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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-26 · Heft 39 (26.9.1882) · p. Seite 641

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 39 (26.9.1882)
Date
1882-09-26
Page
Seite 641 (sequence 9)
Language
German
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W Ti - 641 möglich, die Juden-Emancipation auf ein Menschenalter zurück wieder aufzuheben. Nach einer Pause werden dann eine ganze Anzahl Thesen gegen die Juden eine Art antisemitischer Credo's zur Annahme vorgeschlagen und en bloc angenommen. Als von positivem Inhalt heben wir nur die Sätze hervor, daß Juden keine obrigkeitlichen Stellen und ebenso wenig Lehrämter an christlichen Schulen einzuräumen sind. Ferner vom 12 Sept.: Der Antisemiten- Congreß, der heute geschlossen worden ist, werde schwerlich den Erwartungen entsprochen haben, die man von Seiten der Antisemiten auf ihn gesetzt hat. Gesprochen worden ist nicht anderes, als was man schon hundertmal daheim gehört hat, und eine ganze Anzahl -platonischer Resolutionen sind gefaßt worden, die einen praktischen Werth selbst in den Augen der Antisemiten kaum haben können. Bon irgend welchem greifbaren Resultat für irgend welche Organisation, Taktik oder Verwirklichung des antisemitischen Glaubensbekenntnisses war nichts zu spüren. Ein großer Theil der antisemitischen Apostel, unter ihnen Herr Stöcker, waren, nachdem sie gestern ihre Herzen in Reden und Resolutionen erleichtert hatten, heute schon abgereist. Nur noch etwa 150 Personen waren noch anwesend. Man beschäftigte sich heute mit dem Manifest des Abgeordneten Herrn Jstoczy, das von der Kommission, der es überwiesen worden, mannigfach abgeschwächt war. Die Verlesung des langathmigen Opus nahm ungefähr eine halbe Stunde in Anspruch, wurde dann en bloc angenommen und soll in europäischen und außereuropäischen Blättern veröffentlicht werden. In der „Times", dem „Weltjudenblatt", soll es als bezahltes Inserat erscheinen. Die Gelder sind, wie bemerkt wurde, vorhanden; woher sie jedoch kommen, sei nicht opportun zu verrathen, jedenfalls aber sei die Quelle rein. Herr Freiherr von Fechenbach war nicht selbst erschienen, aber auch er hatte eine Resolution eingesandt, daß eine Grenzsperre im Osten gegen die Juden eingerichtet werden und die Juden vom Militairdienst befreit sein sollen. Selbstverständlich wurde die Resolution ebenfalls angenommen. BromLerg, im Septbr. Wir haben bereits der feierlichen Grundsteinlegung allhier erwähnt. Derselben wird aber eineweitere Bedeutung beigelegt, und wir kommen deshalb noch einmal darauf zurück. Wir lesen hierüber in einem Blatte: „Die Berliner Antisemiten-Agitation hat alle Schärfe verloren und ist offenkundig im Niedergange begriffen. Die Anti-Semiten-selbst gestehen, daß sie mit den Reden, die sie jetzt halten und den Schriften, die sie verbreiten, hauptsächlich auf's Ausland, besonders Oesterreich- Ungarn zu wirken beabsichtigen. Als Zeichen der Ohnmacht der Anti-Semiten kann wohl auch die Grundsteinlegung zur Synagoge in Bromberg angesehen werden, in welcher Stadt, wie verbreitet worden, ein fürchterlicher Judenhaß herrschen sollte. Die „Kreuzzeitung" berichtet über diese Feier ausführlich. Die üblichen drei Hammerschläge that zuerst Ober- Regierungsrath Hahn Namens der Regierung. Im Anschluß an die Worte der Festpredigt wünschte er, daß die Erbauer und sämmtliche Anwesenden die Vollendung des Werkes erschauen mögen. Landrath v. Oertzen that die Hämmerschläge unter dem Ausspruch: „Wo der Herr nicht das Haus bauet, arbeiten umsonst, die daran bauen." Der evangelische Pfarrer Serno sprach: „Des Herrn Wort ist wahrhaftig und was er zusagt, das hält er gewiß." Auch Ober-Postdirektor Hirsch und. Steuerrath Jäch, Bau-Inspektor Muttray sowie Konsistorialrath Taube und Divisions-Pfarrer Moldenhauer sprachen zu den drei Hammerschlägen. Auf die evangelischen Geistlichen folgten unmittelbar die Rabbiner Dr. Gebhardt und Theodor. - - München, 10. Septbr. — Seit einigen Tagen treffen mit den von Oesterreich kommenden Bahnzügen große Transporte russischer Juden auf dem Centralbahnhof ein, um von hier nach Paris weiter zu gehen. Dieselben kampiren während der Zwischenzeit auf dem Bahnhofe, da ihnen, wie wir hören, das Betreten der Stadt behördlicherseits untersagt ist. Oesterreich-Ungarn. Wien, im Septbr. Se. Majestät der Kaiser läßt den jüngern Bruder des beim . Bomben-Attentat in Triest getödteten Studenten Angelo Forti auf seine Kosten im Theresianum erziehen. — Ein schöner Akt von Toleranz wird aus Tißa-Roff gemeldet: Bor Kurzem starb hier Herr Jos. Singer, ein Israelit, ein allgemein hochgeachteter Mann. Bei seinem Leichenbegängnisse hielt der hiesige evangelische Geistliche Nik. Toth eine ergreifende Rede. Am Grabe, bevor der Sarg hinabgelassen wurde, spielte eine Zigeuner-Capelle das Lieblingslied des Verblichenen, eine altungarische melancholische Weise, die bei solch' traurigem Anlasse vorgetragen, alle Anwesenden zu Thränen rührte. Pest, 8. Sept. Obgleich der Oberstaatsanwalt Kozmä nach Nyiregyhaza gereist ist, und man von dessen Anwesenheit eine Beschleunigung in der Tißa-Eßlarer Affaire erwartet, so ist. doch hiervon bis jetzt nichts zu verspüren. Dagegen macht sich doch die Ueberzeugung immer mehr Luft, daß die ganze Angelegenheit von der Untersuchung in eine ganz falsche Bahn geleitet, auf derselben ohne allen thatsächlichen Anhalt festgehalten und dadurch nur verdunkelt worden ist. Auch daß auf die Aussagen des dreizehnjährigen Moriz Scharf nichts zu geben, daß sie ihm insinuirt und er an ihr festgehalten worden, ist nicht mehr zweifelhaft. Wir berufen uns hierüber z. B. auf einen Artikel der „Nemyet" vom 7. d. — Die Gegner suchen sich dadurch zu helfenwie es bekanntlich alle geschlagenen Parteien zu thun suchen: sie zeihen die richterlichen Behörden der Bestechlichkeit und da

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