Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1882)
- Date
- 1882-09-26
- Page
- Seite 646 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Polizisten tragen nämlich blaue, die Parkaufseher graue Uniform). Daß sie bei solcher zarten Behandlung sich manchmal zu Ausschreitungen Hinreißen lassen, kann man ihnen wahrlich nicht verdenken. — Der Berichterstatter besuchte aber auch noch den Sekretär der Unterstützungsgesellschaft, um von ihm Auskunft über die kolossale Höhe der Ausgaben des letzten Monats zu erbitten. Herr Levy, der Sekretär, legte dem Interviewer in der zuvorkommendsten Weise den Ausweis vor, worin folgende Posten figuriren: Salaire für Beamte Doll.^ 1505,64; Miethe Doll. 158; Schreinerarbeiten Doll. 106,82; ein Polizist Doll. 67,95; Herrn Goldmann's Ausgaben auf seiner Kolonisatiönstour im Westen Doll. 405; Anzeigen DE 95; Stenograph Doll. 55; Schreibmaterialien und Drucksachen Doll. 325,01; Postmarken und Telegramme Doll. 187,24; Verschiedenes Doll. 272,92; Kost und Wohnung für die Flüchtlinge Doll. 11,546,80; für die Flüchtlinge auf Wards Island (Kranken-Hospital) Doll. 2201,23; Transportkosten nach Europa und nach Orten dev Ber. Staaten Doll. 9575,54; Kleider Doll. 1498,83; Unterstützungen Doll 5204,43; Brooklyner Flüchtlinge Doll. 1971,52; Vineland Kolonie Doll. 5313,61; Kolorado-Kolonie Doll. 1617,10; Zweigvereine Doll. 1151,24; zusammen Doll. 43,657-30. — Im letzten Monat wurden nach der Angabe des Herrn Levy 150 Personen, die theils krank, theils eine große Familie haben, nach Rußland zurückgefandt. Die Gesellschaft hat indeß noch für 1250 Flüchtlinge zu sorgen; 350 sind auf Wards Island untergebracht, 250 in Greenpoint resp. Brooklyn, 300 in Castle Garden und 288 Frauen mit 213 Kindern in verschiedenen Logirhäusern. Die Kost der Leute ist nichts weniger als opulent und werden ihnen täglich nur zwei Mahlzeiten verabreicht, die zumeist aus Kaffee oder Thee und Brod am Morgen, und aus Suppe, Reis und Kartoffeln am Mittag bestehen; Fleisch figurirt nicht auf dem Küchenzettel und nur am Samstag erhalten sie je ein Ei. — Aus diesen objektiven Darstellungen geht wohl zur Genüge hervor, daß die Klagen der bedauernswerten Heimathloseu nicht unberechtigt sind und daß die in vielen deutschen Blättern in tendenziöser Weise verbreiteten Nachrichten über die Arbeitsscheu und Unverschämtheit derselben jeder tatsächlichen Begründung entbehren. I eu i i le Io u. vermischtes. Graf Jgnatieff und die Juden. . { Bekanntlich hat der gewesene russische Minister be§ Innern, Graf Jgnatieff, bisher stets und. bei jeder Gelegenheit geleugnet, daß er ein Feind der Juden sei, die neulichen Judenhetzen in Rußland geduldet habe u. s. w. Nun hat sich dieser famose Intrigant selbst verrathen und zwar auf folgende Weise: Graf Jgnatieff reiste, wie der „Odeßkij Listok" („Odessaer Blatt") schreibt, vorige Woche über Schmerenka nach Kiew und als er am 29. v. M. im Bahnhof von Schmerenka ankam, ließ er daselbst durch-Gendarmen alle anwesenden Juden Hinaustreiben. Natürlich wollten sich diesem drakonischen Befehle des ehemaligen Allgewaltigen von Petersburg nicht alle im Bahnhofe, anwesenden Juden fügen und blieben auf ihren Plätzen stehen. Da stürzte der Graf gleich einem Wüthenden auf, die harmlosen Juden und schrie, mit geballten Fäusten um sich schlagend: „Paschli won kanalji, a to ja was . . . . ssukby djeti!“ („Marsch hinaus) Kanaillen, oder ich werde Euch. . . Hundekinder!") In demselben Moment stürzten sich die Gendarmen auf die trotzigen Juden und jagten dieselben, indem sie mit Fäusten und Säbeln hieben, zu den Bahnhofthoren hinaus. General' Jgnatieff dankte den Gendarmen und schenkte denselben zehn Rubel Trinkeld „Na tscliaj", wie er sich selbst ausdrückte. Bekanntlich besitzt Graf Jgnatieff im Kiewer Gouvernement seine Güter, auf welchen sich heute nicht ein einziger Jude aufhalten darf. Sittenpolizei in Konstantinopel. .Der in Konstantinopel erscheinende „Stambul" erzählt: Zahlreiche Mädchen aus dem hiesigen, durch' die Schönheit seiner Töchter bekannten Judenviertel Haskoi lassen sich des Abends auf ihren Spaziergängen von christlichen Galans die Cour machen und bis zur Thür ihrer Häuser -begleiten. Vergebens haben bisher die Rabbinen ihre warnende Stimme gegen dieses sündhafte Treiben erhoben. An, einem der letzten Abende wurden nun die betreffenden Mädchen in die Synagoge beschieden, deren Thüren sich sogleich hinter ihnen schlossen, worauf sie alle auf Befehl des Rabbiners durchgepeitscht wurden. Zum Schluffe kündigte der Rabbiner dann den Damen an, daß er sie bei Fortsetzung ihres lasterhaften Wandels insgesammt steinigen lassen werde."