Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1882)
- Date
- 1882-10-03
- Page
- Seite 661 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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außer einer von P. N. Polewoi verfaßten und mit einem Stahlstichportrait des Dichters geschmückten Biographie Lessing's, dessen Jugendwerke — „Dämon", „Die alte Jungfer", „Der junge Gelehrte" und den „Misogyn" in der Uebersetzung des Herrn Polewoi und „Die Juden" in der Uebersetzung des Herrn Chasneß enthält. — Bon der Bibliotheca rabbiniea oder der Uebersetzung des Midrasch rabba des Di\ A. Wünsche ist die 17. Lieferung erschienen. Der erste Band der Korrespondenz des sel. S. D. Luzzatto, welche Eisig Gräber in Przemysl veröffentlicht,' wird in Kurzem ausgegeben. Es liegen uns zwei Probebogen vor, die eine treffliche Ausstattung und einen korrekten Druck bezeugen. Wir werden später über den Inhalt dieses interessanten Werkes berichten. — Zum Nutzen der nach England und Amerika answandernden Flüchtlinge ist ein „Kleiner Wörterschatz der englischen Sprache" (Berlin, 1882, Drück von Hermann) veranstaltet worden. In drei Rubriken wird das englische Wort in latemischen Lettern, und die Aussprache und deutsche Uebersetzung in hebräischen Lettern gegeben. Die Auswahl ist sehr angemessen getroffen. ' In 19 Rubriken werden die Wörter angeführt, welche die Eisenbahn, das Meer, die Nahrung, das Tischgeräth, die Kleidungsstücke u. s. w. betreffen. Der Druck auf starkem Papier isl vortrefflich und das Format handlich. Ein Exemplar wird jedem Auswanderer mitgegeben. — Wir sind dem Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes dankbar verpflichtet für die Herausgabe der: „Gedeukblätter an Jacob Nächod (Berlin, 1882, Druck von Rosenthal) mit dem sehr ähnlichen Portrait des Verstorbenen. Das schön ausgestattete Heft bringt außer den „einleitenden Worten des Ausschusses" einen Bericht über die Bestattung und die bei der Beerdigung gehaltenen Reden der Rabbiner Goldschmidt und Landau, des Geheimraths Kristeller, des Stadtraths Scharf, des Rabb. Caro (Erfurt), der Herren Emil Pick und Alexander Werthauer, ferner die in den Zeitungen erschienenen Nachrufe, den „Lebensgang Jacob Nachod's, geschildert von Emil Lehmann" und einen poetischen Nachruf desselben. Nachod hat sich in seinen Werken ein schönes Andenken begründet; aber es thut doch wohl, hier die Urtheile der Zeitgenossen über den Charakter und die Thätigkeit des Heimgegangenen zusammengestellt zu sehen. IeuilLeton. Korrespondenz. ‘ _ Tunis, 11. Sept. 1882. Die All. isr. Univ. hat in Tunis eine jüdische Mädchenschule gegründet und zur Lehrerin eine uns befreundete junge Dame berufen. Aus dem ersten Schreiben derselben an uns entnehmen wir folgende Mittheilungen. Redaktion. Ich bin Anfangs Mai hier angekommen, und konnte meine Schule am 1. Juni mit 16 Schülerinnen eröffnen; seitdem hat dieselbe sich täglich vergrößert und zählt heute einige fünfzig kleine Mädchen von 6 bis 13 Jahren. Trotz der drängenden Anfragen muß uns diese Zahl genügen, so lange wir uns in dem provisorischen Lokal befinden, einem sogenannten Palazzo, mitten im Judenviertel, einer reichen tunesischen Familie - gehörend. Ende dieses Jahres wird hoffentlich das neue Schulgebäude vollendet sein, welches auf 200 Kinder berechnet ist. Ich habe einstweilen zwei Schulsäle und als Gehülfin eine Nählehrerin, eine Jüdin in der bekannten Landestracht, aber tüchtig in ihrem Fach; sie beschäftigt einen Theil meiner kleinen Schaar, während ich mit der großen Zahl arbeite. — Die kleinen Mädchen sind fast durchgehends intelligent und bildsam, reizende Typen, denen das berichtigte Kostüms sehr wohl steht. Lebhafter und neugieriger Natur kommen sie zu der Schule wie zu einem Feste, freuen sich herzlich, Tafel l) Näheres im vor. Jahrg. S. 849. . Redakt. und Stift, oder gar eine Fibel, in die Hand zu bekommen und gewöhnen sich bald an Ordnung und Reinlichkeit. — Man sagt mir übrigens, daß diese erste Aushebung nicht in den ärmsten Klassen gemacht worden, und daß ich später, was Sitten und Gesundheitszustand betrifft, mehr zu schaffen haben würde. Natürlich darf ich nicht davor zurückschrecken, da ja das Werk besonders für diese armen und ärmsten Kinder bestimmt ist. — Unser Stundenplan umfaßt einstweilen nur: den Anschauungsunterricht, Lesen, Schreiben und Rechnen, wenigstens für die größte Zahl, alles in französischer Sprache. Anfangs gebrauchte ich als Dollmetscherin ein. junges Mädchen, das Jahre laug die Schule der „soeurs" besucht hat, ohne andere Errungenschaften als,. ein. schlechtes Französisch und der-Ave Maria. Jetzt verstehen mich meine Kleinen schon ziemlich gut; einige antworten sogar-, wenn auch sehr gebrochen. Die Kinder besitzen entschiedenes Sprachtalent, fassen und behalten mit Leichtigkeit die Namen der Gegenstände und Begriffe, die unseren Anschauungsunterricht bilden- Eine ganz kleine Zahl hat früher eine der hiesigen Mädchenschulen besucht, die sehr viel zu wünschen übrig lassen und fangen jetzt an, Grammatik, Geographie, biblische Geschichte zu lernen. — In Handarbeiten wird hier zu Lande viel geleistet und Ihre Damen würden sich gewiß für die Leinenstickereien interessiren, worin einige der älteren Kinder schon recht geübt sind. — Hoffentlich bringt diese neugegründete Schule die gute Einwirkung auf den weiblichen Theil der hiesigen Bevölkerung hervor, welchen man sich davon ver-