Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1882)
- Date
- 1882-10-17
- Page
- Seite 688 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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wehr- Haupkmann v. Meißl und den Gerichtsnotär dingfest gemacht und arrretirt. Im Verlaufe der stürmischen Nacht arretirte man auch einen dritten dieser Herren, — Beweis genüg, daß die Bewegung durch Emissäre angefacht und inszenirt wurde. Nach Arretirung dieser Herren, deren Kumpane weiterhetzten, sichergemacht durch die telegraphische Berufung der hiesigen Dragoner nach St.-Georgen, rottete sich Plötzlich massenhafter Pöbel, verstärkt durch Zuzügler der Nachbarorte zusammen, schrie und heulte auf dem Hauptplatze und in dessen angrenzenden Gassen, tobte und warf dabei viele Fenster der Juden mit großen Steinen ein. Die Szene war wirklich schreckenerregend. Kein Mann Militär zur Hand, nur das vom Wuthgeheul unterbrochene Fensterklirren und Drohungen waren vernehmbar. Trotz des anfangs gütlichen Zuredens des Feuerwehr-Hauptmanns v. Meißl und des Bürgermeisters, trotz der mit Energie durchgeführten zahlreichen Verhaftungen durch die Feuerwehr tobte der Volkshaufen fort und zerstörte weiter bis 91/2 Uhr. Da endlich nahm man im Galopp heransprengende Dragoner wahr, die auf die Urgenz des Bürgermeisters herbeieilten und nach sekundenlanger Berathung mit den anwesenden Civilbehörden unter dem Kommando eines Offiziers den Platz im Sturme säuberten. Der Haufe floh nach allen Richtungen, einzelne Piquets Dragoner setzten ihm nach, die Widerstehenden wurden auf der Straße verhaftet. Leider floß auch ziemlich viel Blut; der Verwundeten gab es viele, auch ein Dragoner wurde verletzt, und ein Mann fiel sammt dem Pferde in den Bach. Noch längere Zeit verfolgten die einzelnen Piquets den Pöbel bis um 11 Uhr. Nach oftmaligem Patrouilliren war die Ruhe wieder ganz hergestellt und wurde auch während der übrigen Nacht nicht wieder gestört." Demselben Blatt meldet man von Wartberg aus der Nacht vom Samstag zum Sonntag: Heute spielte sich hier eine ähnliche Szene ab, wie sie sich gestern Abends in Csekl6ß zugetragen. Den ganzen Tag über ertönte in den Straßen der Ruf: Eljen Jstoczy!. und besorgt sah man den Abend hereinbrechen. Ein Pöbelhaufe, es mögen 100 bis 150 Leute gewesen sein, fing an, die Fenster einzuschlagen. Sofort jedoch bildeten die hiesigen Israeliten eine Bürgerwache. Der Vice-Stuhlrichter, der Notar und 3 Panduren konnten der Zerstörung nur wenig Einhalt gebieten und mußten um 8 Uhr Abends telegraphisch um Militär bitten. Die hiesigen Israeliten schlugen dann- Alle, die es wagten, mit Steinen zu werfen, nieder. Viele Tumultuanten wurden verwundet, viele eingesperrt, worauf die Ruhe wieder hergestellt scheint. . In Magyar-Bel nächst Wartberg begannen ernstliche Unruhen Montag gegen 9 Uhr Abends. Der Stuhlrichter von Wartberg eilte sofort dahin, mittlerweile hatte aber bereits der Beter Grundbesitzer Konstantin v. Gyioko sämmtliche Judenfamilien in seinem Kastell geborgen und vor jedes Judenhaus zwei Börese als Wache ausgestellt. In der Nacht von Sonntag auf Montag kamen Ausschreitungen in Magendorf und Excesse in Na das vor. In Nadas wurde das Haus eines Juden dreimal angezündet und der Besitzer des Hauses zum Schlüsse ins Feuer geworfen. Nur das rechtzeitige Eingreifen der Sicherheitswache rettete den Juden vor einem gräßlichen Flammentode. In Szered war .die Stimmung Sonntag so bedenklich, daß noch spät Nachts Dragoner dahin abgeschickt wurden. In Dioßegh nahm man einen Anlauf zur Emeute, man begnügte sich damit, den Juden die Fenster einzuwerfen. Aus andern umliegenden Ortschaften wird den Behörden von einer hochgradigen Aufregung gemeldet. Der Markt Stampfen hat seinen Krawall kurz und bündig selber geschlichtet. Nachts war ein arger Tumult. Als die Sache handgreiflich wurde, schritt der Ortsrichter Marossy, ein einfacher Bauer, mit dem Gemeinde-Notär Schütz, den Geschwornen und einigen handfesten Insassen ein und griff sich fünf der ärgsten Schreier heraus, darauf zerstoben die Krakehler. Aus Stampfen brachte man heute einen Bauern nach Preßburg, der eine an der Straße stehende Marien-Statue verstümmelte und dann im Dorfe ausschrie, die Juden hätten den Frevel begangen. ' ’ “• Ausschreitungen werden amtlich aus Groß-Schützen gemeldet. Außer in dem Galanthane und dem transmontanen Bezirk gährt es in der ganzen Gegend von Preßburg. Officielle Nachrichten aus Bö sing besagen bis zur Stunde, daß auch dort der Pöbel in erschreckender Weise sich concentrirt. . Die in Canschütz schwer verwundete Rosa Fleischmann ist noch nicht gestorben. Aus der Einvernehmung der inhaftirtew Tumultuanten gewinnen die Behörden die evidente Ueberzeugung, daß das sonst weder intolerante noch verlotterte, oder sonderlich habgierige Landvolk durch böse Einflüsse von Preßburg ans verhetzt wurde, und zwar nicht erst in den letzten Tagen. Diese groben Excesse machten ein' schnelles energisches Eingreifen nothwendig. Ministerpräsident Tisza beschloß deshalb, das Standrecht für das ganze Preßburger Comitat zu verkündigen. Der Erlaß hat folgenden Wortlaut: Nachdem anläßlich aus dem Gebiete des Preßburger Comitats jüngst anfgetauchten und noch immer dauernden Unruhen eine Gefährdung in größerem Maßstabe für das Vermögen und die Lebenssicherheit bemerkt wurde und bemerkt wird: ordne ich aus diesem Grunde im Vereine mit dem Justizminister für das Gebiet des Preßburger Comitates gegen Räuber, dann gegen Jene, die einen mit Raub verbundenen Mord begehen , und gegen Brandstifter, sowie gegen