Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1882)
- Date
- 1882-10-10
- Page
- Seite 666 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben und Zum Frieden", und wie jener Änfangsformel „breite über-uns aus die. Hütte Deines Friedens" hinz^gefügt -wird, so wird zur Schlußformel dieser Satz,no'A einmal .wiederholt, ja am. Sabbathabend lautet die Benediction noch einmal: „Der ausbreitet die "Hütte des Friedens über uns" u. s. w. Frieden und Leben, das sind also die beiden eigentlichen Zielpunkte, des jüdischen .Gebetes. Es gehört dies zur CharakteriM des/Judenthums und - des jüdischen Volkes. Wer die Bücher der h. Schrift durchmustert, dem tönt aus allen Seiten das Verlangen, die Sehnsuchtnach Frieden, nach Ruhe und Sicherheit entgegen und überall hören wir das.Wort heraus. (Jes. 52, 7): „Wie lieblich sind aus den Bergen die Füße des Boten, der. Frieden kündet". Es wäre gewiß eine lohnende Arbeit, aus. den Büchern der Schrift ein Friedensgemälde zusammenzustellen, wie es. in der israel. Volksseele lebte. / Wir müssen, um diesen Zug recht zu würdigen, auf den Gegensatz in den Völkern, des Alterthums blicken, auf die ewige Unruhe, auf das Drängen, nach Außen, auf die. Kampfesgier, welche jene beseelten, die Griechen und Römer so gut wie die asiatischen Horden und . die ägyptischen Pharaonen. Israel hingegen, das seit der Eroberung seines Landes die Waffen stets nur zurBertheidigung gegen die Angriffe seiner es umlagernden Feinde geführt- , aber von diesen Angriffen unaufhörlich zu leiden, hatte, wußte den.Werth des Friedens hoch zu schätzen und sah ihn als das höchste Glück einer Nation an. Aber -es war nicht etwa ein feiger und lässiger Quietismus,, der dieses Volk beherrschte, wie etwa die indische Race. Dazu brachte es . sein Dasein zu sehr in harter Arbeit, im unermüdlichen Schaffen seiner Hände und in der Thätigkeit des Geistes zu, und gerade, in der tapferen Abwehrgegen die übermächtigen Feinde übte und bewährte es anderthalb Jahrtausende seine Kraft. Dies drückt sich denn auch in dem zweiten Momente seines volksthümlichen Verlangens aus, in dem Wunsche, nach Leben, nach einem ruhigen, gesicherten, arbeits^vollen und früchtereichen Leben. Auch diesem Zuge wird in der h. Schrift, in Bitte und Verheißung oft genug Ausdruck verliehen, und Beides, Friede und Leben, kehrt deshalb auch in unserem Gebetbuche immer und immer wieder. Wir erinnern z. B. an die Bitten um „Leben" in den Gebeten am Neujahrs- und Versöhnungsfeste. ..Außer den allgemeinen Sätzen „Hilf uns um Deines Namens, willen und schütze uns", wie sie den Lippen des Betenden , leicht entfließenbemerken wir von einzelnen Bitten: „Leite unI mit gutem Rathe". Der Mensch ist .sich selbst ein psychologisches Wthsel. So viel auch die Philosophen, so viel jeder denkende . Mensch über die Gesetze, nachsinnt, nach denen der.,menschliche Geist denkt und fühlt, sich. ent-, schließt und will, so viel bleibt dennoch, von dem Strome unsrer Gedanken und Empfindungen geheirnnißvoll und ver-! schleiert. Wir bezeichnen die Anknüpfung der.Vorstellungen und der aus diesen sich folgernden Urtheile. und Schlüffe, an frühere,. oft längst dem.Bewußtsein^entschwundene Vorstellungen mit dem Worte „Jdeenassöciation". Aber wie^wenig ist damit gewonnen. .. Unsrem - bedeutendsteMGedanke;n>---Mßre ^./ - oft für unser ganzes Leben entscheidenden Jdeek entspringen in unsrer Seele plötzlich und unvermittelt. Wir fragen uns; oft: Wie bist du darauf gekommen? und vermögen nicht, es herauszubringen; wir wissen, nicht die Fäden aufzufinden, die aus dem dunkeln Gespinst unsres 'Gedankenschatzes' zu der lichten Idee führten, die uns mit-einem Male aufging, uns erhellte und fortan zu einem Leitstern unsres Lebens ward. Das religiöse Gemüth kann da nicht anders, als eine Fügung Gottes darin erblicken, welcher unsre Geistes- " wett ebenso unterthan ist, wie die materielle, wie der Zusammenstoß der äußeren Ereignisse. Und-so wenden wir uns im Gebete zu dem „Gott aller Geister in allem Fleische," und erbitten von ihm „guten Rath", günstige Gedanken, Einsicht in die verworrenen Verhältnisse, Klarheit in dem, was wir zu thun und zu lassen haben. — Es folgt: „Wende; ab von uns Feind, Pest, Schwert und Hungersn.oth und jedweden Kummer und Sorge". . Wie nahe liegt es, >vor allen diesen Gefahren dew> göttlichen Schutz zu erflehen. Der Kreis derselben.wäre groß, wenn wir sie . alle aufzählen - wollten. Dann heißt es weiter: „Wende ab von uns jeden < Hinderer und Ankläger vor uns und hinter uns." Es ist . hier das Wort „Satan" gebraucht, der aber, noch dazu ohne Arttkel nicht einen bösen Dämon, nicht „ das ,Prinzip des Bösen"' bezeichnet — das Judenthum, kennt einen solchen Gegensatz zu Gott nicht!) — sondern den menschlichen Feind und. Gegner, der aus.Bosheit. und Tücke uns Schlingen legt, ' um uns ins. Verderben, zu, stürzen.,. Darum. Heißt es. „vor. uns und hinter uns.",, d. h.,ber offen zum Angriff auf uns . losgeht, oder der hinterrücks, uns -überfällt und um so.wider-. standsloser niederwirft.., Das hat der jüdische Stamm im Ganzen und im Einzelnen so oft erfahren und gehört so recht zur Nachtseite des menschlichen, Lebens, daß dieser Gebetsatz gewiß aus der Tiefe und, der Beklemmung. d,er Volksseele gequollep ist...An..alle diese,Bittworte.schließen sich nun. die innigsten W.flrte des Gottpertrauens:,. „denn.Du bist Gottder uns bewahrt, und/rettet, Du bist Gott, Herr,- gnädig und Warmherzig,..und so bewahre..Unsren.Ausgang und unsren Eingang zum..Leben, und.zum. Frieden, jatzt und ' immerdar". .Wer...solche^Wort-. nicht blos mit. den.LiPpen,- sondern aus. ttefbewegtem Herzen spricht und ihren vollen Sinn, ihre ^.markige-Bedeutung empfindet, der. legt beruhigt das Haupt uirf die Kissen, und erwartet unter., dem. Schutze, dessen,er. sich.sicher .weiß, .den Schlummer. — Aber in einem , 1) S. unser Bibelwerk Comm.-zu Ps. 10S Bd. III. S. 283. zu: Jjob 1,6. S. 480 ff. , A