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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-03 · Heft 40 (3.10.1882) · p. Seite 654

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 40 (3.10.1882)
Date
1882-10-03
Page
Seite 654 (sequence 6)
Language
German
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654 könnte. Im Grunde wünscht man nichts sehnlicher, ober man wagt es nicht zu sagen. Folgender ist der letzte Artikel des Dresdener antisemitischen Katechismus: 8. „Die christlichen Völker sind nur deshalb in die Abhängigkeit von dem Judenthum gerathen, weil sie die Idee des christlichen Staates und den >nationalen Gedanken im öffentlichen Leben und in der Gesetzgebung verleugnet haben. Sie können ihre natürliche Unabhängigkeit nur dadurch wieder erlangen, indem sie die christlichen Prinzipien hoch und fest halten und den nationalen Bedürfnissen im ökonomischen Leben, in der Gesetzgebung und Verwaltung Geltung schaffen. Die Regierungen und die gesetzgebenden Versammlungen müssen also die Initiative ergreifen, welche das allgemeine Recht ihnen zuertheilt, um jedem Volke seine Freiheit und seine nothwendige Originalität zu bewahren, indem sie den christlichen Geist pflegen und indem sie - den jüdischen Geist in der Literatur und Tagespresse wie im öffentlichen Leben, auf dem Kommunalwie auf dem Staats-Gebiete bekämpfen." Und da sagt man, daß Jesus Christus Jude war und daß seine Religion nur das Judenthum ist, vom lokalen Geiste befreit und für Jedermann zugänglich^gemacht! Man sollte dies nicht meinenwenn, man den evangelischen Stöcker hört. Wir wissen, daß die Juden ihre schwachen Seiten haben. Wenn sie zurückstoßend sind, so sind sie es nicht halb. Aber es giebt Jude und Jude, und alle Juden für Wucherer halten ist ebenso durchaus falsch, wie alle Protestanten für Pedanten und Heuchler und alle Katholiken für Betbrüder. Was den christlichen Staat anbelangt, so schütze uns der Himmel, wie vor der Pest, vor diesem Protektionären, reaktionären und theokratischen Regime." %Ct K'W\/lCp'\A&G§XA,■otyCCW. Deutschland. Berlin, 12. Septbr. (Privatmitth.) Wir sind seitens des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes ersucht worden, bekannt zu geben, daß Lehrer, welche bei eisier' der unter den jüdischen Lehrerverbänden bestehenden Nrsicherungsanstalten, wie Achawa u. s. w. eintreten wollen lnÜpboÄ Eintrittsgeld aus Bedürftigkeit nicht zahlen können, ihr'Gesuch an die Philippson - Stiftung per Adresse des Gemerndebundes, Berlin W., Sigismundstraße 5, einreichen mögen, da die Stiftung in der Lage wäre, in 5 solchen Fällen Hilfe zu leisten. — Es ist sehr bemerkenswert^, daß der von der „Kreuzzeitung" verösfcntlichte Wahlaufruf der konservativen Partei jede' Andeutung auf antisemitische Bestrebungen sorgfältig vermeidet, während im vorigen Jahre derselbe unzweideutig antisemitische Ziele aufstellte. Es ist dies sehr erklärlich, weil, und erweist Zugleich, daß man auf konservativer Seite den Antisemitismus für die Partei als schädlich erkannt hat. Indessen wird durch das diesjährige Stillschweigen das Verhalten im Vorjahre nicht aus der Erinnerung hinweggeschafft. Gegen den Verleger der „ Ostend-Zeitung" Herrn Julius Ruppel steht am nächsten Sonnabend vor der IV. Strafkammer Termin zur Verhandlung einer Anklage auf Grund des §. 166. des Reichsstraf - Gesetzbuches an. Die Anklage beschuldigt ihn, in seiner Zeitung sowie in den von ihm herausgegebenen Extrablättern die jüdische Religion beschimpft und deren Einrichtungen und Gebräuche verhöhnt zu haben und zwar in Artikeln über die bekannte Affaire Esther Solomossi. Sein Antrag, das Straf-Verfahreir so lange einzustellen, resp. den Hauptverhandlungstermin einzusetzen bis diese Affaire völlig aufgeklärt worden, ist von der Strafkammer definitiv abgelehnt worden. — Die Antisemiten, die sich hier wieder regen, bringen es richtig bis zur Lächerlichkeit, und dies trägt nicht dazu bei, der allgemeinen Beachtung zu empfehlen. Der Freund und Gesinnungsgenosse des Herrn Stöcker, Herr Pastor de le Roi, Beamter der „Gesellschaft zur Beförderung des Ehristenthums unter den Juden", hatte zu gestern Abend eine antisemitische Versammlung einberufen, in welcher er seinen Vorschlag einer Uebersiede^ung aller Juden aus Europa nach Egypten vor einer gemischten Korona von Antisemiten und eingeladenen jüdischen Mitbürgern vertheidigen wollte. Herr de le Roi hatte es für passend gehalten, den stellvertretenden Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde schriftlich zum Besuch der Versammlung, und zwar als den Vertreter der Judenfchaft Berlins, einzuladen. Dies Schreiben gab den Anlaß zu einer Anfrage an . den antisemitischen Prediger, um was es sich denn eigentlich in dem wunderlichen theologisch-politischen Kolloquium handeln sollte, worauf die Antwort einlief, es würde eine Petition an den Fürsten Bismarck um zwangsweise Ueberführung der deutschen Juden in das Land der Pharaonen beabsichtigt, die Petition werde in der Versammlung zur Unterzeichnung ausgelegt sein; die erscheinenden Juden ständen unter dem Schutz des Gastrechts der Antisemiten. — Diese Versicherung scheint jedoch nicht geeignet gewesen zu sein, zum Besuch der Versammlung zu verlocken. Die Theilnahme des jüdischen Elements war nur sehr mäßig. Berlin, 18. Sept. Gestern hielt der Abg. Eugen

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