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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-10-03 · Heft 40 (3.10.1882) · p. Seite 652

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 40 (3.10.1882)
Date
1882-10-03
Page
Seite 652 (sequence 4)
Language
German
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ander ermöglicht und erlangt wird; daß wir uns deshalb an die geschichtlichen Errungnisse der Menschheit anschließen müssen, an das, was lebendig aus der Vergangenheit die Gegenwart durchwirkt und trägt — dann werdet Ihr auch den Weg finden, der Euch zur Gotteslehre des Judenthums zurückführt, Ihr werdet sie kennen zu lernen, zu begreifen und mit frischem Geiste fortzubilden Buch zur Aufgabe stellen, und zu glücklichen Resultaten kommen. Stöckers acht Thesen auf dem antisemitischen Kongreß;u Dresden. Ein Beweis, daß die antisemitische Bewegung in Deutschland sich zu verlaufen begonnen hat, ward dadurch geführt, daß die acht Thesen Stöckers, welche den Kernpunkt des Dresdener Kongresses bildeten, von der deutschen Tagespresse, mit Ausnahme des reaktionären Theiles derselben, völlig unbeachtet blieben, weder mitgetheilt, noch besprochen wurden. Das Interesse an derartigen Elaboraten hat sich verloren. Anders, verfuhren die Wiener Blätter, wie z. B. die „N. fr. Pr?' eine Reihe geistreicher und scharfer Artikel gegen jene Thesen brachte. Heute erhalten wir die Independance beige vom 18. September, welche die Thesen vollständig giebt und jede .derselben mit einer Glosse versieht. Wir zweifeln nicht, daß französische und englische Blätter diesem Beispiele folgen. Dadurch.,erhalten die Thesen einige Wichtigkeit, so daß uns die.BerPflichtung auferlegt wird, sie auch unsrerseits wiederzuge^en. Sie zu bekämpfen, wäre dagegen ganz überflüssig. Sind , es, doch nur die alten, oft wiederholten und eben so oft widerlegten Phrasen, deren Oberflächlichkeit, Leichtfertigkeit und innere Widersprüche nachgerade Jedem klar geworden sind. Wir begnügen uns, den ganzen Artikel der Independance als eines bedeutenden Blattes des Auslandes in wortgetreuer Uebersetzung hier herzustellen. Sie sagt: Als Kuriosität sowohl wie als Dokument wollen wir den Text der acht Resolutionen veröffentlichen, welche der antisemitische Kongreß zu Dresden angenommen auf den Antrag des bekannten Predigers Stöcker, des Haupturhebers der Bewegung, der jetzt — Alles ist relativ — ein Gemäßigter unter beit Wüthenden ist. 1. „Die jetzige Lage der Juden ist für sie selbst und für alle civilisirten Völker eine Gefahr und schon für manche Nation eine Quelle der materiellen und intellektuellen Korruption. Eine internationale Verbindung, die zum Zweck hat, diese Superiorität zu brechen, ist eine unbestreitbare Pflicht der Civilisation für die christliche Welt." Eine Gefahr „für sie selbst" ist reizend. Das ist der Torquemada von Victor Hugo, der die Menschen, verbrennt, um ihre Seelen zu retten, wenn nicht Ugvlini, der seine Söhne verspeist, um ihnen einen Vater zu erhalten. 2. „Die jüdische Frage, obgleich sie auf dem Unterschiede der Race und.des Glaubens basirt, erscheint jedoch nicht als eine ausschließlich ethnische oder religiöse, sondern als eine universelle Frage, die einen historischeu^und politischen Charakter hat und hauptsächlich die soziale Politik und religiöse Moral betrifft." Das ist abgemacht, die Religion spielt nicht dabei mit. Aber des Pudels Kern wird sich gleich zeigen. Tartufe beruft sich auf die Moral, auf die . . . religiöse Moral! 3. „Der Einfluß der Juden, der in keinem Verhältnis zu ihrer Zahl steht, noch in keinerlei Weise durch ihre höhere Befähigung motivirt ist, kommt von ihrer völligen Gewissenlosigkeit in der Erwerbung und Ausbeutung der Macht des Geldes her, von ihrer Feindseligkeit gegen den christlichen Staat und die christliche Gesellschaft, von der Macht, die sie durch diese Mittel über die schwachen und schlechten Elemente der Nationen gewinnen, sie rührt schließlich, von der Unvollkommenheit unserer gegenwärtigen politischen und sozialen Lage her." Man sollte wirklich meinen - die Juden hätten niemals etwas anderes als Finanziers gehabt; niemals einen Denker, Spinoza wird nicht gerechnet; niemals einen Dichter, von Heinrich Heine wollen wir nicht reden; niemals einen Künstler, Meyerbeer existirt allerdings, ein authentischer Jude, und Mendelssohn, ein getaufter Jude, aber was will das sagen? Er behandelt die Geschäfte recht junkermäßig, dieser Pastor Stöcker, der die jüdische Frage als eine historische Frage hinstellt. 4. „Was die politische Seite betrifft, so sind die Juden als eine Nation, die durch sich selbst und durch, ihre Traditionen dazu bestimmt ist, eine besondere Nationalität zu bleiben, die sich von allen Völkern durch die internationalen Bande des Ursprungs, der Sprache und der Sitten unterscheidet, die durch ihre exklusive Verheirathung wie durch das Befolgen der Gesundheits- und Speisegesetze den Charakter einer Kaste bewahrt, die Juden sind als solche unfähig, irgend einem christlichen Volke ein organisches Element zu liefern, das von ihr ein integrirender Theil werde. Trotz einiger Einzelheiten mache.n die Reformjudett (das heißt diejenigen, welche nicht mehr so streng die alten Gebräuche ihrer Race befolgen) ernstlich doch keine Ausnahme von der allgemeinen Regel, aber durch ihre Bemühungen, die christliche Bevölkerung zu beherrschen und zu verderben, bilden sie eine ebenso große Gefahr." , Man muß gestehen, die Juden haben kein Glück. Die Reinen, diejenigen, welche den Sabbath feiern, sich unter sich. verheirathen, ihre Fleischer und Köche haben, mit diesen ist nichts weiter zu thun, sie bilden eine Nation in der Nation.

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