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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-03 · Heft 40 (3.10.1882) · p. Seite 653

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 40 (3.10.1882)
Date
1882-10-03
Page
Seite 653 (sequence 5)
Language
German
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Raca, den reinen Juden, ruft der gute Stöcker, der jedoch in seiner Eigenschaft als evangelischer Prediger die Bergpredigt gelesen haben sollte. Die Reformirten, welche dem Geiste des Jahrhunderts folgen, welche Schinken essen, sich dabei wohl vor den Trichinen hütend, welche die Mischehen nicht fürchten, von denen glauben Sie wohl, daß sie weiter vorgeschritten? O ja wohl! Mit ihnen steht es noch schlimmer. Von den Mischehen will Herr Stöcker nicht reden hören; sie würden die christliche Bevölkerung verderben. Wirklich, alles dies ist noch lächerlicher als abscheulich. Aber fahren wir fort. 5. „Die Emanzipation der Juden, nicht allein in dem Sinne einer vollkommenen Gleichheit vor dem Gesetze, sondern auch im Sinne einer vollkommenen bürgerlichen Gleichheit, steht in Widerspruch mit dem Wesen des Judenthums wie mit dem Wesen, sogar mit der Idee des christlichen Staates; sie ist ein verhängnißvoller Jrrthum in ihrem Prinzip wie in ihren Folgen. Die höheren amtlichen Anstellungen müssen den Juden versagt bleiben; ebenso die Lehrstellen an den christlichen Schulen." Ein excellentes Mittel, um die Juden daran zu verhindern, das Finanzmonopol zu erwerben! Aber Herr Stöcker ist noch nicht zu Ende mit seiner Rolle: 6. „Aus dem sozialen Gesichtspunkte ist das moderne Judenthum, da es meistens die einzige Geldmacht repräsentirt, da es die Thatigkeit der Anderen ausbeutet, da es an der produktiven Arbeit und an den sozialen Verpflichtungen, die sich an diese knüpfen, wenig Theil nimmt, eine dringende soziale Gefahr zu einer Zeit, in welcher der Kampf zwischen dem Kapital und der Arbeit bis zur Bildung von Parteien geht, die eine allgemeine Umwälzung träumen, den Umsturz aller Institutionen, die soziale Liquidation; und diese Gefahr ist um so ernster, als es schon durch sein Prinzip selbst, die Negation der Fuudamentalbasen des christlichen Staates, einen bedeutenden Antheil an der Verbreitung der revolutionären Ideen hat. Die Finanzmacht der Juden ist ein Hinderniß für die Unabhängigkeit des Staates, für sein eigenstes Leben, ihre Agiotage bringt der Geschäftswelt eine unglückliche Richtung, und der Einfluß, den sie auf die Industrie und die Fabrikation ausüben, indem sie einen für die Arbeit beschwerlichen Zwischenhandel an sich reißen, ist die Ursache zahlreicher Mißstände im Volke." Handelt es sich also darum, den ökonomischen Traum zu verwirklichen: die Unterdrückung der Zwischenhändler, welche die Civilisation der Troglodyten nicht kannte? Das ist der Gipfel der Uneigennützigkeit . . . oder der Unklugheit. Was sind Sie denn selber, o Stöcker, Hirt der Seelen, wenn nicht , ein Vermittler zwischen Mensch und Gott? Und ein beschwerlicher Vermittler, denn das Kultusbudget .ist sehr hoch, viele Leute sind der Meinungman könnte es entbehren und in Deutschland selbst, wenn dort die Kultussteuer fakultativ wäre, würde Ihr religiöser Beruf vielleicht um ein Beträchtliches geschmälert. Diese Idee, den Juden die sozialen und revolutionären Agitationen zuzuschreiben, ist ein köstlicher Fund. Für einen Lassalle, wie viele Konservative giebt es in Israel! Aber was ist nun schließlich das Heilmittel? Der erzwungene Uebertritt, der Massenübertritt? Rein. Und die Rasse? Und die christliche Bevölkerung, die nicht verdorben werden soll? Aber dann, was thun? Die Austreibung. H. Henrici, der Rival , des Herrn Stöcker, würde vielleicht so weit gehen! Aber der Hofprediger von Berlin bleibt auf halbem Wege stehen. Folgendes schlägt er vor: 7. „Die Unzukömmlichkeiten, die der jüdische Geist dem Handel, der Industrie und dem Ackerbau zuführt, müssen durch eine, die Kapitalmacht beschränkende Gesetzgebung bekämpft werden. Mögen die Christen so viel wie möglich nur mit Christen Geschäftsverbindungen eingehen." P Ein Handelsghetto, das ist das Heilmittel des vr. Stöcker. Das ist eine Angelegenheit der Sitte. Nach Allem steht es den Christen frei, nicht in die Thore der jüdischen Banken einzutreten. Gott will es, Christen, meine Brüder, gründet christliche Banken, christianisirt die Kapitalien; bis jetzt ist es Euch nicht geglückt, aber man kann doch nicht wissen. Es ist wohl wahr, daß die christlichen Banken ein Eskompte erheben werden, dessen Taxe nicht geringer als die der jüdischen Banken sein wird, aber das, Geschäft des Ban«, quiers hat von dem Augenblicke an nichts Tadelnswerthes oder Verderbliches an sich, sobald es von einem Unbeschnittenen ausgeübt wird. Was die, die Kapitalmacht beschränkende Gesetzgebung betrifft, so hütet sich Herr Stöcker wohl auch nur die Umrisse davon anzudeuten, nicht allein weil dies Problem seine' Kräfte übersteigt, sondern weil er alle christlichen Kapitalisten gegen sich haben würde und nicht allein die Finanziers von Profession, sondern auch die Industriellen, die Geschäftsleute, die Landleute, selbst die Arbeiter, die aufgeklärten und sparsamen Arbeiter, alle Arbeiter, welcher Stufe, welcher Kategorie sie auch angehören, und dies aus dem Grunde, weil jede Arbeit Kapital schafft. Die politische Oekonomie des Predigers Stöcker ist reine Phantasie. Und seine Geschichte? Man sollte jedoch nicht vergessen, daß wenn die Juden fast den Geldhandel an sich gezogen haben, dies daher kommt, weil das christliche Mittelalter ihnen den Ackerbau untersagt hatte. Jetzt möchte man ihnen das Kapital untersagen. Und die Verwaltung und das Professorat! Und vielleicht auch so wie früher den Besitz von Immobilien! Warum nicht, wenn man einmal dabei ist! Da gehe man auch bis ans Ende, bis zur Konfiskation, bis zur Sklaverei, die für sie ganz extra wieder hergestellt werden

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