Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1882)
- Date
- 1882-10-17
- Page
- Seite 692 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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692 die intellektuelle Urheberschaft aller jener barbarischen Exzesse von dem Haupte dessen abwehren, dem sie in der That zufällt. An M sind Ke aber auch unwahr, da die Vorgänge in Preußen und. Homjnern noch in Jedermanns Erinnerung sind. Die „Lib.CorresP." sagt zu obiger Auslassung Stöckers: „Das sagt Herr Stöcker, dessen Hand noch warm ist von dem Drück der Jstoczy, Onody und Simonyi auf dem Dresdner Antisemitenkongresse, der ungarischen Parteigenossen, welche im eigenen Lande die Deutschen bis aufs Blut verfolgen und in Deutschland von den Vertretern des Teutonenthums mit Jubel begrüßt werden. Mord, Brandstiftung und Plünderung, wie sie neuestens in Preßburg geübt worden sind, sagt der Hofprediger, können bei uns gar nicht Vorkommen. Was mag wohl der preußische Minister des Innern, Herr v. Puttkamer, der dem Vortrage des Herrn Hofpredigers in einer Loge gelauscht haben soll, sich gedacht haben bei der Erinnerung an die Thatsache, daß er vor kaum Jahresfrist genöthigt gewesen ist, die preußischen Behörden zu informiren, welche Maßregeln sie zu ergreifen hätten, um den Judenhetzen in Pommern und Westpreußen ein Ende zu machen. Das war doch, so zu sagen, „bei uns." Oesterreich-Ungarn. Wien, 1. October. Der Ministerialrath Jekel-Falussy traf gestern in Preßburg zur Verhütung neuer Excesse ein. Energische Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen. Um 6 Uhr wurden alle Kneipen, um 7 Uhr alle Kaffeehäuser geschlossen. Nach 7 Uhr war jede Zusammenrottung von mehr als 5 Personen verboten. Mit Dunkelwerden rückten drei Batallione Infanterie und zwei Escadronen Kavallerie aus, welche alle wichtigen Plätze in der Stadt und die Zugänge vom Lande besetzten. Diese Maßnahmen genügten zur Erhaltung der Ruhe. Wien, 6. October. Das Organ der czechischen Abgeordneten in Mähren, die „Morawska Orlice", droht in einem Artikel über die Antisemitenbewegung den mährischen Juden, daß für den Fall, als die Juden auch ferner die deutsche Partei unterstützen sollten, die Czechen einen Selbstschutz, wohl in den Grenzen des Gesetzes, aber in der wirksamsten und entschiedensten Weise organisiren werden. Auch die Olmützer czechischen Blätter erklären, die einzige Sicherheit der Juden in Mähren vor Verfolgungen bestünde darin, daß sie sich mit der czechischen Partei vereinigen. Diesen Rath mögen, so sagt eines derselben, die Juden um so sorgfältiger beachten, als von Preßburg. nach Mähren nicht so weit ist. Es ist nothwendig , daß man von derlei Aeußerungen Notiz nehme, damit man für alle Fälle wisse, von welcher Seite die Hetzereien und Drohungen ausgehen. Wien, 7. October. Im niederösterreichischen Landtag legte der Abgeordnete Ritter v. Schönerer, der bekannte Antisemit, eine Petition um Regelung der Judenfrage vor. Der Abg. Weitlof stellte den dringlichen Antrag, über diese Petition zur Tagesordnung überzugehen, damit der Unwille des Landtags sofort zum Ausdruck komme. Der Antrag Weitloss wurde mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. Preßburg, 2. October. Auch gestern sind keine weitern Ruhestörungen vorgekommen. Der Minister des Innern hat an die Behörden der Stadt einen strengen Erlaß gerichtet, in welchem er dieselben auffordert, den von der Regierung entsandten Kommissar auf das wirksamste zu unterstützen und die Durchführung der Anordnungen desselben ohne Verzug zu bewerkstelligen. Preßburg, 3. October. (Privatmitth.) Die „Preßburger Zeitung" giebt eine ausführliche Beschreibung des am 28. Septbr. stattgefundenen Krawalls gegen die Juden. Die Einzelnheiten haben nichts Besonderes, und gleichen denen an anderen Orten und in früheren Zeiten. Man wirft zuerst die Fenster ein, zertrümmert dann Läden und Thüren, dringt ein, zerschlägt die Möbel, Plündert und raubt dabei ganz wacker und säuft dabei in den Schnapsläden; die Polizei ist ohnmächtig, das Militär rückt an, Verwundungen und Verhaftungen finden statt und der Pöbel zerstreut sich, um in einer anderen Straße wieder anzufangen.. Was jedoch hier zu bemerken war, ist, daß der Exceß den ganzen Tag vorbereitet wurde; Lehrlinge und Tagelöhner häuften auf den Straßen Steine an und der Pöbel brachte Steine in den Taschen mit; auch verhöhnte man schon am Vormittage die Wachmänner mit dem, was Abends Vorgehen sollte. Dennoch waren von Seiten der Stadtbehörden keine Vorsichtsmaßregeln getroffen, und erst nachdem fast ein ganzes Viertel demolirt war und der Pöbel sich gegen die Synagoge wälzte, erscholl das Alarmblasen und rückte das Militär heran. Daraus erklärt sich auch der harte Ton im Erlaß des Ministerpräsidenten an den hiesigen Bürgermeister, durch welchen dieser für jede weitere Unruhe verantwortlich gemacht wurde. Einige ernste Maßregeln und die Ruhe wurde nicht, wieder gestört. Jetzt beginnt nun die gerichtliche Untersuchung, da über 50 Verhaftungen stattgefunden, denen sich der Pöbel oft genug widersetzte. Sicher ist, daß Geld unter den Lehrjungen vertheilt worden. Natürlich hielten sich die eigentlichen Urheber im Verborgenen zurück und werden so straflos ausgehen. Frankreich. Bonn, 8. Oktober. (Privatmit.) Das Sekretariat der Alliance isr. univ. theilt uns die Trauerkunde mit, daß Herr Charles Netter am 2. Oktober in der israelitischen landwirthschaftlichen Schule bei Jaffa, die er inspiziren wollte, verschieden ist. Wer die Verdienste dieses Mannes, namentlich um alle Bestrebungen der Alliance, und insbesondere