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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-03 · Heft 40 (3.10.1882) · p. Seite 659

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 40 (3.10.1882)
Date
1882-10-03
Page
Seite 659 (sequence 11)
Language
German
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659 Staaten dieselbe Politik, sie halten es nämlich immer mit den Mächtigen und nicht mit den Schwachen. Darin liegt eben daß Geheimniß ihrer Macht und ihres Uebergewichtes. So ist es auch in Galizien; in Böhmen, wo die Juden früher die Alliirten der Deutschen-gewesen sind, desertiren sie jetzt ebenfalls ins czechisch-nationale Lager, in Triest findet man die Juden auf italienischer Seite; dagegen sind sie in Posen Gegner der unterdrückten Polen. Gegen die Juden müsse doch etwas unternommen werden, allein dies solle-in würdiger und einträchtiger Weise geschehen. Es werden ja keine'Ausnahmegesetze gegen die Juden, sondern einzig und allein wird die Gleichberechtigung mit den Juden gefordert. Im Uebrigen werde schon die wirthschastliche Bewegung unter der christlichen Bevölkerung das Ihrige thun. — Abgeordneter Zucker protestirte mit Entrüstung gegen die Behauptungen Merunowicz', hauptsächlich gegen den Vorwurf ritueller, durch den Juden begangener Morde. Da eine Diskussion des Merunowicz'schen Antrages bei der ersten Lesung nach der Geschäftsordnung nicht gestattet ist, so stellte er, damit andere Abgeordnete bald Gelegenheit erhalten, gebührend auf die Behauptungen Merunowicz' zu antworten, den Antrag, daß spätestens in vierzehn Tagen das Referat über den Antrag Merunowiez'dem Landtag erstattet werde. Abgeordneter Dr. Gold mann protestirt ebenfalls gegen Merunowicz. (Der Landmarschall Zyblikiewicz ruft: „Es ist bei der ersten Lesung keine Diskussion gestattet".) Goldmann: Trotzdem muß ich mit Entrüstung dagegen protestiren, als ob Indem rituelle Morde begehen würden. Zyblikiewicz unterbricht neuerdings den Abgeordneten Goldmann, welcher trotzdem seinen Protest ausdrückt. Der Landmarschall ertheilt deshalb dem Dr. Goldmann einen Ordnungsruf. Schließlich wurde der Antrag Zucker's angenommen.Merunowicz hatte gestern auch behauptet, das Wiener Rabbinat habe auf die Anfrage einer galizischen Gerichtsbehörde geantwortet, daß die jüdische Religion in gewissen Fällen den Mord gestatte. In Folge dessen wendete sich der hiesige Gemeindevorstand und Rabbiner Löwenstein telegraphisch an das Wiener Rabbinat um Aufklärung, worauf heute folgende Depesche aus Wien anlangte: ,, Die Behauptung des Abgeordneten Merunowicz ist gänzlich erfunden. Wiener Rabbinat Dr. Güdemann". Das Wiener Rabbinat wird auch in einer Zuschrift an den Landmarschall erklären, daß Merunowicz die Unwahrheit behauptet hat. Großbritannien. London, im Septbr. (Privatmitth.) 25te.Anglo-Jewis]i- Association hat ihren 11. Jahresbericht (1881—1882) ausgegeben. Derselbe beweist die energische Thätigkeit des Vereins und den kräftigen Antheil, den er an Allem genommen, was in dieser Zeit das Judenthum bewegte. Dies letztere war aber so umfassend und vielfach, es waren so gewaltige Stürme, die über uns hereingebrochen, daß das Referat darüber ein vollständiges nicht sein konnte. Doch werden einige Aktenstücke aus den Verhandlungen über die russische Angelegenheit mitgetheilt, die für den Geschichtsschreiber von Werth sein werden. Was besonders erfreulich, ist, daß durch die Vermittelung der Association und die Einwirkung der englischen Regierung sich in Persien gegenwärtig bessere Verhältnisse für die dortigen Juden entwickelt haben, weshalb denn auch einige jüdische Schulen, z. B. in Teheran in Angriff genommen worden sind. Der Verein hatte vor 1882 25 Zweigvereine. Im Jahre 1882 wurden zwei neue in Homley und Wellington (Neuseeland) gestiftet. Die Einnahmen beliefen sich auf 2397 L. St. (42,940 Mk.), wovon 536 L. St. übrig blieben. Die Männer, die an der Spitze des Vereins gegenwärtig stehen, wie Baron Henry de Worms, Mitglied des Parlaments, geben die Bürgschaft, daß der Verein in seiner schönen Wirksamkeit noch viel Großes leisten wird. Italien. Turin, 13. Septbr. (Privatmitth.) Nach'der Bresche von Porta pia hat sich die uralte Gemeinde Rom's als solche aufgelöst. Fromme Brüderschaften und Armenunterstützungs- Bereine, wie sie früher bestanden,. besorgten seither das Unentbehrliche in vorkommenden Fällen, während einsichtsvolle und gutgesinnte Männer sich bestrebten, die isr. Unterrichtsanstalten dem (Reiste und den Bedürfnissen unserer Zeit gemäß umzugestalten. In der That heißt es, daß daselbst ein Asyl und die Talmud-Thora, besonders da^ erstere recht gut eingerichtet sind. Dasselbe geschieht zur Reeonstruirung der Gemeinde. Es wurde von Vertrauensmännern ein neues angemessenes Statut ausgearbeitet, das bereits von der Generalversammlung angenommen wurde, Jetzt handelt es sich darum, die Talmud-Thora nach der neuern.Methode einzurichten, und die Reorganisation der Gemeinde auf Grund des neuen Statutes mit Berücksichtigung der bereits bestehenden frommen und Wohlthätigkeitsanstalten durchzuführen, ein Unternehmen, das in unserer Zeit und bei den obwaltenden Umständen mit vielen Schwierigkeitrn verbunden ist. Um diese Anstrebungen mit der erforderlichen Raschheit und Stetigkeit zu führen, wird, wie man berichtet, Dr. M. Ehrenreich dermalen in Turin nach Rom berufen, um als Rector der dortigen isr. Schulen und im obigen Sinne bei der Organisirung der Gemeinde seine Mitwirkung zu leisten. Diese Ernennung geschah ohne Koncurs, mit ungetheilter Zustimmung sämmtlicher Verwaltungsglieder, und gewinnt an Bedeutung, wenn man bedenkt, daß die vor mehreren Monaten auf dem Kongresse zu Modena beschlossene Rabbinerschule ihren Sitz in Rom haben wird, und der ernannte Rector 40*

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