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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-24 · Heft 43 (24.10.1882) · p. Seite 705

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 43 (24.10.1882)
Date
1882-10-24
Page
Seite 705 (sequence 9)
Language
German
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Literarischer Wochenbericht. Bonn, 11. Oktober. Von der Autografia di 8. D. Luzzatto (Padova, Crescini 1882), über welche wir bereits Iahrg. 1880, S. 379 referirt haben, und die bis 1845 reicht, sind jetzt die Schlußbogen erschienen, welche mehrere ergänzende Aufsätze und eine genealogische Tabelle über die für die jüdische Literaturgeschichte wichtige Familie Luzzatto enthält. Abermals hat hierdurch Dr. Jesajas Luzzatto seinem Vater ein würdiges Denkmal errichtet. — Von der bereits früher besprochenen, unter dem Titel “no^nn er''non hy "jmon von Rabb. Abraham und Wilhelm Singer erschienenen „talmudischen Blumenlese für den ersten Unterricht im Talmud" ist soeben der zweite Theil ausgegeben (Preßburg, Selbstverlag, 1882). Seinem Titel gemäß, ist dieses Werk nicht etwa eine „Blumenlese" talmudischer Stellen oder Sentenzen, -sondern eine methodisch und systematisch geordnete Chrestomathie mit Raschi-Kommentar und ausgewählten Tosafot und mancherlei nützlichen Zusätzen, um nach neuerer Methodik einem gründlichen ersten Unterricht im Talmud zu Grunde gelegt zu werden. Es wird durch dieses Werk ein wirkliches Bedürfniß befriedigt, so daß zu einem ernsten Studium des Talmuds der Weg geebnet worden. — Wir machen unsre Leser auf ein eben begonnenes größeres Werk aufmerksam , welches nach vielen Richtungen hin sehr nützlich verwendet werden kann: Neumann's Geographisches Lexikon des Deutschen Reichs. Mit Ravenstein's Spezialatlas von Deutschland, vielen Städteplänen, statistischen Karten und mehreren Hundert Abbildungen deutscher Staaten- und Städtewappen. Komplet in 40 Lieferungen (Leipzig, Bibliographisches Institut, 1882). Das Lexikon wird über 40,000 Namen enthalten, nämlich alle Orte mit mehr als 450 Einwohnern und kleinere Orte, sofern in denselben eine Verkehrsstation, eine Pfarrkirche, ein großes Gut, eine nennenswerthe Industrie u. s. w. vorhanden ist. Jedem einzelnen Orte ist eine Angabe aller der öffentlichen Aufmerksamkeit wichtigen Gegenstände beigegeben, so daß ziemlich Jeder das Wünschenswerthe erfahren kann. Das Buch dient also zum Nachschlagen als geographischer Nothbehelf betreffs Deutschlands. Was für unser spezielles Interesse wichtig ist: für jeden Ort, groß oder klein, wird die Einwohnerzahl auch nach den Konfessionen auf Grund der Volkszählung von 1880 genau angegeben. Wir sind deshalb durch dieses Werk im Stande, uns über die Seelenzahl jeder jüdischen Gemeinde zu unterrichten. Es liegen uns die ersten vier Lieferungen vor, welche die beiden ersten Buchstaben umfassen, und ziehen aus denselben folgende Angaben: Aachen zählt, 1091 Juden, Altona 1929, Augsburg 1031, das Herzogthum Anhalt 1752, das Großherzogthum Baden 27 278, das Herzogthum Braunschweig 1388, die Stadt Braunschweig 406, das Königreich Bayern 53 530, Berlin 53 949, Breslau 17 543, Beuthen i. O.-Schl. 2185, Bromberg 1889, Bamberg 1269, Baireuth 357, Bonn'572, Bremen 570 Bielefeld. 653, Bochum 617, Bernburg 344, Fürstenthum Birkenfeld 677. — Der bekannte antisemitische vr. Dühring hat wieder eine Schrift losgelassen: „Ersatz der Religion durch Vollkommeneres (ein sehr philosophischer Ausdruck!) und die Ausscheidung alles Judenthums durch den modernen Völkergeist." (Dühring hat diesen Geist als Homunculus unter seinem Mikroskop gehabt!) Wir glauben mit dieser neuen Mache des vielschreibenden Autors uns nicht weiter beschäftigen zu sollen. Eine Jdentifizirung der „Religion" mit dem Judenthum kann uns nur willkommen sein. Die Verbesserungs- und Beglückungstheorien der neuesten Stubenhocker gegenüber den weltgeschichtlichen Erscheinungen im Menschengeschlechte sind nachgerade außer Beachtung gekommen. — Moses Mendelssohn. Ungedrucktes und Unbekanntes von ihm und über ihn. Bearbeitet und herausgegeben von M. Kayserling. (Leipzig,'Brockhaus, 1883.) Es sind vorzugsweise Briefe Mendelssohn's, meist bis jetzt ungedruckte oder doch nur unvollständig bekannte, welche uns hier als eine Nachlese zu den gesammelten Schriften und der Biographie des unsterblichen Denkers und Schriftstellers geboten werden. Namentlich ist es eine Reiße von Zuschriften an jüdische Männer, welche der emsige^Forscher und Sammler uns hier vorführt, wie Jakob Emden, H. Ullmann , N. L. Rosenthal, Avigdor Levi, Pinchas und Moses Fischer u. s. w., wobei die interessanten Verhältnisse, in denen M. mit ihnen stand, vom Herausgeber in kundiger Weise erörtert werden. Wir begnügen uns hier mit diesen Andeutungen, um vom Leser dem Schriftchen das volle Interesse entgegenbringen zu lassen. Deittschländ. Berlin, 15. Oktober. (Privatmitth.) Trotz allen Bemühungen ist es weder Stöcker noch Henrici gelungen, den Antisemitismus zu. den, in dieser Woche bevorstehenden Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause wieder in Fluß zu bringen und als ein Moment von auch nur geringster Bedeutung in die Wagschale zu Wersen. Sie haben wohl kleine Parteiversammlungen gehalten; aber das große Publikum hat jedwedes Interesse daran verloren, die großen Zeitungen

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