Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1882)
- Date
- 1882-10-17
- Page
- Seite 687 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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den Nachdruck darauf legen, daß Preßburg eine deutsche! Stadt und das PreßLurger Komitat vorzugsweise Don Deutschen bewohnt ist. Die Czechen ermahnen deshalb die böhmischen Juden, sich unter den Schutz der Czechen zu begeben, um vor den deutschen Antisemiten gerettet zu sein. Indessen wüthete der. Aufstand in zwanzig Ortschaften um Preßburg herum, und der Ministerpräsident Tisza verhängte deshalb das Standrecht auf einen Monat über das Preßburger Komitat und ernannte den Obergespan Esterhazy zum außerordentlichen Regierungkommissar. Hiernach werden standrechtlich behandelt alle Diejenigen, welche Raubmord , Raub oder Brandstiftung verüben, so wie die Theilnehmer an diesen Verbrechen. — Folgender Aufruf wurde mit Genehmigung des Regierungskommissärs erlassen: An die israelitischen Bewohner Preßburgs! Da die israelitischen Einwohner Preßburgs den Schutz der Staats- und Kommunalbehörden genießen, weshalb sie beruhigt den betreffenden Verfügungen entgegensehen können, fordern wir die israelitischen Einwohner Preßburgs auf, ein zurückhaltendes Benehmen iU jeder Hinsicht zu bewahren, keine wie immer. Namen habende Selbsthilfe zu versuchen, überhaupt jeder Bewegung , welche Straßenansammlungcn oder Zusammenrottungen Hervorrufen könnte, auszuweichen. Der Vorstand der israelitischen Gemeinden in Preßburg. . Welchen Schaden der Stadt Preßburg die Excesse verursacht haben? wird man fragen. Dies heute ziffermäßig nachzuweisen, ist unmöglich. Wenn man aber bedenkt, daß während der letzten Tage kein einziges Geschäft florirte, daß die Märkte nicht abgehalten werden konnten, daß Handel und Wandel still stand, daß durch die Plünderungen bedeutende Werthe zu Grunde gingen, daß auch die- Heranziehung des Militärs nach Preßburg ein hübsches Geld kostet, daß die meisten Arbeiter in Fabriken und Werkstätten feierten — so wird man sich beiläufig eine „blasse" Idee bilden können, was so „kleine Krawalle" Geld kosten. Der Minister des Innern richtete anläßlich der Preßburger Excesse folgenden Erlaß An sämmtliche Munizipien! Ich bin überzeugt, daß das Munizipium mit Entrüstung (megbotränkozässal) Kenntniß genommen hat von jenen Excessen, welche in der königlichen Freistadt Preßburg unter dem Aushängeschild des Antisemitismus verübt, wurden und nunmehr in einigen Gemeinden des Preßburger Komitats Nachahmung gefunden haben. Auch davon bin ich überzeugt, daß das Munizipium sich vollkommen bewußt ist seiner Verpflichtung, ähnlichen Vorfällen auf seinem eigenen Gebiete vorzubeugen, und falls dies nicht überall vollständig gelingen sollte, die vorkommenden Unruhen (zavargäsoliat) mit der vollen Energie der öffentlichen Gewalt niederzuschlagen und den Schuldigen gegenüber die ganze Strenge des Gesetzes zur Anwendung zu bringen. Ich meinerseits halte mich, im Gefühle meiner Verantwortlichkeit, verpflichtet zu erklären, daß ich in dieser Beziehung eine Versäumniß, ein laues, energieloses Vorgehen nicht dulden werde; die Sicherheit der Person und der Habe der Bürger, ohne Rücksicht auf Rang, Race oder Konfession zu wahren, ist eine der ersten Pflichten der Staatsgewalt. Es darf nicht geschehen, daß die öffentliche Sicherheit in Folge sträflicher Bemühungen einzelner Agitatoren gestört und dadurch auch der gute Ruf des ungarischen Staates geschädigt werde; es darf aber auch nicht geschehen, daß wegen einzelner Agitatoren, die beim Eintritt der Gefahr in der Regel sich zurückziehen, die Ordnung nur um den Preis des Blutes der Jrregeführten hergestellt werden könne. Ich erwarte daher, daß das Munizipium sofort alle Verfügungen zu dem Zwecke treffe, damit alle auf seinem Territorium etwa versuchten Agitationen sofort zu seiner Kenntniß gelangen, daß es dieselben im Keime ersticke und die Agitatoren der Strenge des Gesetzes überliefere. Ich erwarte, daß das Munizipium die sich hier und da etwa doch zeigenden Unruhen selbst mit Anwendung von Brachialgewalt sofort unterdrücken werde. Ich erwarte, daß über jede, in dieser Beziehung gemachte Erfahrung, sowie über die getroffenen Verfügungen mir sofort Bericht erstattet werde. Meinerseits versichere ich das Munizipium, daß ich dasselbe mit der ganzen Kraft der Staatsgewalt bei diesem seinem Vorgehen unterstützen werde. Budapest, 2. Oktober 1882. Tisza m. p. in. Pest, 30. Oktober 1882: Die judenfeindliche Bewegung, welche in Preßburg ihren Anfang nahm und von dort aus systematisch betrieben wurde, hat weiter um sich gegriffen. In St.-Georgen nahm bereits Freitag den 20. September Abends der Unfug große Dimensionen an, und man begann „Die Jüdlin" auszuplündern. Am 1. Oktober brachen in Horvath-Gurab, eine Stunde von Canschütz, Krawalle gegen die Juden aus. Aus der k. Freistadt Bö sing meldet die Preßburger Zeitung: „Schon bei Tage wurden gestern vier fremde „Herren" 'bemerkt, die sich stets unter das Volk mischten, es haranguirten, Cigarren und „Sechserln" vertheilten und Abends zeigte sich das Resultat ihrer Wirksamkeit: unsere sonst ruhige, - friedliche Bevölkerung slovakischer Zunge fing bereits um 6V2 Uhr an, sich in Gruppen zusammenzustellen und zu schreien. Um 7 Uhr wurden zwei der Preßburger Emissäre in üagranti ertappt und durch den Bürgermeister, den Feuer-