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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-17 · Heft 42 (17.10.1882) · p. Seite 690

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 42 (17.10.1882)
Date
1882-10-17
Page
Seite 690 (sequence 10)
Language
German
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finders einnimmt, von Wichtigkeit ist. — Wir hatten schon früher Veranlassung, die Pietät anerkennend hervorzuheben, mit welcher sich Dr. Jesajas Luzzatto der Sammlung und Herausgabe der hinterlassenen Schriften. und Manuscripte seines ruhmreichen Vaters, des sel. Prof. S. D. Luzzatto widmet. Auch iheilten wir mit, daß er gegenwärtig mit der Veröffentlichung der (hebräischen) Briefe seines Vaters beschäftigt ist und daß dieselben von Eisig Gräber in Przemysl herausgegeben werden. Es liegen, uns jetzt 2 Bände in bester Ausstattung vor. Nach einer gutgeschriebenen Einleitung des Prof. Dr. David Kaufmann beginnen die Briefe, der älteste vom 27. März 1812, die ersten an seinen Vater und seine Tante gerichtet, welche die Geistesgewandheit des 12 und 13 jährigen Knaben bezeugen. Mit Nr. 6. aus dem Jahre 1818 beginnt eine lange Reihe von Briefen an I. S. Reggio,, an Lolli, Almanzi, Morpurgo, Lattes, Randegger und einige Andere bis zum Jahre 1829. Diesem ersten Bande ist eine Uebersicht von Dr. Kaufmann hinzugefügt, welche bei dem zweiten weggeblieben und erst dem fünften zugegeben werden soll. Der zweite Band beginnt mit Briefen . au Rapoport, Goldenberg, Schorr und andere und reicht bis in das Jahr 183b. Der Inhalt dieser Briefe ist durchaus höchst interessant unh mannichfaltig. Grammatikalische, exegetische, dogmatische und philosophische Stoffe werden, meist in gründlicher Weise und flüssiger Form behandelt.. Wenn auch Luzzatto in seinen späteren Schriften manche Ansicht, die er in diesen Briefen niedergelegt, modifizirt und corrigirt hat, so bieten diese Briefe doch die mannichfaltigsten Ergänzungen und vervollständigen die Vorstellung, die wir von den Meinungen und der Anschauungsweise des verdienstvollen Forschers haben. Die Stellung, die L. im Ganzen einnahm, war insofern eigenthümlich, als er der h. Schrift mit strenger Gläubigkeit, der Tradition hingegen kritisch gegenüberstand und für die späteren Rabbinen nichts von Autoritätsglauben hatte, selbst nicht für Maimonides, gegen den er schwere Anklagen erhob, die wir in einer früheren Abhandlung in diesem Blatte zu entwaffnen versucht haben. Für das jüdische Schriftthum und die neuhebräische Sprache ist diese Briefsammlung von Werth, wenn wir auch bedauern, die Anworten der bedeutendsten Männer, an welche diese Briefe gerichtet sind, nicht ebenfalls zu erhalten, wenigstens die gehaltvollsten derselben. — Pest, 1. Oktober. Die trüben Zeitverhältnisse treten jetzt in einem jüdischen Blatte so sehr in den Vordergrund, daß für literarische Nachrichten wenig Raum bleibt und müssen wir uns heute auf einige kurze Anzeigen beschränken. Von dem hebräisch-russischen Kalender, welchen Herr Hofrath I. Gurland, jetzt in 'Odessa, seit mehreren Jahren herausgiebt, ist der 6. Jahrgang, für das Jahr 5643 n, E. d. W., erschienen. Derselbe enthält, außer dem Kalender für die Juden und für die Karäer, mehrere schätzbare Beiträge, wie die hinsichtlich der russischen Juden in den jüngsten beiden Jahren erlassenen kaiserlichen Gesetze und Verordnungen, eine Geschichte der Schule und der Wohlthätigkeitsanstalten in Odessa, eine Ehrenhalle und Nekrologie und eine sehr dankenswerthe hebräische Bibliographie des jüdischen Kalenderwesens, deren Fortsetzung wir erwarten. — Von dem greisen Oberrabbiner H. B. Fasset in Groß-Kanischa ist die Festrede, welche er am 18. August d. I., dem Geburtstage des Königs, gehalten hat, unter dem Titel: Bete für das Wohl des Regierenden! im Druck, erschienen und der-ganze Ertrag derselben zu einem wohlthätigen Zwecke bestimmt. Wir wünschen der patriotischen Rede des wohlthätigen Zweckes willen weite Verbreitung. — Von der vorzüglichen ungarischen Uebersetzung der Gebete des Herrn Heinrich Deutsch, Direktors der hiesigen Präparandie, ist bereits die 4. Auflage erschienen. — Ueber die auch von uns angezeigte neueste Schrift des Herrn Landrabbiners Dr. I. Landsberger in Darmstadt »Jggereth Baale Chajjim" spricht sich Herr Prof. Fleischer sehr lobend aus; derselbe hält die Bemerkungen des Uebersetzers bezüglich des arabischen Textes für sehr interessant und wichtig. Dr. Kayserling. - Deutschland. Berlin, 1. Oktober. Daß der Wind von'oben her anders weht, dafür giebt neuerdings der'Artikel eines offiziösen Correspondenten in den „Grenzboten" einen offenbaren Beweis. Die „Grenzboten" gehörten 1881 zu den Blättern, welche den Judenhaß in heftigster Weise predigten, was um so mehr in betrübender Weise wirkte, als die Verbindung dieser Zeitschrift mit den maßgebenden Kreisen allgemein anerkannt war. Jetzt ereifert sich in ihr ein offiziöser Correspondent gegen die Agrarier und den agrarisch-konservativen Fanatismus betreffs des beweglichen Kapitals. Er sagt unter Anderem: „Die blinde Parteiwuth vermag sich nicht vorzustellen, daß sie sich in das eigene Fleisch schneidet, denn wer wäre heute nicht mit dem beweglichen Kapital verflochten, von den Reihrn des Grundbesitzes bis in die Reihen der Armnth hinein? Um dem Haß ein recht deutliches und aufregendes Objekt zu geben, hat man die Bewegung gegen die Juden mit dem Ansturm auf das bewegliche Kapital verbunden. Man nennt dies Konsequenz, denn die

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