Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1882)
- Date
- 1882-10-10
- Page
- Seite 668 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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U" 668 Gefängnißwächter Karancsay befahl, Vogel nach Tißa Lök zum Sicherheitskommissär Vay zu eskortiren Als Vogel auf Bay's Aufforderung, zu gestehen, nichts einbekennen wollte, befahl Vay dem Karancsay, in ein Bierglas Wasser zu schütten- und dasselbe mußte Vogel trinken. Vogel trank drei Biergläser Wasser. Karancsay ließ jetzt den Krug fallen und dieser zerbrach.- Sicherheitskommissär Vay schickte nun den Gefängnißwächter hinaus , um einen Holzkübel Wasser zu bringen - und Vay zwang Vogel nun aus dem Kübel mit dem Glas zu schöpfen und zu trinkem Vogel mußte so lange trinken, bis er von Erbrechen befallen wurde. Als Vogel dennoch auf die Fragen Vay's nichts gestehen wollte, band dieser ihm die Hände nach rückwärts und zerrte ihn an der einen Schläfenlocke, indem er Karancsay befahl, mit der andern Schläfenlocke dasselbe zu thun. Nuy schickte der Sicherheitskommissär Vay ihn hinaus. Was dann geschah, erklärt Karancsay nicht mehr zu wissen. Was sonst zwischen dem Untersuchungsrichter Vary und Vogel, vorging, -davon erklärte der Gerichtswächter Karancsay nichts zu wissen, da er nicht im Zimmer war. - Selbstverständlich werden die Borerhebungen bezüglich dieser Thatsachen fortgesetzt. — .Fürwahr, es hat uns Üeberwindung gekostet, unseren Lesern ein solches Bild vorzuführen, einen solchen scheußlichen Mißbrauch der richterlichen Gewalt als in unserer Zeit noch möglichzu erkennen zu geben! Aber hier liegt nicht-blos die Aussage des Mißhandelten, sondern auch die des dabei beschäftigten Beamten vor. Ein Zweifel ist also nicht möglich. Außerdem sind noch andere Erhebungen.mach dieser Richtung hin im Gange. Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht allein um die Torturen, die-der Richter und seine Complicen unschuldig Angeklagten angethan, sondern auch um die vollständige Enthüllung, welche Pläne und Absichten man in diesem Prozesse verfolgte. Es hat hier das Heiligthum der Justiz eine schwere Entweihung erlitten, eine Prostitution der-ärgsten Art. Hiermit ist aber das Wohl und der Bestand der - ganzen bürgerlichen. Gesellschaft, des Staates selbst angegriffen- und -nicht - minder die Ehre der ungarischen Nation in Mitleidenschaft gezogen. Wir kommen noch einmal darauf zurück: der Ministerpräsident Coloman Tißa hat vor dem - ungarischen Parlamente in energischer Weise die Verpflichtung übernommenjedes ungesetzliche antisemitische Vorkommniß mit aller Strenge des Gesetzes zu verfolgen. Hier liegt eine! solche Fülle antisemitischer Ungesetzlichkeiten vor, daß man ihn an sein gegebenes Mannes- und Ministerwort zu erinnern berechtigt ist.-Nachdem wir dieses niedergeschriebenveröffentlichen die ungarischen Blätter auch die Protokolle über die Behandlung der übrigen Flößer, von denen wir nur eine Stelle hier wiedergeben wollen: / -,So gab beispielsweise Hersko zu Protokoll, daß seine in Nyiregyhäza gemachte wahrhaftige Aussage in Tißa - Lök rauh zurückgewiesen wurde. Als ihm dann der bereits --mürbe gemachte" Müths unerhörte Unwahrheiten ins Gesicht sagte, die auch er, Hersko, bekräftigen sollte, spuckte er dem Mäths verachtungsvoll ins Gesicht; da nahm ihn angesichts des Untersuchungsrichters ein hochgewachsener rother Sicherheitskommissär in die Arbeit und schlug ihn mit einem eisenbeschlagenen Stock auf den Kopf, auf die Beine und in die Seiten Untersuchungsrichter und, Staatsanwalt entfernten sich und Hersko blieb mit. dem Sicherheitskommissär allein. Dieser ließ ihn sehr viel Wasser trinken, dann band er ihm den aufgedunsenen Leib mit dünnen Stricken, — im Schmerze versprach Hersko sodann,- gestehen zu wollen. Nun wurde der Untersuchungsrichter wieder herbeigerufen, Mätho wiederholte vor Hersko die ihm aufgenöthigten Angaben, die Letzterer dann voll und ganz bestätigte, — weiter geschah nichts mit ihm. Er war ein unfreiwilliges Werkzeug, er sagte Alles nur dem MLtho nach, und zwar nie geschehene Dinge, so zum Beispiel, daß Tißa-Eßlarer Judenweiber die Leiche angekleidet hätten. MLtho selbst hat beim heutigen Verhör ausgesagt, daß der Sicherheitskommissär, ihn .vorerst schrecklich geprügelt habe, als er dann seine Bereitwilligkeit bekundet zu gestehen, sagte der Untersuchungsrichter ihm vor, was die Wahrheit'sei, er machte sein „Geständniß" immer nach den Worten des Untersuchungsrichters." Der Äufstand i» Preßbürg. ........ 1. . Abermals ist eine Schlacht der Civilisation gegen die Barbarei, der staatlichen Ordnung gegen die Anarchie und Gesetzlosigkeit, der obrigkeitlichen Autorität gegen den, aus den gebildeten Standen heraus verhetzten, plünderungssüchtigen Pöbel geschlagen worden. Es geschah dies in jener ungarischen, jedoch vorzugsweise deutschen Stadt, in welcher Excesse gegen die wehrlosen Juden seit alter Zeit'ihre Stätte hatten, in Preßbürg. Wir erinnern an 1848, wo die Lockerung der staatlichen Bande und die errungene Freiheit sofort zu blutigen Ausschreitungen des Pöbels gegen die Juden benützt wurden. Wohin die antisemitische Agitation überall führt, welche ihre eigentlichen Zwecke und Ziele sind, das hat sich abermals sonnenklar erwiesen, und möchte doch die bürgerliche Gesellschaft und die Regierungskreise über die Gefahren aufklären, welche jene, mit den verwerflichsten Mitteln betriebene Agitation in ihrem Schooße birgt. Die Köln. Ztg. berichtet aus Wien am 29. September: „In Preßbürg ist es am gestrigen Abend zu starken, gegen Juden gerichteten Ausschreitungen gekommen, über welche von dort folgendes hierher berichtet wird: Am Bormittag fanden Zusammenrottungen des Sackträgerpöbels und Verhöhnungen