Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1882)
- Date
- 1882-10-10
- Page
- Seite 667 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Gebete kann auch die Eingehorigkeit in die religiöse Gemeinschaft nicht fehlen, und so lautet die Benediktion: „Gepriesen seist Du, Ewiger, der Israel behütet immerdar", oder an Sabbath und Festtag: „der die Hütte des Friedens breitet über' uns und über sein ganzes Volk Israel und über Jerusalem." Das letzte Wort leitet uns in vergangene Zeiten zurück) denen das Gebet entstammt. i '» , •" , - Die Zusty in A«gar«. '' Es wäre wahrlich nicht unsere Sache, über die Rechtspflege, insonders über die Criminal-Justiz, wie sie in Ungarn geübt wird, Untersuchungen anzustellen und Urtheile zu fällen. Wenn aber ein ungarischer Gerichtshof einen Prozeß einleitet, nicht in der Absicht, einen vorliegenden Criminalfall zu untersuchen, die Schuldigen aufzufinden und die Anklage gegen sie zu-erheben, sondern mit dem offenbaren Zwecke, einige Juden des Mordes zu bezichtigenwährend es noch nicht einmal erwiesen ist, daß eine Tödtung vorliegt, und zwar um diesem Morde das Motiv ritueller Zwecke zu insinuiren, wenn dieser Gerichtshof, um einen solchen Erweis zu bringen, die Angeschuldigten nicht blos viele Monate in strengster Haft hält, sondern auch geradezu Mißhandlungen und Folter anwendet, um Geständnisse zu erpressen, welche das Judenthum compromittiren sollten; wenn diesem Schauspiel das ungarische Justizministerium ruhig zusieht und freien Lauf läßt; wenn der Untersuchungsrichter, der sich solcher Handlungen schuldig macht, nicht zur Rechenschaft gezogen, sondern die Untersuchung in seinen Händen belassen wird, während die Angeschuldigten noch immer im Kerker schmachten — dann hat der vorliegende Fall einen ganz anderen Charakter und wird zu einer allgemeinen Frage der Gerechtigkeit und Humanität — dann sind wir Juden allerdings berechtigt, die Sache vor das Forum der ganzen civilisirten Welt zu ziehen und von dieser eine Rechtfertigung und Korrektur zu verlangen. Die ungarischen Zeitungen veröffentlichen Folgendes: Am 39. d. wurde der wegen angeblicher Theitnahme am Dadaer Leichenschmuggel in Haft befindliche Maramaroser Floßaufseher Amsel Vogel/ welcher den Wunsch geäußert hatte, wegen der durch ihn erlittenen Torturen und Mißhandlungen vernommen zu werden, durch die NyiregyhLzaer Staatsanwaltschaft protokollarisch vernommen. Derselbe gab im Wesentlichen Folgendes zu Protokoll: . „Am 20. Juli d. I. in Haft genommen und nach Nyiregyhäza gebracht, wurde Vogel vor den mit der Untersuchung betrauten Bize-Notär Vary geführt. Dieser' versetzte ihm zwei 'Ohrfeigen und. hieß ihn gestehen, woher er die Dadaer Leiche genommen. Vogel behauptete er könne seine Unschuld durch 20 Zeugen beweisen, allein Untersuchungsrichter Vary sagte, ihm, er werde schon Alles gestehen müssen. Vogel wurde nach Tißa-Lök gebracht, wohin sich auch der Untersuchungsrichter begab, und wo er ihn nochmals zum Geständniß aufforderte, da man ihn sonst schlagen werde. Untersuchungsrichter Vary ließ ihn.sodann allein und es trat in das Zimmer ein großer, kräftiger Mann, den Vogel nicht kannte. Derselbe richtete an Vogel die Frage, ob er ihn kenne, und als Vogel diese Frage verneinte, sagte derselbe, er sei der Sicherheits-Kommissär. Er forderte Vogel auf, alles zu gestehen, da er sonst vom Gerichte bevollmächtigt sei- Vogel schlagen zu lassen. Der Sicherheits-Kommissär drohte Vogel noch mit anderen Dingen, die Vogel aber in seinem Schrecken nicht verstanden zu haben erklärt. Der Sicherheits-Kommissär ließ sodann einen Krug Wasser und ein Bierglas bringen, und Vogel mußte unter steter Aufforderung zu gestehen, fünf oder sechs Glas Wasser trinken, bis es zufällig geschah, daß der königl. Gerichtswächter Josef Karancsay, welcher die Gläser zu füllen hatte, den Krug zerbrach. Karancsay wurde nun vom Sicherheitskommissär um einen Kübel Wasser geschickt und Vogel mußte nun selbst mit dem Glas aus dem Kübel Wasser schöpfen und wiederholt trinken. Der Sicherheitskommissär forderte ihn nochmals auf, zu gestehen, allein Vogel 'konnte überhaupt nicht sprechen, weil er sich zu erbrechen anfing. Der Sicherheitskommissär trank ein Glas Branntwein und gab auch Vogel zu trinken. Vogel erklärte, daß er danke, allein er mußte das Glas, welches Pflaumenbranntwein enthielt, leeren. Der Sicherheitskommissär band Vogel sodann die Hände nach' rückwärts und der Kommissär und der Pandur zerrten Vogel an den Haaren. Da er auch jetzt nicht gestand, befahl der Sicherheitskcminissär dem Vogel/ er solle sich nackt.ausziehen. Als das geschehen war, hieß der Kommissär ihn in die benachbarte Kammer gehen und sich auf das Stroh legen, da man ihm die Füße binden werde. Man band ihm indessen die Füße nicht, sondern nach kurzer Zeit'schickte der.Sicher-' heitskommissär Vogel in den Hof hinaus und befahl den auf einem Karren sitzenden Panduren, daß sie Vogel vor das Pferd, welches den Karren zogbinden und so nach Tißa- Eßlar bringen mögen. Auf diese Weise mußte Vogelvor das im Trab gehende Pferd gebunden, den Weg von Lök nach Tißa-Eßlar machen." Die Staatsanwaltschaft hat in Folge dieser protokollarischen Aussage Vogel's den Gerichtswächter Josef Karancsay, welcher sich noch im Dienste der Staatsanwaltschaft befindet, vernommen. Karancsay, welcher in jener Zeit dem Untersuchungsrichter Vary „zur Dienstleistung" zugetheilt war, gab an, daß er Vogel aus Nyiregyhäza nach Tißa-Eßlar eskortirte) woselbst Untersuchungsrichter Vary sich §eben befand. Als Karancsay den Häftling Vogel vorführte, war Untersuchungsrichter Vary'in sehr aufgeregtem Zustand Und schlug Vogel mit einem Protokoll, auf 'die Nase, worauf er dem; “X