Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-24 · Heft 43 (24.10.1882) · p. Seite 702

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 43 (24.10.1882)
Date
1882-10-24
Page
Seite 702 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227437--40291-3257921
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Garantien bieten würden dafür, daß solche bedauerliche Ordnungsstörüngen^ sich nicht wiederholen werden und daß/ inwiefern sie ' sich "doch wiederholen sollten / deren Unterdrückung' auch' ohne solche außerordentliche, das ordentliche und ' legale- Vorgehen aufhebende Maßregeln ' ermöglich? werden' wird? '' ' ' ' ' ' Auf diese' 'wortreiche und geistesarme Anfrage schloß .^nöd^Äe^seinige^AN>''welche,^ nachdem er in unverschämter Weise' gegen 4en Oberstaatsanwalt losgefahren, so daß ihn der Präsident unterbrach und zurechtwies, so lautete: „Hat der Herr-Jüstizniinister Kenntniß von dem auch in mehreren Nummern des „Függ." ventilirten Umstandedaß der im Tißa-Eßlarer Kriminalprozeffe mit Umgehung der kompetenten Nyiregyhäzaer kön^ Staatsanwaltschaft zur Leitung der stäatsantvaltlichen Agenden" entsendete Staatsanwalt des kön. Gerichtshofes für' den Pester Landbezirk, Emerich Havas ein untergeordnetes Organ zu falscher Zeugenschaft gegen den Untersuchungsrichter zwang? '' Wenn er davön^ Kenntniß hat, hat er Verfügungen getroffen daß'der die Funktion des öffentlichen Anklägers so mißbrauchende ^Staatsanwalt, bis er im ordentlichen Rechtswege zur Verantwortung" gezogen werden kann, von der ferneren- Leitung'der staatsanw ältlichen Agenden in diesem Strafprozesse enthoben werde?" ' ' "Zur Kenntzeichnung dieses Onody wollen wir doch beiläüfigbemexkön, daß er in Dresden den abscheulichen Humbug so' weit 'trieb, das Bild einer notorischen .Dirne aus Eßlar für ein Portrait der ermordeten Esther Solymossh auszugeben — merkwürdiger Weise mit Zustimmung der Mütter dieser letzteren, und gestern,im Hause, um Stimmung zu machen/ eine Gruppen-Photographie circuliren ließ, worauf die,'Esther in der Eßlarer Synagoge von einem Schächter und/drei ändeten Israeliten rituell abgeschlachtet wird. ' Hingegen' erlhöb ' sich Ludwig Csernatony: „ Ich habe eine ^nter^ellaüon an den Herrn 'Minister des Innern zu richten! In der Begründung derselben könnte ich mich auf Dasjenige Hschramkn, was' mein Herr Vorredner erzählt hat. Das geehrte' Haus wird darüber ür'theilen können'! ob jene Interpellation ünb jene Rede, die wir soeben gehört, nicht genügen^"'uck mich zur Einreichung meiner Interpellation zu veranlassen und doch hätte ich davon im voraus "keine Kennönß.^! ' . Meine Interpellation lautet: 2 ' .^Ftttg^ärr'den Herrn Minister-Präsidenten:-'-' ' ' Jnl^' Hinblick'' auf'die Wühlereien, welche sich mit der sö genannten Trßa. Eßlarer Äffaire identifizirt haben ' und im Hinblick^ auf die? allgemein' bekannten Thatsachen, daß jene Wühlereien fick auch' gegen' die Vertheidiger der in der Tißa- Eßlarer ^Affaire^ inhaftirten' - -Personen gerichtet haben und durch ^'Berhächtigüng' der- Thätigkeit der Staatsanwaltschaft die-Gefühle des Volkes fortwährend aufzüreizen streben: frage ich den Minister des Innern,- ob er Nyiregyhäza für einen Ort hält, wo die volle Freiheit der 'Verteidigung der Angeklagten und die unparteiische Würde der Rechtspflege vor^ jedem Ausbruche der durch die Wühlereien - aufgereizten Gemüther sicher sein können?" (Schluß folgt.) Der Galhische Landtag. Auch im galizischen Landtage bildete gestern die sogenannte Judenfrage den Gegenstand einer lebhaften Verhandlung. Namens der Verwaltungs-Kommission referirte nämlich Abgeordneter Wolfahrt über den Antrag Merunowicz' wegen Revision der die jüdische Bevölkerung betreffenden Gesetze. Die Kömmission, die bekanntlich auf die Vorschläge Merunowicz' nicht einging, hat dem Landtage folgende Motion zur Annahme empfohlen: Der Landtag fordert die Regierung auf, dieselbe möge im geeigneten Wege eine durchgreifende Reform der , konfessionellen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung herbeiführen und insbesondere auf eine derartige Organisation der Kultusgemeinden hinwirken, daß aus dem Wirkungskreise dieser Gemeinden -und ihrer Vorstände Alles ausgeschieden werde, was die Sphäre der bürgerlichen und Verwaltungsgesetze tangirt. Der Abgeordnete der Stadt Brody, Dr. Zucker, ergreift zuerst das Wort, um zu erklären, daß er mit dem vorliegenden Kommissions-Anträge, der sich ganz anders präsentirt, als es gerade Merunowicz haben wollte, vollständig einverstanden sei und daher für denselben stimmen werde. Dr. Zucker, der von sämmtlichen Abgeordneten umringt und dessen Rede mit gespanntester Aufmerksamkeit angehört wird, widerlegt einzelne Behauptungen, die Merunowicz bei Begründung seines judenfeindlichen Antrags aufgestellt hat. Merunowicz ■ habe ftdj wiederholt auf gewisse Privilegien der jüdischen Bevölkerung berufen und demgemäß das Schlagwort: „Gleich-. berechtigung mit den Juden" ausgegeben. Welche Privilegien' sind es aber — fragt der Abgeordnete von Brody, — die so den Neid Merunowicz' erwecken? Das josefinische Toleranz-. Edikt, auf das Merunowicz verweist, bestimmt ja gerade, daß die Juden und ihre Gemeinden keinerlei Sonderstellung einnehmen sollen. Die jüdischen Kultusgemeinden haben auch seit jener Zeit bloß eine rein religiöse Bedeutung.' Vom sogenannten übertragenen Wirkungskreise blieb diesen Körperschaften einzig und allein das Recht, Ärmuths- und Moralitäts-Zeugnisse auszustellen; im Uebrigen befassen sie sich nur mit Kultus- und Humanitäts-Angelegenheiten. Nichtsdestoweniger wird der Fortbestand dieser Organisation der Judengemeinden von gewisser Seite zum Gegenstände unausgesetzter Angriffe gemacht, während man gegen eine gleich-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.