Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1882)
- Date
- 1882-09-26
- Page
- Seite 642 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ihne^.hserzu gar kein Anhalt vorliegt, nehmen sie den OberstaaAflMalt Kozma zum Ziel ihrer Angriffe. Das Witzblatt: „Üestökös" brachte eine desfallfige Carrikatur. Herr Kozma suchte nicht bei den Gerichten Genugthuung für diese unerhörte Beleidigung, sondern zog es vor, in einem Briefe qn Myriz,Jokai an das Ehrengericht der ungarischen ^our» Unlisten > appelliren. Vor diesem Forum fand er denn auch ^hje^ geforderte Genugthuung, indem das Ehrengericht den Angriff als eine vollkommen grundlose, unwürdige Verdächtigung.^ntschieden verdammte und indem es dem Redakteur des „Üestökös" mit der Drohung, ihn sonst aus dem Journalisten-Bercine auszuschließen, die Veröffentlichung dieses .. Urtheils" auftrug. Mit solchen Waffen kämpfen unsre Gegner. Pest, 13. Septbr. Wir sammeln noch folgende Mittheilungen. Der „Nemzet" berichtet: Die Affaire von Tißa- Eßlar nähert sich ihrem Abschlüsse. Ober-Staatsanwalt Kozma ist gestern (Samstag d. 9.) früh mit dem Gerichts- Präsidenten Kornis nach Tißa-Eßlar hinausgefahren. Ihr erster Weg galt natürlich der Synagoge. Um dem Leser eine annähernde Vorstellung von der Lage des Gebäudes zu ermöglichen, geben wir hier eine primitive Zeichnung von demselben, die aber zum Verständnisse des Folgenden genügen dürfte. ri I H°us I Straße Der Haupteingang in die Synagoge befindet sich von vorn, wo die Straße sich hinzieht; rückwärts befindet sich der Eingang für die Frauen, mit einer Treppe in jenen Korridor, wo der Mord angeblich geschehen ist. Das kleine Quadrat links im Korridor bezeichnet den Tisch, um welchen herum fünf Menschen nur knapp Raum finden; da aber nach der Aussage des Moriz Scharf mehr als fünf anwesend waren, mußten einige davon unbedingt mit dem Rücken gegen die Thür, die im untern Winkel rechts zu sehen ist, gestanden sein, gegen jene Thür, .durch deren Schlüsselloch Moriz angeblich hineingeschant hat. Die Synagoge umgeben —- nicht etwa in weiter Entfernung, sondern in unmittelbarer Nähe — drei von Christen bewohnte Bauernhäuser. Eines derselben schaut - wie. die Zeichnung zeigt — gerade auf die Thür des Korridors. Vor jedem dieser Häuser saßen öder tummelten sich geschäftig auch gestern wieder die Hansleute. Rechts steht das Haus des Joseph Scharf, ein Eckhaus, mit dem oft erwähnten Bade, das keineswegs so tief liegt, wie vielfach erzählt wurde; daß es heute schmutzig ist, wird Niemanden Wunder nehmen — ist es ja doch seit Monaten verlassen. Die Badestube ist übrigens gedielt und es führt eine genugsam feste Eichenholz-Stiege in das Bad hinab. Es muß noch bemerkt werden, daß vor der Synagoge zwei Wege in das Dorf führen, die stets eine rege Frequenz zeigen. Nun denke sich Einer, daß die Juden in einem so völlig, freiliegenden, so vielen Blicken ausgesetzten Gebäude sich unterfangen, eine Mordthat zu vollbringen und gar am Hellen Mittag, wie Moriz Scharf behauptet.' Der Ober-Staatsan- Walt und der Gerichts-Präsident schauten wiederholt durch das Schlüsselloch hinein und ließen Alles aus dem Wege räumen, was einen Schatten hätte werfen können. Wie sehr sie auch schauten: sie mußten die Neberzeugüng gewinnen, daß die Aussage Moriz Scharfs sehr zweifelhaft sei. Da die Sache sich so verhält, wird Moriz Scharf nicht nur noch einmal verhört werden müssen, sondern es wird die ärztliche Untersuchung keinesfalls unterbleiben dürfen, deren, Nothwendigkeit ich schon in meinen früheren Berichten betont habe. Das Innere der Synagoge ist völlig verwüstet. Tische und Bänke sind zertrümmert, die Fenster eingeschlagen, die Dielen aufgerissen, die Bücher in Stücke zerrissen. Da die Fahrnisse des Joseph Scharf hiehergeschafft wurden, ist der Boden mit den Federn des zerrissenen Bettzeuges bedeckt. Wer diese Verwüstung angerichtet, ist bis heute nicht bekannt. Der Gerichtshof hat nicht viel uachgeforscht, doch 'wird, so viel ich weiß, die Staatsanwaltschaft den Antrag auf Einleitung der Untersuchung stellen, oder hat ihn vielleicht schon gestellt. Während der Ober-Staatsanwalt und der Gerichtspräsident die Synagoge besichtigten, hatte sich die Judenschaft, Männer und Frauen, Groß und Klein, angesammelt. Diese verzweifelte Menge bot einen sehr betrübsamen Anblick. Um sich ihrer zu erwehren, richtete sowohl der. Ober-Staatsanwalt, als der Gerichtspräsident kurze Ansprachen an die Menge und baten sie, sich zu beruhigen, da die Angelegenheit schon in kurzer Zeit, erledigt sein werde, Der Ortsrichter von Tißa-Eßlar'ist ein sehr verständiger, wackerer Mann. Auf die Frage des Ober-Staatsanwalts, ob die Jnhaftirten im Rufe schlechter Menschen gewesen seien, oder ob dieselben Wucher trieben, antwortete der Richter verneinend. Sie wären sämmtlich rechtschaffene Leute; Mehrere leben vom Tagelohn; ein Theil der hier