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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-10 · Heft 41 (10.10.1882) · p. Seite 671

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 41 (10.10.1882)
Date
1882-10-10
Page
Seite 671 (sequence 7)
Language
German
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dem Mendelssohn seine „Proben rabbinischer Weisheit" (Berlin/ 1775) und Jakob Weil seine „Fragmente aus dem Talmud und den Rabbineu" (Frankfurt a. M., 1811) herausgegeben, ist eine lange Reihe Sammlungen von Sentenzen, Sprichwörtern, Parablen, Legenden u. s.!v. aus Talmud und Midrasch erschienen, theils wissenschaftlicher und umfassender^), theils, und zwar zumeist populärer Art, mit dem Zwecke, den sittlichen Gehalt und Charakter des Talmuds ans Licht zu stellen, bald beliebig zusammengewürfelt, bald in Rubriken gebracht. Zu der letzteren Art gehört das vorliegende Büchlein, das sich zu seinem Zwecke durch gute Auswahl und Uebersetzung empfiehlt. Der Verfasser hat seine Sammlung in 42 Kapitel gebracht, und man kann daher bei dem geringen Umfange ~ (68 S.) auf Vollständigkeit nicht rechnen. Aber was geboten wird, ist zweckgemäß. Warum der Verfasser über den „Tod", nicht aber über Unsterblichkeit einige Sentenzen anbringt, ist uns nicht ersichtlich 1 2). — Die W. E. Hepple'sche Buchhandlung in Bamberg giebt 1) Das bedeutendste Werk dieser Art ist Levp. Dukes' Rabb. Blumenlese, Leipzig 1844. Beachtenswerth noch: Fürstenthal's Rabb. Anthologie/Breslau 1834. 2) Jedenfalls hätte der Verfasser für die Zwecke, die er in dem Vorwort angiebt, gut gethan, die Stellen auz^lsühren. Gerade in un- Rabbi Manasseh Ben Israel: Rettung der Juden, lieber setzt von Moses Mendelssohn unter dem Titel: „Gegen die Verleumder! Eine Stimme aus dem 17. Jahrhundert" heraus, und ist davon der I. Theil erschienen, der gegen die Blutbeschuldigung gerichtet ist. Allerdings kann es als eine schmachvolle Seite für unsere Zeit betrachtet werden, daß der Wiederabdruck einer solchen Schrift alsnützlich angesehen werden muß. Das Original in englischer Sprache-erschien .1656 in London und in deutscher. Uebersetzung von Mendelssohn, Berlin 1762. --Mit Vergnügen erwähnen wir hier auch einer in schönem Hebräisch verfaßten Biographie-'des sel. Adolph Cremieux von I. Elk (Memel, Selbstverlag, 1882). Mit Liebe und Begeisterung schildert der Verfasser den reichen und bewegten Lebensgang Er^mieux', und wer wäre wohl solcher Liebe und Begeisterung würdiger? — Der russische Kalender auf das eben begonnene Jahr 5643, welchen I- E. Gurland in Petersburg herausgiebtz ist in seinem 6. Jahrgang erschienen.-— ferer Seit ist dies nothwendig. Als wir bei Leitung des'Instituts zur Ford. d. isr. Lit. die schöne Sammlung von Giuseppe Levi übersetzen ließen, machten wir dies zur Bedingung. (Parabeln ff. übertragen von Rabb. L. Seligmann. Leipzig, 1863.) Deutschland. Berlin, 1. Oktober. (Privatmitth.) Unter den Antisemiten, die sich wieder in die Oeffentlichkeit drängen, gehört auch Herr v. Liebermann. Natürlich, da wieder Wahlen be- Vorstehern Jüngst hielt er eine Versammlung seiner Jünger und er behauptete in seiner Rede, daß jeder richtige Konservative auch ein Antisemit sei. Dies hat denn auch der Führer der Konservativen, Herr von Rauchhaupt, der als konservativer Candidat int ersten Berliner Landtagswahlkreise aufgestellt worden, in einer hier gehaltenen Candidatenrede bestätigt. Er sagte n. A.: „Die Judenfrage hat Hofprediger Stöcker nicht erfunden, sie liegt viel tiefer. (Sehr richtig.) Den Antisemitenkongreß halte ich für einen Fortschritt in der Sache, well er eben von einer wüsten, ziellosen Agitation abgelenkt und bestimmte Forderungen formulirt hat." Jener Herr v. Liebermann, ehemaliger Premierlieutenant, hat 5 Privatklagen gegen 5 hiesige Zeitungen angestellt, welche berichtet hatten, daß er verpfändete Ehrenscheine nicht eingelöst habe. Am 2h. d. fand die Verhandlung vor dem Schöffengerichte statt- Ans dem Berichte darüber theilen wir nur folgende Stelle mit: „Justizrath Dr. Horwitz überreicht eine Anzahl von längst verfallenen, nicht eingelösten Wechseln und Ehrenscheinen des Privatklägers nebst den dazu gehörigen Erkenntnissen und beruft sich ferner auf die Akten des Landgerichts in einer Klagesache Kunze wider den Privatkläger, in welcher es sich gleichfalls um uneingelöste Wechsel und Ehrenscheine handelt. Der beklagte Stephuny^ erklärtes daß ihm selbst noch zahlreiche andere uneingelöste Wechsel und Ehrenscheine des Herrn Liebermann ' v. Sönnenbertz'"ängeboten worden seien, daß er aber davon weiter keiüen Gebrauch gemacht habe, da er gemeint hätte, sich mit den von ihm erworbenen Ehrenscheinen begnügen, zu könnend" -Eine Entscheidung fand nicht statt, da noch weitere Erhebungen beantragt wurden. , > .. "•& . Herr.Louis, Cnnow, Redakteur des „Apollo", und der Kolporteur Robert Schützler hatten sich. gestern: auf eine Anklage wegen Beleidigung des Amtsrichters Herrn Lion vor der zweiten Strafkammer hiesigen Landgerichts I. zu verant^ Worten. Jncriminirt war ein Flugblatt, in welchem das' irtt Mai er. gegen Cunow gefällte Urtheil des. hiesigen Schöffengerichts, Abth. ölt, wegen Beleidigung des Redakteurs Robert Davidsohn, besprochen und zu einer an demselben Abend stattfindenden Versammlung eingeladen war. Besonders war die Religion des Richters als „jüdisch" hervorgehoben und als Tagesordnung der Versammlung, das Thema: „Ueber die Verderblichkeit des jüdischen Einflusses" angegeben worden.- Der Mitangeklagte war von Cunow beauftragt, dieses Flugblatt vor dem hiesigen Criminälgerichtsgebäude zu verbreiten.

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