Brody uns zugegängenen Mittheilungen-sind dort noch 1300 Flüchtlinge und es wird mit deren Repatriirung fortgefahren. Ueber einige hundert derselben wird jedoch eine andere Verfügung nothwendig sein, welche nach den Wiener Beschlüssen dem Wiener Komits obliegt. Fassen wir zusammen, so ergiebt sich, daß das Hilfswerk für die russischen Flüchtlinge sich seinem Ende naht und daß in mäßiger Frist' mit der Beendigung der gestellten Aufgabe die Auflösung des Unterzeichneten Komitss wird erfolgen können."-- - , ' Was den Kassenverhalt vom 1. Mai — 30. Septbr. betrifft, so war die Einnahme Mk. 642,274; davon blieben übrig Mk. 161,291. Unter den Ausgaben befindet sich ein „Kindererziehungsfonds" von Mk. 106,000; für Repatriirung Mk. 102,129. — Oesterreich-Ungarn. Wien, 6. Oktober. Das Gesetz zur Regelung der Verhältnisse der jüdischen Kultusgemeinden in Oesterreich, welches bereits seit mehreren Jahren im Kultusministerium ausgearbeitet liegt, wird in dieser Session des Reichsraths behufs parlamentarischer Behandlung eingereicht werden. Dieser Gesetzentwurf umfaßt zunächst eine Reihe von Bestimmungen, welche die Bedingungen für Errichtung und Aufhebung jüdischer Kultusgemeinden festsetzen. Durch dieses Gesetz, soll den seit Jahren dauernden ungeordneten Verhältnissen bezüglich der Konstituirung vieler Judengemeinden ein Ende gemacht werden. Wien, 8. Oktober. Die Haltung der österreichischen Minister in der Judenfrage bleibt eine correcte. Vorgestern erstattete der Minister für Galizien, von Ziemialkowski, in Drohobycz (Galizien) seinen Wählern Bericht über seine Thätigkeit als Landtagsabgeordneter. Nach seiner mit Beifall aufgenommenen Rede interpellirte Bernhard Goldberg den Minister, ob er nicht geneigt sei, die geeigneten Schritte im Landtage zu ergreifen, um das Landesschulrath-Regulativ