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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-26 · Heft 39 (26.9.1882) · p. Seite 645

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 39 (26.9.1882)
Date
1882-09-26
Page
Seite 645 (sequence 13)
Language
German
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von der „Ausbeutung" aus, die so weite Verbreitung gefunden, und fordert die Regierung auf, im allgemeinen Interesse Rußlands ihr nicht ferner ihre Unterstützung zu leihen, Graf Tolstoi würde angesichts aller dieser Beweise gut thun, die „Ausbeutungsfrage" nochmals zu erwägen; in der That, eine weise Behandlung der Judenfrage rein vom wirtschaftlichen Standpunkt wird,: wie wir glauben, ihre einzige.wahre Lösung bilden." Petersburg, 12. Sept. Dem .General-Gouverneur Drenteln soll es wegen seiner antisemitischen Rede in Balta nahe gelegt sein, sein Demissionsgesuch einzureichen, nicht etwa weil Tolstoi judenfreundlich geworden ist/ sondern weil Drentelens Aeußerungen als Ergebniß der Rivalität zwischen dem Minister des Innern und den sich als Satrapen gerirenden Generalgouverneuren aufgefaßt wird. Jgnatiew bekannte offen seine Ohnmacht diesen Satrapen gegenüber, Tolstoi aber will seine Stellung behaupten.' Amerika. ' New-Uork, 8. Septbr. Die reaktionären und pietistischen Blätter in Europa, besonders die deutschen, bemühen sich jetzt, theils über die russischen Flüchtlinge in Amerika, theils über das Hülfswerk und seine Träger, böswillige Gerüchte zu verbreiten. Wir geben deshalb zur größeren Klarstellung eine Korresp. wieder, welche die „Franks. Ztg." brachte. Sie lautet: Die russischen Flüchtlinge, die mit sogroßen Hoffnungen nach dem „Lande der Freiheit " gezogen, sind bereits amerikamüde geworden und sehnen sich nach ihrer alten Heimath zurück. Dieser Tage hielten sie im Battery Park eine Versammlung ab, in welcher sie eine an das-Publikum zu erlassende Petition beriethen, die sofort 400 Unterschriften erhielt und worin die Bitte ausgesprochen wurde, man möge die nöthigen Mittel austreiben, um sie nach Rußland wieder zurückzuschicken. Im letzten Monat seien von der Unterstützungsgesellschaft über 40,000 Doll, ausgegeben worden, eine Summe, die hinreichend genüge, um sämmtliche Flüchtlinge zurückzubefördern. Allein'die Beamten der Gesellschaft hätten ein Interesse daran, sie so lange wie möglich hier zu halten, damitsie ihre fetten Salaire weiter beziehen könnten. Ein Berichterstatter eines hiesigen Blattes begab 'sich nun am andern Tage/ um die wirkliche Ursache'ihrer Unzufriedenheit^ kennen zu lernen und um den Gerüchten über ihre Arbeitsscheu entgegentreten zu können, nach dem Battery Park, — dem an Castle Garden anstoßenden herrlichen Square, von wo - aus man eine grandiose Rundsicht auf' den Hafen'mit seinen unzähligen Schiffen und seinen in saftigem Grün prangenden Inseln und Auen genießt, 7-" woselbst sich die Flüchtlinge des /Tages über ' aufzuhalten pflegen, und 'erhielt von ihnen folgende Aufschlüsse: „Gewiß cköchten wir wieder zurück", sagte der Eine auf die diesbezügliche Fra^e^'des Berichterstatters, „ denn was sollen wir in diesem Laüdeft'huu, wo man uns weder Arbeit noch Nahrung 7 geben: will. dachten in ein freies Land zu kommen, wo wir üns> revlrch ernähren könnten, sind aber,nur aus dem Regen in die Traufe gerathen; wir suchen Verfolgungen^^etztAehen, haben uns aber neuen ausgesetzt." „Es heiD ab'er^^Jhr^ wollt nicht arbeiten und Ihr könnt doch nicht erwarten,'^d^ andere Leute Euch ernähren?" wandte der Berichte^ „ Glauben Sie das ja nicht, lieber Herr, was may^in'hiefer Hinsicht von uns erzählt", sagte der Flüchtling mit'Warme. „Es mag . wohl Einige unter uns. geben, die ärbeitsfaul sind, die Mehrzahl ist aber gerne bereit, irgend etwas zu thun, um nur das Leben 'fristen und die Familie ernähren zu können. Viele von uns haben draußen auch als Handwerker und in Fabriken gearbeitet, sie find also an harte Arbeit, gewöhnt; aber man bietet uns ja keine Arbeit an. Die Gesellschaft schickt wohl Leute hie und da fort, nach entfernten Orten, ohne sich aber, darum zu kümmern, ob sie die ihnen übertragene Arbeit verrichten können. Neulich wurde eine Anzahl nach einer Gegend geschickt, wo sie unter der sengenden Gluth der Sonne die schwerste Arbeit verrichten mußten; als mehrere der Hitze erlagen, weigerten sich freilich die Anderen weiter zu arbeiten, und als sie'verlangten, daß man ihnen ihr verdientes'Geld bezahlen solle', wurde ihnen gesagt, ' sie seien noch 9 Dollars pro Mann.für die Bahnfahrt schuldig. Können Sie es unter diesen Umständen den Leuten.verargen, wenn sie von dem Lande enttäuscht sind, von welchem man ihnen solche große Versprechungen machte?" Hat man Eüch denn Versprechungen gemacht?" frug derBerrA^rstatter. „Und wie große", sielen mehrere Stimmen ein^/Äran hat uns gesagt, wir würden bei der Ankunft entweder'Farmen oder Mittel zum Geschäfte bekommen." „Wer hat Euch diese Versprechungen gemacht?" inquirirte der Berichterstatter.' „Die Leute,' welche uns herschickten; : auch in den Zeitungen hieß es, daß der amerikanische Gesandte oder Konsul Namens der Regierung solche Versprechungen gemacht habe." Die weitere Unterhaltung würde durch einen hinzukommenden Parkpolizisten in brutaler Weise gestört, indem er mit seinem Knüppel auf die Unglücklichen eindrang und dem Berichterstatter, als dieser die letzteren in Schutz nehmen wollte, eine gleiche Tracht Prügel in Aussicht stellte! Der Reporter beschwerte sich natürlich bei dem Sergeanten, der Parkpolizei, wurde aber bedeutet, daß der Knüppelheld sich in,- seinem Recht befinde, da Zusammenrottungen auf .öffentlichen Plätzen verboten' seien. Die Flüchtlinge befinden ' sich ihrer Angabe gemäß zwischen zwei Feuern. 'Wenn sie' sich. dem Bureau der Unterstühungsgefellschaft ohne Erlaubnißschein nahen, knüppelt sie der vor demselben stehende Blaurock und gehen sie in den Park, dann knüppelt sie ein Graürock (die gewöhnlichen

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