Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-03 · Heft 40 (3.10.1882) · p. Seite 660

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 40 (3.10.1882)
Date
1882-10-03
Page
Seite 660 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227434--40244-3257871
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

nicht nur durch Vorbereitung einiger zukünftiger Zöglinge für die zu stiftende Schule, sondern auch durch Anbahnung der hierzu führenden Verhandlungen die Eröffnung derselben fördern kann. — Dr. Ehrenreich war von 1852 bis 59 Rabbino coösercente in Modena, dann bis 1870 Oberrabbiner in Casäle, hieraus privatisirte er in Turin, wo er letzthin auch einen Lehrstuhl am Oiroolo ülologieo mit anexkanntem Erfolge einnahm. Es wird versichert, daß sein Abgang von Turin in den seiner Thätigkeit eröffneten Kreisen fühlbar sein und bedauert werde, während seine Ernennung in Rom allseitig beifällig ausgenommen wurde. Es steht demnach zu erwarten, daß Dr. Ehrenreich in seiner neuen Stellung manches Ersprießliche werde ausrichten können, eine Hoffnung, die ihn eben bestimmte, den Antrag auzunehmen, den er, ohne seinem Lebensberufe und seiner Ergebenheit für die Lehre des Judenthums Abbruch zu thun, nicht wohl ausschlagen konnte.J) — Nach dem Vessilio Israelitico zählt das Königreich Italien gegenwärtig 46730 Israeliten in 85 Gemeinden, die allerdings zwischen 10 Mitgliedern (Portoferrato) und 5600 (Rom) variiren. Die Gemeinde von Livorno zählt 4950, Venedig 2500, Florenz 2400, Turin 2000, Ancona 1800, Mantua 1800, Ferrara 1750, Modena 1700, Mailand 1700, Verona 1260. 36 dieser Gemeinden haben einen Rabbiner an ihrer Spitze. * Amerika. New-Dork, 9. Septbr. Wir haben bereits die -,'N.H. Handelsztg." als einen unparteiischen Führer in den Angelegenheiten der russisch-jüd. Flüchtlinge in N. A. kennen gelernt, und geben daher aus einem Berichte in der Nr. vom obigen ' Datum folgendes wieder: Während des Monats August' sind etwa 800 der Vertriebenen auf Landgütern und in Fabriken placirt worden, und gegenwärtig verlassen sich nur' noch neunhundert Personen aus die Vorsorge der Gesellschaft. In der letzten Woche wurden 111 Personen, die entweder wegen physischer Schwäche oder Verlust keine Beschäftigung finden konnten, nach Rußland zurückbefördert. Wie bald es der Gesellschaft gelingen wird, die 900 Menschen, die von ihr noch Hilfe erwarten, möglichst gut unterzubringen, hängt größtentheils davon ab, wie viele beim Beginn der kalten Jahreszeit von der Landarbeit zurückkehren, und von der Fortdauer der Einwanderung. Die europäischen Hilssgesellschaften sind dahin übereingekommen, daß sie keine Vertriebenen mehr hierher bringen wollen, ohne vorher die Zustimmung der New-Iorker Gesellschaft eingeholt zu haben, und obgleich in Brody und in Oesterreich-Polen überhaupt noch eine große Anzahl von Auswanderern sich befindet, die 1) Herr Dr. Ehrenreich ist auch der Uebersetzer unsrer Broschüre über die Kreuzigung Jesu ins Italienische. . Reda kt. aus politischen oder anderen Gründen nicht nach Rußland zurückkehren können, wie es die meisten ihrer Unglücksgenoffen .bereits gethan haben, werden sie dort behalten werden, bis die hiesige Hilfsgesellschaft die Hände frei genug hat, um für sie sorgen zu können. Das erfolgreichste Experiment, welches die Hilfsgesellschast bis jetzt gemalt hat, sind über Erwarten hinaus die landwirthschaftlichen Colonien in Vineland, N. I., in Colorado und Dakota. Das Comitö hat genug Geld in seiner Kaffe, um die Bedürfnisse seiner Pflegebefohlenen für zwei Monate bestreiten zu können, wenn kein außerordentlicher Zuwachs von Bedürftigen kommt. Bonn, 24. Septbr. (Notizen.) Aus Wien wird geschrieben: Der „Schofarbläser" des isr. Tempels in der innern Stadt, der Lehrer Samuel Kohn, der dieses Amt über dreißig Jahre versehen, ist seines hohen Alters wegen in den Ruhestand getreten. Seinen Schofar, der sich durch Jahrhunderte in seiner Familie fortgeerbt hat, machte er der isr. Kultusgemeinde zum Geschenk. — Im Tempel.der Orthodoxen in der Großen Schiffgaffe entstand am Rosch-Haschana- Abend während des Gottesdienstes plötzlich Feuerlärm. Alles drängte nach dem Ausgange, die Weiber mit lautem Geschrei. Der Feuerlärm entstand dadurch, daß an einer Sicherheits- Oellampe der Minder mit lautem Klirren zersprang. Glücklicherweise hat sich bei dem Drängen kein Unfall ereignet: — Dr. Ad. Kurrein, Rabbiner in Linz, ist zum Rabbiner in Bielitz gewählt. Derselbe ist ein gewandter Redner und hat sich um die Linzer Gemeinde mannichfach verdient. gemacht. — Zum Nachfolger des vortrefflichen Herxheimer in Bernburg ist Dr. Fried aus Ungarn, gegenwärtig Rabbiner in Meisenheim, ernannt. — Wir nehmen Gelegenheit zu bemerken, daß die, wie es scheint, absichtlich verbreitete Nachricht, daß der Land-Rabbiner Prof. Dr. Herzfeld in Braunschweig sein Amt niedergelegt habe, unbegründet-ist. Derselbe hat wegen Kränklichkeit die Predigt einem Adjunkten übertragen, steht aber allen übrigen Rabbinatsfunktionen wie bisher vor. — In Paris verschied dieser Tage -er Herausgeber der „Französischen Korrespondenz", Dr. Eduard Landsberg. Bei dem ausgezeichneten Rufe, den. dieser Publizist sich erworben, war es selbstverständlich, daß bei. der Bestattung auf dem israelitischen Friedhof Alles erschien, was von deutschen Journalisten in Paris sich, befindet. Auch der deutsche Gesandte Fürst Hohenlohe war anwesend. Von französischer Seite betheiligte sich Niemand. Bonn, 25. Juli. (Literarische Notizen.) Eine Wohlthat für Rußland! Eine, und. zwar die erste, Russische Ausgabe sämmtlicher Werke Lessing's wird gegenwärtig von der Verlagsbuchhandlung B. M. Wolfs in Petersburg veranstaltet. Von der auf vier Bände berechneten Wolff'schen Lessing- Ausgabe liegt bereits der erste Band vor, welcher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.